Podium

Wer 100 Jahre alt werden will, muss Körper und Geist fit halten

Die Podiumsteilnehmer hatten vorgängig schon längere Vorträge zu ihren Theorien und Forschungsarbeiten gehalten.

Die Podiumsteilnehmer hatten vorgängig schon längere Vorträge zu ihren Theorien und Forschungsarbeiten gehalten.

Im Landhaus Solothurn fand ein Podium zum Thema «Wie werde ich 100 Jahre alt?» statt.

Wie werde ich gesund 100 Jahre alt? Darüber wurde am Symposium für Naturheilkunde intensiv gerätselt, auch an der Podiumsdiskussion. Bewegung? Sinnvolle Lebensaufgabe? Kein Übergewicht? Wenig Genussmittel? Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler brachten das eine oder andere davon da und dort ein.

Doch sie gingen weit darüber hinaus. Es war eine Fülle an philosophischen und gesellschaftlichen Betrachtungen, die sich über das Fachpublikum ergoss. Man war sich einig, dass gesundes und glückliches Altern individuell ist und dass die Technik bloss Hilfsmittel sein soll, nicht dominierend wie im «Transhumanismus» propagiert, wo mit Gehirn-Computer-Schnittstellen eine technische Ausweitung des Lebens möglich wird.

Nicht alle Menschen können gleich alt werden

Professor Roland Benedikter mahnte: «Vorsicht, dass wir den Menschen bei der Technisierung nicht verlieren». Er plädierte dafür, einen «möglichst natürlichen eigenen Biorhythmus» leben zu können. Die Schüler sollten etwa erst ab neun Uhr zur Schule müssen, wenn es ihrem Rhythmus entspricht.

Um der Technisierung entgegenzuwirken, sei es wichtig, sich darüber zu informieren. Man solle sich nicht von den «falschen Bildern» etwa in Form von TV-Werbung wie – «Du kannst alles haben, was du willst» – leiten lassen. Er brachte auch den Aspekt des «gerechten Alterns» ins Spiel. Je reicher man sei, desto älter werde man. «In den USA ist das massiv, da geht es um Jahrzehnte, bei uns sind es zum Glück nur Jahre.»

Versuchen so natürlich wie möglich zu leben

Professor Hartmut Schröder rief dazu auf, «den Ton des eigenen Lebens zu kennen und ihm zu folgen». Man solle so natürlich wie möglich und «kulturvoll» leben. Wichtig sei, Sinn im Leben zu haben und aufgehoben zu sein in einer sozialen Gruppe. Er gab den Denkstoss: «Älterwerden macht das Loslassen einfacher. Wir müssen gar nicht so viel tun, sondern einfach Dinge loslassen. Es geht darum, etwas zu bewältigen, nicht darum, etwas zu machen oder zu beherrschen.»

François Höpflinger sprach den Punkt der Resilienz an, die Fähigkeit, Schwierigkeiten zu überwinden. «Jene, die alt sind, haben eine sehr hohe Widerstandsfähigkeit.» Der «wohlstandsverwöhnten Generation» fehle dies, sie würden wohl nicht mehr so alt. Alte seien offen für neue Entwicklungen. Professor Angelika Messner fand, es solle keinen «Wettkampf» ums Älterwerden geben. Auch neunzig oder achtzig sei schon alt. Altwerden sei nicht das einzig Erstrebenswerte.

Menschen haben Selbstheilungskräfte

Fachärztin für Allgemeinmedizin Marlen Schröder sagte: «Wir verlassen uns mehr auf die Medizin, welche den Menschen eher als Ansammlung von Einzelteilen betrachtet.» Die Menschen solle man darauf aufmerksam machen, dass sie die Selbstheilungskräfte in sich hätten. Es sei wichtig, die Menschen in einen «Rahmen der Sicherheit» kommen zu lassen statt in Flucht- und Kampfmodus.

Rezept für langes Leben: «Man muss immer etwas machen»

Am Podium wurden zwei kurze Porträtfilme über Hundertjährige gezeigt. Eine davon, Magdalena Hoerl aus Küsnacht am Zürichsee, sass im Publikum. Am 16. Oktober wird sie hundert Jahre alt. Sie beantwortete anschliessend Fragen.

Ihr Erfolgsrezept? «Man muss immer etwas machen. Körper und Geist, beides, sonst geht es nicht.» Die ledige Tirolerin, die mit 34 Jahren in die Schweiz kam, lebt alleine in einer Wohnung. Sie kocht noch selber und erledigt Haushalt und Einkäufe selber. Sie wirkt neugierig, vif, eigenwillig, hat eine rasche Auffassungsgabe. Hoerl ist gesund, sie habe bloss etwas Mühe mit den Beinen. Ihr Lieblingsessen sei Pizza. Sie ist schon seit zwanzig Jahren in einer Strickgruppe, bei der sie Decken für wohltätige Zwecke strickt. Kreuzworträtseln sei ein weiteres Hobby von ihr. Und vor allem das Reisen: Zwar sei sie sparsam, aber fürs Reisen habe sie gerne Geld ausgegeben. Viermal in China, dreimal in Australien, einmal in Neuseeland, den USA, Kanada, Skandinavien, Russland, Mauritius und so weiter. Sie hat viel Humor, unterhält auch das Publikum. Vom «Glück» hält sie nicht viel, denn «das dauert meist nicht lange». Aber sie sei zufrieden.

Medikamente nehme sie nur das Minimum. Früher habe sie sich beim Velofahren und im Turnverein bewegt. «Gesund altern fängt schon in der Kindheit an, beim Aufbauen von Abwehrkräften. Ich war als Kind viel erkältet, weil ich in nassen Strümpfen in der Schule sein musste.» (oms)

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