Wer viel bietet, bietet (fast) allen etwas: Frei nach diesem Motto luden Solothurner Handelskammer, kantonale Wirtschaftsförderung und UBS-Regionaldirektion Aargau/Solothurn am Dienstag zum gemeinsamen Wirtschaftsanlass im Solothurner Landhaus. Geboten wurde tatsächlich sehr viel: von der Begrüssung durch Handelskammer-Direktor Daniel Probst über ein Referat von Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss, eine Tour-d’Horizon durch die globalen, nationalen und regionalen Höhen und Tiefen der Wirtschaft (mit UBS-Chefökonom Daniel Kalt), ein Referat zum Thema «Generation XYZ ungelöst?» (des Hamburger Changemanagement-Professors Martin Klaffke), bis hin zu einem Podiumsgespräch zum Thema «Millennials» (unter Leitung von Fernsehjournalist Reto Brennwald).
Eine sehr geballte Ladung. Dank wortgewaltiger Hauptreferenten aber immerhin interessant und kurzweilig. Allerdings: Mindestens so wichtig, wie das zuvor für den Kopf Gebotene, schien etlichen Teilnehmenden schliesslich dann doch jenes für den Gaumen: Jedenfalls wurde der nach fast zwei Stunden von Moderator Brennwald angekündigte Schluss der Fragerunde und der Übergang zum Apéro riche mit durchaus erleichtert klingendem Applaus quittiert.


Werben für die Steuervorlage

Klar, dass das noch fast taufrische Ja des Parlaments zur kantonalen Steuervorlage auch im Landhaus ein wichtiges Thema war: Handelskammer-Direktor Daniel Probst sprach von einem «wichtigen Entscheid für den Kanton» und einer «politisch ausgewogenen und fairen Vorlage». Vor der Volksabstimmung sei nun aber noch eine «grosse Überzeugungsarbeit» nötig. Es brauche «viele Botschafterinnen und Botschafter, um dem Anliegen zum Durchbruch zu verhelfen». Die von Probst als «eine dieser Botschafterinnen» begrüsste Regierungsrätin Brigit Wyss (Grüne) schlug sogleich in die gleiche Kerbe: «Der Regierungsrat wird alles daransetzen, dem Volk die grosse Chance dieser Vorlage darzulegen – ohne dass wir die mit der Strategie verbundenen Risiken unter den Teppich kehren werden.» Die Regierung wolle vielmehr dazu beitragen, eine «differenzierte Diskussion» zu ermöglichen, versprach die Volkswirtschaftsdirektorin.


Wenn Präsident Trump …

Auf die Steuervorlage kam am Rande auch UBS-Chefökonom Daniel Kalt zu sprechen, als er den kantonalen Wettbewerbsindikator 2018 der UBS präsentierte. Der Kanton Solothurn liege zwar, wie schon im 2017, mit einem Indikator von 62,2 Prozent wieder auf Platz 16 der Kantone – nach Bern (63 Prozent), vor Appenzell Ausserrhoden (62,7) – doch habe man sich immerhin um 0,2 Prozent verbessern können. Kalt: «Wenn es gelingt, die Steuerstrategie erfolgreich umzusetzen, dann kann Solothurn vielleicht die Berner und allenfalls sogar auch noch die Freiburger überholen.»
In einem fulminanten Streifzug analysierte der UBS-Chefökonom weiter die Entwicklung der Weltwirtschaft samt deren Folgen für die schweizerische und auch die kantonale Wirtschaft. Kalt sprach von sich verdichtenden Anzeichen für eine neue weltweite Rezessionsphase. Einer, der mit dem Feuer spiele, sei dabei US-Präsident Trump. Kalt gab der Hoffnung Ausdruck, dass dieser es angesichts der nächste Jahr anstehenden Wahlen nicht zu einer weiteren Eskalation des von ihm angezettelten weltweiten Handelsstreits kommen lasse. «Wenn Trump zum Beispiel höhere Zölle auf europäische Autos erhebt, dann wäre dies gar nicht gut – nur schon für die Zulieferbetriebe, die im Kanton Solothurn weitverbreitet sind», gab Kalt zu bedenken.