Obergerlafingen

7 Jahre nach Traumhochzeit: Datasport und Swisscom gehen wieder getrennte Wege

Der Firmenstandort von Datasport in Obergerlafingen bleibt auch nach der Trennung im Besitz der Swisscom.

Die Obergerlafinger Firma Datasport wurde mit dem Telekomriesen Swisscom nicht glücklich. Für die Firmen soll sich nichts ändern, für drei Mitarbeiter hingegen schon.

2012 kaufte die Swisscom den Sportdaten-Dienstleister Datasport – jetzt kauft sich das Datasport-Management von der Muttergesellschaft los. Die Kunden sollen davon nichts merken, aber drei Mitarbeiter erhielten die Kündigung.

Es tönte wie die perfekte Hochzeit, als sich die Swisscom vor sieben Jahren Datasport in Obergerlafingen einverleibte. Das führende Unternehmen der Schweizer Telekommunikationsbranche schluckte ein Unternehmen, das auf Dienstleistungen im Bereich Datenmanagement von Breiten- und Massensportveranstaltungen spezialisiert ist, ja sogar zu den führenden Playern auf diesem Feld gehört.

Entsprechend salbungsvoll die Worte von Dieter Bernauer, damals CEO Swisscom Beteiligungen: Man erwerbe neue Kompetenzen, die das bestehende Angebot «sehr gut ergänzen», hiess es in einer Mitteilung vom 8. März 2012.

Plötzlich passt es «strategisch» nicht mehr

Jetzt, etwas mehr als sieben Jahre später, ist alles anders. Jüngst kommunizierte Datasport, dass es zum Management-Buy-out komme. Die Tochtergesellschaft löst sich also wieder vom Mutterkonzern Swisscom.

Auch dieses vermeintlich perfekte Paar hat also das verflixte siebte Jahr nicht überstanden. Die Swisscom schreibt auf Anfrage dieser Zeitung, Datasport passe «nicht mehr in die strategische Ausrichtung des Konzerns», Strategien veränderten sich eben über die Jahre. Zudem könne sich Datasport als eigenständiges Unternehmen langfristig besser weiterentwickeln.

Über die Übernahmebedingungen haben die Swisscom und das Management der einstigen Tochter Stillschweigen vereinbart. Klar ist aber dank des Solothurner Amtsblattes, dass der Hauptsitz des Sportdienstleisters in Obergerlafingen neu der Swisscom gehört.

Die Liegenschaft sei Teil des Übernahme-Deals bestätigen sowohl die Swisscom als auch Datasport. «Wir bleiben hier, jetzt einfach als Mieter», sagt Thomas Bachofner. Er war die letzten zehn Jahre Swisscom-Angestellter, seit drei Jahren Verwaltungsrat bei Datasport, zuletzt Präsident.

Jetzt ist er Haupteigentümer und Geschäftsführer der Sport-Datenspezialisten aus dem Wasseramt.

«Die Gelegenheit beim Schopf gepackt»

«Das bestehende Management ist überzeugt davon, dass wir Datasport als eigenständiges Unternehmen gut weiterentwickeln können. Deshalb haben wir die Gelegenheit beim Schopf gepackt», sagt der neue Geschäftsführer Bachofner.

Es sei ein Vorteil, wenn man als kleinere Firma mit den Sportveranstaltern auf Augenhöhe geschäften könne. Man habe mehr Entscheidungsfreiheit. Obwohl man auch unter der Swisscom eine gewisse Unabhängigkeit gehabt habe, sei man letztlich die kleine Tochterfirma gewesen und auch als diese wahrgenommen worden.

Schon vor rund zwölf Monaten habe der Datasport-Verwaltungsrat deshalb angefangen, die Positionierung des Unternehmens zu analysieren. Man beschloss, noch stärker auf die Veranstalter zu fokussieren, Innovationen voranzutreiben.

Der jetzige Schritt sei letztlich «logische Folge» eines Prozesses, der schon letzten Sommer initiiert wurde.

Strategie-Differenzen führen zur Trennung

Im Zuge dieser Neupositionierung hat man sich auch vom ehemaligen Geschäftsführer Andreas Csonka getrennt. Wie jetzt bei der Lösung von der Muttergesellschaft wurden schon damals Differenzen bezüglich der Strategie als Begründung herangezogen.

Csonka selbst wollte sich weder zur Trennung äussern noch die jüngsten Entwicklungen kommentieren. Noch im November 2016 präsentierte Datasport-Verwaltungsratspräsident Bachofner Csonka als Mann «mit dem richtigen Rüstzeug». Als Mann, der Datasport fit für das Zeitalter der Digitalisierung machen solle.

Tatsächlich sind hier die Ansprüche gestiegen: Heute will ein Läufer oder ein Biker direkt nach dem Rennen aufs Handy schauen können, seine Zeiten einsehen, seine Leistung beurteilen.

Die Angehörigen interessieren sich, wo er während des Rennens steht, wann er an ihnen vorbeirennen wird. Um solche Dienstleistungen auch weiterhin anbieten zu können, wird Datasport auch künftig auf die Unterstützung der Swisscom zählen können.

«Unser Trackingsystem ist eines unserer Alleinstellungsmerkmale. Da ist die Zusammenarbeit nicht infrage gestellt», sagt Bachofner. Die Kunden können also weiter auf die gewohnten Angebote zählen, für einige Datasport-Mitarbeiter hat die Ablösung von der Swisscom im verflixten siebten Jahr aber bittere Konsequenzen

«Effizienz und Kostenbewusstsein sind zentrale Faktoren für unseren langfristigen Erfolg. Um Überkapazitäten abzubauen, mussten wir darum leider drei Stellen reduzieren», erklärt Bachofner.

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