«Marlox AG»

Wie das «Swissness Gesetz» ein Schweizer Unternehmen das Leben kostete

Das Mondaine-Gebäude in Biberist war bis vor zwei Jahren auch das Zuhause der Marlox AG.

Die Uhren-Vertriebsfirma Marlox befindet sich in Liquidation. Auch das «Swiss-Made-Label» sei Schuld daran, dass die Biberister Firma schliessen musste, sagt Ronnie Bernheim, Mitbesitzer und ehemaliger Co-Geschäftsführer.

Ein Auto nach dem anderen rauscht über die Solothurner Westumfahrungsbrücke. Direkt nebenan, am Biberister Hunnenweg, steht das Mondaine-Gebäude. Hier geht es mindestens ebenso geschäftig zu und her. Neben der Mondaine, bekannt für die «Bahnhofsuhr fürs Handgelenk», werden hier auch die Luminox-Uhren oder die M-Watch hergestellt. Das Gebäude, wie auch die verschiedenen Uhrenfirmen, gehören den Gebrüdern Ronnie und André Bernheim. Und das Geschäft dieser Unternehmen läuft, sagt Ronnie Bernheim: «Uns geht es gut. Wir sind mit unseren eigenen Uhrenmarken breit abgestützt, innovationsgetrieben und finanziell stark.» 60 Mitarbeiter sind in Biberist beschäftigt. Vor kurzem haben die beiden zudem eine 800 Quadratmeter grosse Solaranlage auf dem Dach des Gebäudes errichtet. Seither kann durchschnittlich 80 Prozent des benötigten Stroms selber produziert werden.

Direkt unter dem Dach des Gebäudes steht allerdings ein ganzes Stockwerk leer. Bis vor zwei Jahren war hier die Marlox AG zu Hause. Die Firma vertrieb in der Schweiz, Deutschland und Österreich Uhren wie Esprit, Joop oder Puma, die in Hong Kong und der Schweiz produziert wurden. Sie beschäftigte zu Spitzenzeiten über 50 Mitarbeiter und gehörte zum Teil ebenfalls den Bernheim-Brüdern. 2017 stellte die Firma ihre Geschäftstätigkeit ein. Mittlerweile befindet sich das Unternehmen in Liquidation, in einigen Monaten wird es gänzlich verschwunden sein.

Sinkenden Umsätze und «Swiss made» Label

Als einen Grund für den Niedergang der Firma nennt Ronnie Bernheim das verschärfte «Swissness-Gesetz», das 2017 in Kraft trat. Dabei geht es um das sogenannte «Swiss made» Label: Uhren mit diesem Gütesiegel können teurer verkauft werden als solche ohne. Nur: Ab wann darf eine Uhr als «Swiss made» bezeichnet werden? Verschiedene Uhrenfirmen, insbesondere solche aus dem oberen Preissegment, forderten strengere Regeln. Und das Parlament verschärfte die Auflagen, seither müssen, damit eine Uhr als «Swiss made» gilt, mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen. Die Berechnung dieser Kosten ist einigermassen kompliziert, so können etwa Kosten wie Büroarbeit, Marketing und Reparaturdienst nicht als Schweizer Anteil angerechnet werden.

Über 50 Arbeitsplätze gingen bei Marlox verloren

Bernheim kritisierte dieses Gesetz von Beginn weg. Es bringe dem Kunden in puncto Qualität gar nichts, verteuere aber die Uhren, argumentierte er. Zudem würden nur Hersteller von Luxusuhren davon profitieren, da bei teureren Uhren meist sowieso mehr als 60 Prozent der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen würden. Hersteller aus dem mittleren und unteren Preissegment würden darunter leiden. Nun sieht Bernheim sich in dieser Befürchtung bestätigt. In den Anfangsjahren der Marlox wurden noch mehrere ihrer Uhrenmarken in Biberist hergestellt. Dann wurde die Produktion nach Fernost verlegt. «Wegen der neuen Bestimmungen wurden die Uhren zu teuer», begründet Bernheim.

Für eine Weile produzierte dann eine Hong Konger Schwesterfirma, die Mywa, diese Uhren. Doch die Umsätze gingen zurück, auch weil diesen, nun in Hong Kong produzierten Uhren, das «Swiss made» Label fehlte. Die Mywa konnte ihre Lizenzen für die Uhren schliesslich nicht mehr verlängern. Damit waren auch die Tage der Marlox, die nur reiner Vertriebspartner der Mywa war, gezählt. Die über 50 Mitarbeiter verloren in dieser Zeit ihre Stelle. Bernheim betont aber: «Praktisch alle Mitarbeiter konnten, auch weil wir transparent informierten, im Laufe das Abbaus eine neue Stelle finden.» Die Räume der Marlox im Mondaine-Haus suchen seither einen neuen Mieter.

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