Kunstmuseum Olten
Corona sorgte für lähmende Ungewissheit bei Künstlern – Trotzdem wurde die Jahresausstellung zu einer dichten Show

Gleich drei Preise wurden an der Eröffnung der 37. Jahresausstellung im Kunstmuseum Olten verliehen. Die Ausstellung zeigt junge und arrivierte Künstler - und lotet die Grenze dessen aus, was in einem Museum gezeigt wird.

Vanessa Simili
Drucken
Jan Hostettlers Werk «Zusammen Scheitern», eine Holzbeige, die nicht aus Holz ist, gewann den Auszeichnungspreis.

Jan Hostettlers Werk «Zusammen Scheitern», eine Holzbeige, die nicht aus Holz ist, gewann den Auszeichnungspreis.

Bruno Kissling

Die 37. Jahresausstellung im Kunstmuseum Olten ist eine dichte. 81 Künstlerinnen, 96 Künstler und vier Kollektive haben zusammen 620 Werke eingereicht. Daraus hat die Jury 61 Positionen – zehn mehr als vor zwei Jahren – ausgewählt, die nun im Kunstmuseum zu sehen sind. «Darunter haben wir auch einige ganz junge Oltner Künstlerinnen und Künstler», freut sich Gastgeberin Dorothée Messmer, Direktorin des Kunstmuseums, an der Eröffnung gestern Abend. Ebenfalls hervorzuheben ist laut Messmer:

«Die Malerei war dieses Jahr in den Bewerbungsdossiers auffallend stark vertreten.»

Die Jahresausstellung führt die breite Vielfalt des künstlerischen Schaffens vor Augen und bestätigt, dass «die Künstlerinnen und Künstler in dieser Corona-Zeit viel gearbeitet haben», so Messmer. Nicht selbstverständlich, bedenkt man die lähmende Ungewissheit in der Branche. Eine Arbeit, die explizit die existenziellen Folgen für die Kulturbranche denn auch thematisiert, ist der Film «Bewegung im Stillstand» von Lea Fröhlicher, 35. Er befasst sich mit dem Ende des Kulturlokals Coq d’Or in Olten. Dass mit der Wahl eines solchen Films für die Jahresausstellung auch die Grenzen ausgelotet werden dessen, was in einem Museum gezeigt wird und was nicht, scheint gewollt.

Zu sehen sind längst nicht nur neue und junge Positionen, sondern auch Werke arrivierter Künstlerinnen und Künstler wie beispielsweise Franz Anatol Wyss, Pat Noser, René Zäch und Otto Lehmann, der am Tag vor der Jurierung unerwartet verstorben ist.

Kanton erwirbt «Zusammen Scheitern»

Die Preisverleihung im Rahmen der Jahresausstellung fand coronabedingt in einem kleinen Kreis an der Preview statt. Der mit 6000 Franken dotierte Auszeichnungspreis – es ist der fünfte in zehn Jahren und damit der letzte – ging an Jan Hostettler, 33, aus Basel. Stiftungsrats-Präsident Fritz Schär überreichte dem Künstler den Preis und bat ihn um ein paar Worte zur «Holzbeige, die gar nicht aus Holz ist».

Jan Hostettlers «Zusammen Scheitern».
11 Bilder
Arbeiten von Gergana Mantscheva (1975, lebt in Lüsslingen) und rechts im Bild Bruno Streich (1964, lebt in Teufen).
Lea Fröhlicher, (1986), Bewegung im Stillstand, 2021, Film über die geschlossene Oltner Bar Coq d’or Olten.
Otto Lehmann (1943-2021) WP 13 I/II, 2021, Chinatusche auf Plakatpapier.
Edy A. Wyss (1945), Einschneidend 1, 2020, Lack auf MFD-Platten.
Blick in die Ausstellung.
Anna Affolter, (1963, lebt in Kehrsatz) Ohne Titel, 1 und 2, 2019, Mixed Media (Japanpapier, Teebeutel, Ständer); links: Bruno Streich (1964, lebt in Teufen) Nightscapes, 2021, Oel auf Leinwand und Holz.
Jörg Binz, (1943; lebt in Olten) Ohne Titel I/II (2021) und Traum des Architekten, 2021, Öl auf Leinwand.
Vorne: Luzia Klossner, Landscape Model for Daily Use, 2021; hinten: Laura Mietrup, Nesi (2020) Sie gewann damit den Ausstellungspreis des Kunstmuseum (präsentation im Dienstraum am Bahnhof Olten) Hinten rechts: Matthias Huber, Ohne Titel, 2021.
Maja Rieder (1979, lebt ini Basel) Operator (Juxtapose) 2021.
Simone Eberli (1972) und Andrea Mantel (1966) Condensed 2, 2021, Digitalprint.

Jan Hostettlers «Zusammen Scheitern».

Bruno Kissling

Die Arbeit «Zusammen Scheitern», 2021, sei gemeinsam mit Freunden und anderen Menschen entstanden, die ihn während seiner Residency im Frühsommer dieses Jahres im Kloster Schönthal besuchten. Er habe mit Holz gefeuert, dafür auch Holz gespalten und irgendwann dann angefangen, mit dem Holz zu arbeiten. Die Besuchenden habe er eingespannt, mitzuhelfen beim Erstellen der einzelnen Holzscheite.Dabei hätten sich Gespräche ergeben über Natur, Künstlichkeit, Echtheit, Kopie, über Energie, den Verbrauch von Energie etc.

In der Ausstellung präsentiert sich die Arbeit gleich im Eingangsbereich, als ordentlich in drei Reihen gestapelte, in Keramik gebrannte Scheite. Über 100 müssen es sein. Der Kanton Solothurn hat sie für 18’000 Franken angekauft. «Zusammen Scheitern» wird als Schenkung Eingang finden in die Sammlung des Kunstmuseums Olten.

Möglichkeiten zum Ausstellen für junge Kunstschaffende

Neu wurden zwei Ausstellungspreise vergeben. Katja Herlach, Kuratorin und stellvertretende Direktorin, verlieh der 34-jährigen Laura Mietrup den Ausstellungspreis des Kunstmuseums Olten. Mietrup wird den Dienstraum am Bahnhof bespielen dürfen. In der Ausstellung ist sie vertreten mit der wandfüllenden Arbeit Nesi, 2020. Einem Relief ähnlich ist aus MDF, auf einer Fläche von 6 auf 2.2 Meter, eine Zeichnung auf die Wand appliziert, sie erreicht eine starke räumliche Wirkung. Geometrisch und mit klaren Formen wecken sie Erinnerungen und Assoziationen und bleiben doch unerkannt.

Den zweiten Ausstellungspreis verlieh Regina Graber, Jurypräsidentin und Vizepräsidentin des Kunstvereins Olten. Nora Amrein, 35, aus Aarau ist eingeladen, 2023 die Räume des Kunstvereins zu bespielen. Neben Hostettlers Arbeit, gleich beim Eingang des Kunstmuseums, ist ihr grossformatiges Bild «Zeit», 2021, Acryl auf MDF, zu sehen. Die Künstlerin habe sich in der Graffitiszene bewegt, ist von Graber zu erfahren. Die Bezüge sind erkennbar. «Wir sind sehr glücklich über unseren Entscheid und darüber, jemanden zu fördern, den man noch nicht so kennt und der ein neues Publikum bringen wird», so Graber.

Die Jury setzte sich aus Andreas Hofer, Künstler und Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK, Deborah Keller, Redaktorin des Kunstbulletins, freie Kunstkritikerin und Kuratorin der Kunsthalle Arbon sowie Regina Graber, Künstlerin und Kunstvermittlerin, Jurypräsidentin und Vertreterin des Kunstvereins Olten zusammen. Im Beisitz und ohne Stimmrecht begleiteten Katja Herlach und Dorothée Messmer vom Kunstmuseum Olten den Prozess. Sie verantworten auch die Positionierung und Zusammenstellung der 103 Exponate.

Zu sehen bis 30. Januar 2022 im Kunstmuseum Olten.

Aktuelle Nachrichten