Projekt «Kirche mit den Frauen»

«Wir wollen klar machen, dass eine Kirche ohne Frauen undenkbar ist»

Urban Fink-Wagner mit dem Buch, das das Projekt «Kirche mit den Frauen» angestossen hat.

Urban Fink-Wagner mit dem Buch, das das Projekt «Kirche mit den Frauen» angestossen hat.

Urban Fink-Wagner ist Mitverantwortlicher für das Projekt «Kirche mit den Frauen». 1000 Kilometer und eine zweimonatige Reise will eine Schweizer Pilgergruppe auf sich nehmen, um auf das Projekt aufmerksam zu machen.

 «Die Frauen sollen besser in die Kirche eingebunden werden, vermehrt zur Sprache kommen und mitentscheiden dürfen», erörtert Urban Fink-Wagner die Idee, die hinter dem Vorhaben steckt. Der Oberdörfler wird die Pilger auf ihrer Reise zwar nicht begleiten, ist aber Mitglied des Kernteams, welche das Projekt vorbereitet.

Den Anstoss für diese Reise gab eine frühere Pilgerfahrt, erzählt der bald 55-Jährige. «Der Ausgangspunkt war die Wallfahrt einer Vierergruppe nach Jerusalem im Jahre 2011», sagt der Redaktionsleiter der «Schweizerischen Kirchenzeitung».

Dieses Projekt sei sehr gut verlaufen und hätte «spirituell in der Schweiz viel in Bewegung gebracht». Die Hauptverantwortliche für das Projekt «Kirche mit den Frauen» Hildegard Aepli hatte darauf die Idee, eine Wallfahrt nach Rom zu organisieren und dieses Unternehmen mit dem «Frauen»-Anliegen zu verbinden.

Keine konkreten Forderungen

Los geht die Reise für sechs Frauen und einen Mann am 2. Mai in St. Gallen, danach wandert die Gruppe nach Rom. Aussenstehende haben die Möglichkeit, die Pilger spontan zu begleiten. Für gewisse Etappen können sich Interessierte auch anmelden. Am 2. Juni soll die Gruppe in Rom eintreffen.

Im Petersdom wird als Abschluss eine Messe gefeiert. «Das Spannende und Neue am Projekt ist», so der Urban Fink-Wagner, «dass sich eine Gruppe für etwas einsetzt, ohne die kirchliche Hierarchie mit konkreten Forderungen vor den Kopf zu stossen. So soll ein gemeinsamer Weg ermöglicht werden.» Die Menschen würden, ob sie nun mitwandern oder nicht, zum «geistigen Pilgern» und zum Nachdenken eingeladen. «Wir wollen klar machen, dass eine Kirche ohne Frauen undenkbar ist.» Schliesslich sei jeder Mensch gleich viel wert. «Es wäre falsch, eine Geschlechterhälfte in wichtigen kirchlichen Fragen aussen vor zu lassen», erörtert der Mitorganisator.

In der Schweiz sei die Mitarbeit von Frauen in den Pfarreien selbstverständlich, sei dies ehrenamtlich oder in einem Anstellungsverhältnis. Auch arbeiteten in einzelnen Bistümern schon Frauen in der Bistumsleitung mit. «Die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten 50 Jahre machen deutlich, dass die Gleichberechtigung grosse Fortschritte gemacht hat, die Kirche hinkt nun noch etwas hintendrein.» Man wolle die Idee «Kirche mit den Frauen» verbreiten und damit auch einen «Wink» nach Rom geben.

Hoffen auf Papst-Unterstützung

Teilziele hat die Gruppe bereits erreicht. «Wir haben bisher einiges an Aufmerksamkeit erregt», meint Oberdörfer. So zum Beispiel durch eine Medienkonferenz mit dem Basler Bischof Felix Gmür. Das Projekt fände auch international Anklang. «In Deutschland, Österreich und im Südtirol sind bereits Gruppierungen und Einzelpersonen auf das Projekt aufmerksam geworden», so der Theologe.

Ob die Pilgergruppe bei ihrem Schlusspunkt im Petersdom in Rom den Papst treffen und ihm ihr Anliegen vortragen kann, ist hingegen noch ungewiss. Laut Fink-Wagner finden im Juli keine öffentlichen Anlässe statt. Dafür werden nach Schätzungen des Organisators mehrere hunderte Unterstützer anwesend sein, darunter auch der Basler und der St. Galler Bischof, sowie der Abt von Einsiedeln. «Wenn wir Glück haben, kommen sogar Tausende», blickt der Mitorganisator optimistisch voraus. Auch besteht Hoffnung auf einen Austausch mit dem Papst. «Scheinbar hat auch der Papst durchaus ein Flair für die Frauenfrage», berichtet der katholische Theologe.

Das verdeutliche das kürzlich erschienene Buch «Papst Franziskus – Keine Kirche ohne Frauen», das von Gudrun Sailer herausgegeben wurde. Auch im Vatikan arbeiten laut Fink zahlreiche Frauen, die römische Kurie sei aber mehrheitlich noch eine «Männergesellschaft». Aber: «Papst Franziskus zeigt grössere Offenheit als seine Vorgänger», meint der bald 55-Jährige.

Motivation der Pilger

«Christ zu sein bedeutet unterwegs zu sein», versucht Urban Fink-Wagner die Motivation von Pilgern in Worte zu fassen. «Auf einer Reise kann viel geschehen, man weiss im Voraus nicht, was einen erwartet». Das stelle ein Bild für das Leben dar. In den letzten Jahren habe ein «Revival des Pilgerns» stattgefunden. «So trifft auch die Pilgerreise nach Rom den Zeitgeist», sagt Fink-Wagner.

Auf dem Weg würde gebetet und regelmässig die Messe gefeiert. «Bei einer Pilgerreise sucht man Stille und Gebet und nimmt Abstand vom Alltag», erklärt der Oberdörfer. Er selbst pilgert auch jedes Jahr. Jedoch nicht 1000 Kilometer von St. Gallen nach Rom, sondern einige Fussstunden von Welschenrohr nach Mariastein.

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