Solothurn

Wie Hüte etwas über die Regierungsrats-Kandidaten aussagen

Unter einen Hut gebracht: Alle Regierungsratskandidaten bewiesen beim Wahlpodium viel Humor.

Unter einen Hut gebracht: Alle Regierungsratskandidaten bewiesen beim Wahlpodium viel Humor.

In der Kulturfabrik Kofmehl fand am Mittwochabend ein Wahlpodium zu den Solothurner Regierungsratswahlen statt. Die acht Kandidaten – vier Frauen und vier Männer – bewiesen dabei nicht nur ihre politische Kompetenz, sie zeigten auch Humor.

Ein «kurzes Abtasten», wie es im Sportjargon heissen würde, gab es beim Wahlpodium nicht. Moderator Manfred Joss (Radio 32) forderte die fünf neuen Kandidaten gleich zum Start auf, die drei bisherigen Regierunsmitglieder zu kritisieren, die sich der Wiederwahl stellen. Brigit Wyss von den Grünen kritisierte die Raumplanung: «Die Regierung unternahm zu wenig im Kampf gegen die Zersiedlung.» Susanne Schaffner von der SP hatte keine Freude an der Steuerpolitik und wünscht sich mehr Engagement für die Familien.

Marianne Meister von der FDP kritisierte den Strassenbau und beschrieb die gefährlichen Hindernisse, die sie auf ihrer Anreise aus dem Bucheggberg gesehen hatte. Manfred Küng von der SVP fand, dass Solothurn nicht mehr der Kanton sein dürfe, der von seinen Rentnern die höchsten Steuern verlangt. «Ich will mehr Service Public und kein Untertanentum.» Nicole Hirt von den Grünliberalen zeigte sich am zurückhaltendsten: «Ich schaue nicht zurück und will die Regierung nicht kritisieren. Ich schaue lieber nach vorn.» Bildungsdirektor Remo Ankli (FDP) verteidigte die Position der jetzigen Regierung: «Vor vier Jahren sind wir angetreten, um die begonnen Reformen zu etablieren, und ich denke, das ist gut gelungen.»

Eine Kiste voll alter Hüte

«Wir wollen wissen, welcher Hut zu ihnen passt», sagte danach Moderator Marco Jaggi (Radio SRF), und er trug eine Kiste mit Kopfbedeckungen auf die Bühne. Manfred Küng, der von seinen politischen Gegnern manchmal als «Regent von Kriegstetten» bezeichnet wird, griff nicht zur Krone, sondern zur Narrenkappe. «Ich bin ein aktiver Fasnächtler», erklärte Küng seine Wahl.

Regierungsratskandidaten suchen sich Hüte aus

Regierungsratskandidaten suchen sich Hüte aus

Mit dem Worten, «ich sitze gerne am Steuer», setzte sich Brigit Wyss den Pilotenhut auf. «Ich habe diesen Hut gewählt, weil die grüne Farbe stimmt», sagte Nicole Hirt. Sie wolle damit reiten gehen. «Wer ein Pferd führen kann, kann auch Menschen führen.» Susanne Schaffner wählte den Ritterhelm, weil sie sich «wie ein Ritter mit Leidenschaft für die Leute einsetzen will».

Marianne Meister bedeckte ihr Haupt mit einem riesigen Sombrero. «Ich habe den grössten Hut ausgewählt, damit ganz viele Menschen darunter Platz finden.» Roland Fürst erklärte seinen militärischen Stahlhelm mit dem Worten: «Ich will nicht zurückschiessen, aber ich will mich damit schützen.» Ein Sennenkäppi schmückte Roland Heims Haupt. Er besuche eben gerne traditionelle Anlässe und könne sich damit bestens identifizieren. Remo Ankli trug den Wikingerhut und meinte: «Ich bin gerne die Leitkuh und mag die Hörner. Zudem gibt es in meiner Gemeinde doppelt so viele Rinder wie Einwohner.»

Fast wie einer gegen 100

«Acht Kandidaten, acht Fragen. Wer am schnellsten ist, bekommt einen Punkt», leitete Marco Jaggi zum Quiz über. «Wer am Ende die meisten Punkte hat, wird Regierungsrat.» Um es vorwegzunehmen: Es gewann Roland Fürst.

Nach den Fragen gab es kurze Statements zum jeweils angeschnittenen Thema. Dabei verrieten einige der Regierungsratskandidaten Überraschendes. «Ich bin für ein Verhüllungsverbot, weil ich auf der Strasse erkennen möchte, wer mir entgegenkommt», sagte Nicole Hirt. Von Manfred Küng erfuhr man, dass er eine Pistole und ein Sturmgewehr aus seiner Militärzeit besitzt und dass er gerne auch noch ein Rakrohr nach Hause genommen hätte.

Eines hatten alle Kandidaten gemeinsam. Sie begegneten sich trotz Wahlkampf mit grossem Respekt, was für die ausgezeichnete politische Kultur im Kanton Solothurn spricht. So leitete Urs Mathys (Solothurner Zeitung) zum Apéro über: «Wenn man aus acht Kandidaten wählen darf, die so harmonieren, wird es für den Wähler schwierig, diese auseinanderzudividieren.»

 Das Wahlpodium im Live-Ticker zum Nachlesen:

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