Landwirtschaft

Wildretter der Lüfte: Wenn Drohnen bei der Rettung von Rehkitzen mithelfen

Mittels Drohne und Wärmebildkamera werden Rehkitze in Feldern erkannt und so vor dem Tod durch Mähmaschinen bewahrt.

Mittels Drohne und Wärmebildkamera werden Rehkitze in Feldern erkannt und so vor dem Tod durch Mähmaschinen bewahrt.

Wie letztes Jahr wurden bei der Rehkitzsuche im Bucheggberg auch diesen Frühsommer wieder Drohnen mit Wärmebildkameras über die Felder geschickt.

Das Wetter spielte mit, die meisten Bauern im Bucheggberg konnten ihr Heu ohne hinderliches Sommergewitter unter Stalldach und Fach bringen. Ein grosses Thema war auch dieses Jahr wieder, wie dabei die Rehkitze, welche vorzugsweise im hohen Ökogras Zuflucht suchen, verschont werden können. Die kantonale Revierjagd und der Bauernverband Solothurn ermöglichten den Bauern durch ein Projekt mit dem Schweizerischen Verband Ziviler Drohnen (SVZD) die kostenlose Rehkitzsuche mithilfe von Drohnen.

Während den Bauern letztes Jahr erst ein Pilot zur Verfügung stand, waren dieses Jahr acht private Drohnenpiloten einsatzbereit, welche einem oder mehreren Jagdrevieren im Bucheggberg zugeteilt wurden. Die Bauern konnten am Tag vor der Mahd den Jagdleiter kontaktieren, welcher am nächsten Morgen einen Piloten auf das zu mähende Feld schickte. Dieser führte zwischen 5 und 8 Uhr gemeinsam mit einem Jäger einen Suchflug durch. Wenn in der Wiese ein Kitz entdeckt wurde, konnte dieses durch den Jäger aus dem Feld getragen und an einem sicheren Ort in der Nähe platziert werden. Dies ermöglichte dem Bauern, die Wiese zu mähen – ohne die stete Angst, dabei ein Kitz zu erwischen.

Für Bauern kostenlos

Der Flug selbst sei eine kurze Sache. «Dieser dauert höchstens 15 Minuten, mit Auf- und Abbau etwa eine halbe Stunde», sagt der Präsident der Revierjagd Solothurn Kurt Altermatt. Die Drohne fliege in einer Höhe von 50 bis 70 Metern und könne so in wenigen Minuten eine grosse Fläche erfassen. Obwohl alleine die Ausrüstung 10'000 Franken und mehr kosten kann, mussten die Bauern für einen solchen Suchflug keinen Rappen bezahlen.

«Wir waren darauf angewiesen, dass die Drohnenpiloten bereits im Besitz der benötigten Ausrüstung waren», so Kurt Altermatt. Die Drohne müsse mit einer Wärmebildkamera und am Steuerort mit einem Display ausgestattet sein, erklärt Drohnenpilot Andreas Hoffmann vom SVZD. Zudem müsse sie über einen GPS-Empfänger verfügen, damit die Drohne das Feld selbstständig abfliegen kann.

Er selbst sei in den Gebieten rund um Messen und Schnottwil bis Ende Juni an sechs Tagen aufgeboten worden. An den einzelnen Tagen habe er je drei bis vier Felder abgesucht. «Ehrlichgesagt habe ich dieses Jahr noch kein einziges Rehkitz entdeckt», erzählt Hoffmann. Scheint also, als sei die Methode mit der Drohne nicht besonders effizient. Doch der Drohnenpilot dementiert: «In den meisten Feldern wurde vor dem Flug meist schon die Verblendung angewendet».

Diese Aufnahmen macht eine Thermalkamera. Ein Rehkitz war es in diesem Fall nicht – sondern eine Katze

Diese Aufnahmen macht eine Thermalkamera. Ein Rehkitz war es in diesem Fall nicht – sondern eine Katze

Verblendung oder Drohnenflug?

Bei der Verblendung stellt man am Tag vor der Mahd Vogelscheuchen auf oder hängt Alustreifen ins Feld. Dies soll die Mutter des Kitzes verunsichern, welche ihr Junges in der Folgenacht aus dem Feld holt. Am nächsten Tag gehen die Jäger in der Regel noch einmal durch das Feld. Würde das etwas zeitaufwändigere Verblenden alleine also nicht ausreichen?

«Die Methode der Verblendung hat sich seit Jahren bewährt, trotzdem würde ich einen zusätzlichen Drohnenflug empfehlen», rät Altermatt, denn es werden immer wieder Kitze übersehen. Drohnenflüge alleine würden aber nicht ausreichen, da die Wärmebildkamera das Kitz nur erfassen könne, wenn sich nichts zwischen dem Kitz und der Kamera befindet. Dass Hoffmann dieses Jahr noch kein Kitz retten konnte, ist vermutlich Zufall. Letztes Jahr wurden laut Martina Iseli vom Solothurner Bauernverband mit einem einzigen Drohnenpiloten acht Rehkitze gerettet. Bei acht Piloten darf man dieses Jahr von einer deutlich höheren Zahl ausgehen. Genaue Zahlen sind noch nicht bekannt.

Obwohl die längerfristige Finanzierung noch nicht gesichert ist, möchte man die Rehkitzsuche mit Drohnen laut Altermatt weiterführen. «Das Bereitstellen der Piloten stellt neben der Finanzierung die grösste Herausforderung dar», so Altermatt. Denn es sei nicht immer einfach, so kurzfristig einen verfügbaren Drohnenpiloten zu finden. Diese werden übrigens kaum entlöhnt und führen die Einsätze in erster Linie im Dienste der Allgemeinheit und aus Freude am Fliegen durch.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1