Kinder- und Jugendpsychiatrie

Werden junge Menschen in einer psychischen Krise ausreichend behandelt?

Hier gibt es 18 stationäre Plätze (inklusive Beschulung) für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche: An der Waisenhausstrasse in Solothurn.

Politiker fordern, dass der Kanton seine Angebote für Kinder- und Jugendpsychiatrie verbessert. Geplant und geprüft wird derweil schon eine Menge – Konkretes gibt es noch nicht.

Gibt es genügend Plätze in der Solothurner Kinder- und Jugendpsychiatrie? Ausreichend Therapeuten, die sich um psychisch erkrankte Kinder kümmern? Kann der Kanton gut genug auf psychische Krisen in der Schule reagieren? Diese Fragen sind nicht neu – derzeit aber wieder aktuell. Politiker mehrerer Parteien des Kantonsrats fordern von der Regierung, diesen Fragen mit einer Arbeitsgruppe nachzugehen und falls nötig das Angebot zu verbessern.

Allen voran Franziska Roth von der SP. Als «fatal» bezeichnet sie die Situation im Kanton. Sie spricht von zu langen Wartezeiten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, zu wenigen Fachpersonen. «Ich bin nicht zufrieden mit der Betreuung und der Beschulung psychisch erkrankter Kinder im Kanton», stellt die Lehrerin fest. Für die Versorgung sind einerseits die psychiatrischen Dienste der Solothurner Spitäler AG (soH) und andererseits freischaffende Kinderpsychiater zuständig. Laut Roth ist das Angebot der soH, die im Besitz des Kantons ist, zu knapp, die Praxen freischaffender Kinderpsychiater sind überlastet. Die Folge: «Kinder werden diagnostiziert und dann abgeschoben – das ist fatal».

Abgänge «nicht unkritisch»

Bereits früher war die Rede von Kündigungswellen im Bereich Kinderpsychiatrie bei der soH (wir berichteten). Auch dass es schweizweit zu wenige Kinderpsychiater gibt, ist nicht neu. Die soH nahm bereits Stellung zum Thema Fachkräftemangel und erklärte damals, es sei zunehmend schwierig, qualifizierte Fachkräfte zu finden.

Laut Kantonsregierung ist es in den letzten Monaten zu vermehrten Wechseln bei Ober- und Kaderärzten in der Kinder und Jugendpsychiatrie der soH gekommen.

Diese Abgänge werden damit begründet, dass viele Fachärzte in eigene Praxen wechseln, wo sie mehr Flexibilität hätten. Die Situation sei zusammengefasst «nicht als unkritisch zu beurteilen», findet die Regierung. Eine neue Arbeitsgruppe, die den Abgängen nachgeht, brauche es aber nicht, denn: Die soH hat ihre eigene Projektgruppe eingesetzt.

In erster Linie geht es bei der Analyse um das stationäre Angebot: die Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik (KJPK) in Solothurn mit ihren 18 Plätzen und internen Schule. Wieso wird überprüft? Auf Anfrage heisst es bei der soH, es gehe um die «demografische Entwicklung» und das «Versorgungsumfeld» im Kanton sowie «Trends von Behandlungskonzepten.»

ie Regierung schreibt etwas konkreter, es gebe heutzutage mehr Notfallaufnahmen als früher. Und sie spricht von betrieblichen und finanziellen Herausforderungen der Institution KJPK. Nähere Erklärungen gibt es nicht. Antworten sollen laut soH-Mediensprecher Gian Trionfini bis Ende 2019 folgen; dabei gehe es auch um Fragen nach der Anzahl Plätze, des Standortes und des Angebotes der KJPK.

Auch die Beschulung regeln

Aus diesem Grund sieht die Regierung auch beim stationären Angebot keinen Bedarf, eine zusätzliche Arbeitsgruppe einzusetzen. Gleich sieht es beim Thema Beschulung von betroffenen Kinder und Jugendlichen aus. Diese sollen auch während psychischen Krisen Unterricht erhalten und den Anschluss an den Schulstoff nicht verpassen.

Laut Roth findet eine Diskriminierung statt, da diese Kinder und Jugendlichen gleich behandelt würden wie solche, die etwa Lernschwierigkeiten haben und dafür speziell gefördert werden. Spezielle Angebote für psychisch erkrankte Schüler gibt es nicht.

Nicht eine, sondern gleich fünf Gruppen kümmern sich aber bereits um die «sonderpädagogische Massnahmenplanung» für die nächsten Jahre. Dabei handelt es sich um Angebote für Kinder mit Behinderung, Verhaltensauffälligkeiten – Kinder, für welche die Beschulung in der Regelschule nicht ausreichend ist. Laut Regierungsrat müssen diese Angebote angepasst werden als Reaktion darauf, dass es heute mehr Kinder mit Wahrnehmungsstörungen und psychischen Erkrankungen gibt.

Wie konkret solche Angebote aussehen könnten, ist offen. Ergebnisse gibt es bis Ende 2019. Auf Anfrage bei einer Arbeitsgruppe wird auf eine Regelung im Volksschulgesetz hingewiesen, laut welcher der Kanton für die Beschulung von Kinder, die länger als zwei Wochen im Spital sind, sorgen muss. Also auch für Kinder in Kliniken anderer Kantone, auch für Kinder mit psychischen Erkrankungen.

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