Strom-Knatsch

Zum Jubiläum greift AEK-Chef Wirth Mitbewerber Regio Energie frontal an

AEK-CEO Walter Wirth hat keine Freude am Marktgebaren von Regio Energie Solothurn.

Just am Tag, da das Unternehmen sein 125-Jahr-Jubiläum feiert, attackiert AEK-CEO Walter Wirth die regionale Konkurrenz. Er spricht von Marktverzerrungen, ungleich langen Spiessen und von «Geschenken», die zu denken gäben.

Hängiges Gerichtsverfahren in Lüsslingen, siegreiche Konkurrenz in Langendorf und Zuchwil: Die AEK verliert an Boden in der Region. Was ist los?
Walter Wirth: In unserem Marktumfeld herrschen «ungleich lange Spiesse». Wir stehen im Wettbewerb mit Energieversorgern, die diametral andere Eignerstrategien fahren als wir. Bei uns steht die Profitabilität im Vordergrund, wir müssen Gewinn machen, um Investitionen zu tätigen und Arbeitsplätze zu sichern. Am Markt müssen wir uns hingegen mit Mitbewerbern messen, die Dienstleistungen mit sehr tiefen Margen anbieten können und spezifisch im Kanton Solothurn keine Steuern entrichten müssen – wie beispielsweise Stadtwerke, die der öffentlichen Hand gehören. Dieser marktverzerrende Umstand muss auf politischem Weg beseitigt werden.

Sie sprechen den Mitbewerber Regio Energie Solothurn an. Was läuft da aus Ihrer Sicht falsch?
Als öffentlich-rechtliche Firma, also Teil der Verwaltung, zahlt die Regio Energie Solothurn (RES) keine Steuern auf ihre Gewinne. Auf Stadtgebiet mag das in Ordnung sein, das ist ein Entscheid der Stadt. Wenn die Regio Energie aber ausserhalb des Stadtgebietes – also im Privatmarkt - auftritt, sollte sie das zu denselben Rahmenbedingungen machen, wie wir und Steuern zahlen.

Nehmen wir den Fall Zuchwil: Sie machten aus Ihrer Sicht das bessere Angebot, drangen aber trotzdem nicht durch.
Der Entscheid der Gemeinde Zuchwil ist nicht nachvollziehbar, denn ein Verbleib bei der AEK wäre eigentlich im Sinne der angespannten Wirtschaftslage, wie sie die Gemeinde schildert: Rund ein Drittel der Strommenge in Zuchwil wird an das Gewerbe und die KMU geliefert. Mit einem Wechsel von der AEK zur RES werden einzelne Gewerbe- und KMU-Kunden bis zu 13 % mehr für Energie und Netznutzung zahlen. Bei einem Verbleib bei der AEK hätten alle Kunden von der Mehrpachtentschädigung profitiert (0,8 Rp./kWh). Zudem haben wir für 5 Jahre stabile Preise garantiert und sogar eine Kompensationszahlung bei Preiserhöhungen akzeptiert. Und für eine Energiestadt wie Zuchwil doch auch wichtig: Alle unsere Stromprodukte – auch das günstigste – sind, im Gegensatz zu den Produkten der Konkurrenz, 100 % CO2-frei.

Spricht daraus nicht einfach die Enttäuschung des unterlegenen Konkurrenten?
Nein! Die Fakten sind diese: Die RES hat die Preise für die Jahre 2018 bis 2020 um circa 1.6 Rp./kWh respektive 28 % erhöht! Dies, weil die Konkurrenz am Markt beschaffen muss. Wir haben unsere Preise 2020 stabil gehalten bzw. leicht gesenkt. Unsere Preise sanken und bleiben stabil, da wir die Energie zu Gestehungskosten vom BKW-Kraftwerkpark beziehen. Beim RES-Angebot sind die Preise nicht abgesichert. Somit läuft die Gemeinde Gefahr, in Zukunft den Strom zu teuer einzukaufen.

Was stört Sie sonst noch?
Die zweite Sache sind die Geschenke: Die RES verschenkt Ladestationen an umliegende Gemeinden im Wert von einer halben Million – angekündigt wurden einmal 30 Ladestationen – in Zuchwil ist das ein Wert von rund 150000 Franken. Durch den Pächterwechsel werden Umbaukosten von rund 900 000 Franken anfallen. Wer übernimmt diese Kosten – die Kunden in Zuchwil oder die Steuerzahler in Solothurn?

Mal ehrlich, nicht nur die Regio Energie, sondern auch die AEK macht den Gemeinden «Geschenke», wenn es um die Erhaltung der Pachtverträge geht. Stichwort Energietankstellen. . .
Ich gehe davon aus, dass es um die Mehrpachtentschädigungen geht, die von gewissen Personen als «Geschenk» betitelt wurden. Dazu Folgendes: Die AEK-Partnergemeinden sind Besitzer des Stromnetzes. Daher steht die Vergabe der Pacht des Netzes im Wettbewerb. Wir haben diesen angenommen – und diesen Partnergemeinden bei den Vertragsverhandlungen im 2017 konsequenterweise ein attraktives und wettbewerbsfähiges Angebot unterbreitet. Davon profitiert hätten alle Kunden dieser Gemeinden und insbesondere das Gewerbe. Wir sind grundsätzlich an einer langfristigen Zusammenarbeit mit den Gemeinden interessiert.

Was monieren Sie im Fall Zuchwil am Gebaren des grössten regionalen Wettbewerbers?
Neben den erwähnten marktverzerrenden Aspekten kompensieren die Stadtwerke ihre «Geschenke» an Kunden und Gemeinden – damit meine ich Dienstleistungen mit tiefer Marge – mit dem Gasgeschäft in einem Monopolmarkt. 80 bis 90 % der Erträge der Stadtwerke kommen in der Regel aus dem Gasmonopol. Das wirkt sich direkt auf die Zusammenarbeit mit unseren Partnergemeinden aus, da wir ihnen keine «Geschenke» machen können. Stossend ist auch, dass der Gemeinderat Zuchwil das Geschäft unter Ausschluss der Öffentlichkeit abschliessen will. Mit uns fanden keine Verhandlungen statt. Wir sind der Meinung, die Sache müsste unbedingt vor die Gemeindeversammlung.

Das heisst: Sie haben nichts gegen Konkurrenz, aber etwas gegen ungleich lange Spiesse . . .
Ja, genau. Konkurrenz hält uns fit und innovativ – mehr als zwei Drittel unseres Energieabsatzes gehen übrigens an Kunden im freien Markt. Das zeigt, dass unsere Stromprodukte konkurrenzfähig sind und wir uns bis anhin gut am Markt behauptet haben.

Das ist nicht «nur» ein ökonomisches Problem, sondern ein politisches. . .
Ja, im Kanton Bern ist das Problem gelöst. Wenn die EWB (Stadtwerk Bern) ausserhalb der Stadt Bern tätig wird, muss sie auf den Gewinnen Steuern zahlen. Uns ist Transparenz wichtig: In Olten mussten zum Beispiel die Städtischen Betriebe Olten sBO auf politischen Druck eine Spartenrechnung öffentlich auflegen.

Welche Folgen sieht AEK für das eigene Geschäft, wenn die behauptete Wettbewerbsverzerrung nicht aus der Welt zu schaffen ist?
Mit dem reinen Stromvertrieb lässt sich nicht mehr viel Geld verdienen. Und mit einer subventionierten, öffentlich-rechtlichen Stromversorgerin können wir als privatrechtliches Unternehmen nicht konkurrenzieren. Wir müssen Geld verdienen, um Arbeitsplätze zu sichern. Der Verlust von Partnergemeinden wird Auswirkungen auf die AEK onyx AG haben. Zusätzliche Kosteneinsparungen sind definitiv nötig. Ein Projekt zur Realisierung von Synergien wurde bereits «aufgegleist». Wir prüfen eine engere Zusammenarbeit von AEK onyx und der BKW beim Netz, im Vertrieb und weiteren Funktionen. Es gilt, den optimalen Mix zwischen persönlicher Kundenbetreuung und Rentabilität des Vertriebsgeschäfts zu finden.

Heisst das, dass auch Stellen abgebaut werden könnten?
Die Realisierung von Synergien kann Arbeitsplätze betreffen. Die Projektteams werden bei ihrer Arbeit auch dieses Thema analysieren.

Bleibt AEK der Region erhalten? Oder denkt die BKW an einen Rückzug?
Der Standort Solothurn bleibt bestehen und die Marke AEK soll gestärkt werden. Die AEK spielt eine wichtige Rolle in der Gesamtstrategie der BKW, sie ist die regionale Schnittstelle zum Markt. Die Bedürfnisse der Kunden schnell und flexibel zu befriedigen, ist nur möglich, wenn man nahe bei ihnen ist. Mit dem Contracting-Kompetenzzentrum und der Konzentration des Geschäftsfeldes Elektromobilität in Solothurn hat die AEK ihre regionale Präsenz noch verstärkt. Ein weiteres starkes Zeichen ist auch der neue Werkhof der BKW, der in Luterbach – gleichsam am «Geburtsort» der AEK – entsteht. Er wird ein zentraler Stützpunkt für die nördliche Gebietsversorgung der BKW sein und schafft insgesamt rund 100 zusätzliche Arbeitsplätze.

Trotzdem: AEK wird als «Berner Unternehmen» wahrgenommen. Ein hausgemachter Wettbewerbsnachteil . . .
Ich sehe es im Gegenteil als Wettbewerbsvorteil: Innerhalb der BKW-Gruppe kann die AEK zusätzlich auf ein grosses professionelles Netzwerk zählen, das umfassende Dienstleistungsangebot der BKW nutzen und ihre eigenen Stärken in die Gruppe einbringen. Davon werden unsere Kunden profitieren. Und wir beziehen unsere Energie vom BKW Kraftwerk-Park, haben also direkten Zugriff auf Schweizer Wasserkraft. Das sollte definitiv im Sinne unserer Kunden und der Gemeinden – insbesondere der Energiestädte – sein.

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