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Zwei Coaches für Lehrstellensuche - mit Tipps zur Bewerbung in der Coronakrise

Beat Kamber und Cinzia Schmuziger im Oltner Coworkingspace, wo sie Lehrstellensuchende begleiten.

Beat Kamber und Cinzia Schmuziger im Oltner Coworkingspace, wo sie Lehrstellensuchende begleiten.

Firmen sind unsicher, schreiben teils weniger Lehrstellen aus, Eltern sind unter Stress wegen der Krise - und mittendrin befinden sich so einige Jugendliche, die auf Lehrstellensuche sind. Zwei Coaches aus Olten wollen bei diesem Prozess unterstützen - und haben Tipps für's Bewerben während der Krise.

Vor gut einem Jahr, vor der Coronakrise also, haben sich zwei Personen aus Olten der Betreuung von jungen Menschen auf Lehrstellensuche verschrieben. Als Herzensangelegenheit, wie Cinzia Schmuziger und Beat Kamber betonen. Schmuziger, 43, und Kamber, 58, die zuvor beide jahrelang gemeinsam in der HR-Abteilung eines Grosskonzerns tätig waren, haben «Cinsign» gegründet. Seither coachen sie Jugendliche bei der Lehrstellensuche – vom Definieren der eigenen Stärken über das Säubern von Social-Media-Accounts bis hin zur Vorbereitung für das Bewerbungsgespräch.

Aktuell ist es schwierig, erklären die beiden im Juralab in Olten, wo sie in einem Co-Working-Space eingemietet sind. Modern sind die Räumlichkeiten – so wie sich auch Kamber und Schmuziger präsentieren. Bei Cinsign gehe es darum, dass sich Jugendliche bei den richtigen Unternehmen bewerben, auf Jobs, die sie auch wirklich wollen. Mit einer Bewerbung, die nicht nach dem ersten Blick auf dem 0815-Stapel landet.

«Schwierig» ist das Ganze im Moment aber eben wegen Corona. Kamber erklärt das so: «Das Gleichgewicht ist gekippt. Vor ein paar Jahren noch gab es mehr Lehrstellen als Suchende; es war einfacher, den Traumjob zu finden als heute – wo es eben mehr Suchende als Stellen gibt.» Die Aussage von Bundesrat Guy Parmelin, jetzt halt einfach die Lehrstellen anzutreten, die noch zu haben sind, lehnt er entschieden ab. «Wenn eine Lehre nach einem Jahr abgebrochen wird, ist das eine Katastrophe – für Unternehmen und den Lehrenden.»

Schlauer sei es, noch ein Zwischenjahr zu machen, vielleicht ein Sprachdiplom zu erwerben – «wenn man sich das finanzieren kann» – was sich dann ein Jahr später ohnehin positiv auf die Bewerbung auf die richtige Lehrstelle auswirkt. Schmuziger stimmt zu, findet gleichzeitig aber auch: «informiert euch, holt euch Unterstützung, seid initiativ und kreativ, es lohnt sich. Wer diesen Sommer eine Lehrstelle will, soll sich jetzt noch dran machen. Wer nächstes Jahr eine will, soll rechtzeitig im Herbst beginnen, um wirklich das richtige zu finden.»

Unsichere Firmen, ermüdete Eltern

«Schwierig» ist das Thema aber nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Firmen und Eltern. Firmen – viele haben massive Einbussen aufgrund der Krise – seien unsicher, wollten deswegen keine neue Lernende einstellen. Denn, so Kamber: «Es gibt nichts Schlimmeres, als einen Lehrling nicht beschäftigen zu können.» Und, so Schmuziger, gleichzeitig bereite die aktuelle Zeit auch Eltern sorgen, die vielleicht ebenfalls finanzielle Einbussen haben, oder zu Hause Kinder unterrichten müssen. «Dann zusätzlich etwa am Wochenende noch mit dem Nachwuchs Bewerbungen zu machen, schaffen schlicht nicht alle», so die zweifache Mutter.

Die beiden wollen mit Cinsign deshalb Jugendliche und Eltern möglichst flexibel zu unterstützen, mit Beratungen oder Workshops auch am Wochenende, und möglichst objektiv. «Die Eltern wünschen sich für ihren Nachwuchs meist eine Stelle aus den ihnen bekannten Berufsgattungen», so Kamber. «Sie können den Kindern gar nicht alle Möglichkeiten aufzeigen, sondern einfach den Weg, den sie selbst gemacht haben. Was auch verständlich ist, denn dies kennen sie.»

Jugendlichen, die derzeit mit der Lehrstellensuche kämpfen, empfehlen Kamber und Schmuziger Folgendes als erste Übung: «Das Umfeld, auch Freundinnen und Freunde, nach den eigenen Stärken fragen.» Als Erstes sei es wichtig, diese zu definieren. «Das ist schon die halbe Miete», so Schmuziger. Egal ob man sich mit einem Zwischenjahr noch Zeit geben will oder schon einige Berufsbilder festlegt. Und zum Schluss: Darauf hinarbeiten. «Mit einem knackigen Lebenslauf, einem Video, oder einem Link, der zur Bewerbung führt.» Modern, und vor allem individuell, betont Schmuziger.

Heute sei es nicht wie früher, als man noch 10 identische Schreiben für 10 verschiedene Stellen verschicken konnte. Damit die Bewerbung eben nicht auf dem 0815-Stapel landet.

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