Berufsschule Solothurn

Wegen fehlenden Turnhallen bleibt der Unterricht einfach aus – trotz Vorschriften

Das CIS-Sportzentrum. Noch kommen die Solothurner Berufsschüler hier zu ihrem Turnunterricht.

Das CIS-Sportzentrum. Noch kommen die Solothurner Berufsschüler hier zu ihrem Turnunterricht.

Noch immer werden an der Berufsschule in Solothurn weniger Turnstunden angeboten, als das Gesetz verlangen würde. Das Problem ist der weite Weg ins CIS – dort bekommen die Lehrlingen ihren Turnunterricht. Eine Alternative gibt es im Moment nicht.

Sport gehört zum Unterricht. Auch an den Berufsschulen. Zwischen den Stunden im Klassenzimmer brauchen die Lehrlinge immer mal wieder etwas Auslauf, so verlangt es das Gesetz. Nur: Um Kosten zu sparen, ignorierte der Kanton Solothurn, wie übrigens mehrere andere Kantone auch, diese Vorschriften in der Vergangenheit immer mal wieder. So wurden etwa an den Berufsschulen in Solothurn und Grenchen über Jahre hinweg die Turnstunden in den letzten beiden Lehrjahren nicht durchgeführt. 2015 schob das Solothurner Verwaltungsgericht diesem Vorgehen einen Riegel. Seither wurde der Sportunterricht laufend wieder auf allen Stufen eingeführt. Aber noch immer werden weniger Stunden angeboten, als das Gesetz verlangt.

Betroffen ist die Berufsschule in Solothurn. In gewissen Berufsfeldern haben hier die Lehrlinge eine Doppelstunde Sport pro Woche zugute. Momentan bekommen diese nur eine Lektion. Das habe zum einen mit vollen Stundenplänen und fehlendem Geld zu tun, zum anderen aber auch mit fehlenden Turnhallen, sagt Michael Steiner. Er ist Präsident des kantonalen Turn- und Sportlehrervereins, der sich für einen hochwertigen Sportunterricht einsetzt. Gleichzeitig ist Steiner selber Turnlehrer am Solothurner Berufsbildungszentrum (BBZ).

Der Kanton sucht nach einem geeigneten Standort

Die Berufsschüler bekommen ihren Sportunterricht im CIS. Doch zum einen fällt die marode Turnhalle seit Jahren auseinander. Turnlehrer berichten von Pfützen in der Halle bei Regen und von instabilen Böden. Zudem sei es dreckig und stinke. Und mittlerweile sei es sogar gefährlich. 

Und zum anderen ist das CIS rund eineinhalb Kilometer vom BBZ entfernt. Der Transport der Schüler vom BBZ ins CIS und retour, inklusive Umziehen und Körperpflege, verschlingt genau die zusätzliche Lektion, die einigen Schülern fehlt. Dort sieht Kantonsbaumeister Guido Keune denn auch das Hauptproblem. Den Unterricht vorübergehend einfach in einer anderen Halle durchzuführen, das sei nicht möglich: «Turnhallen sind Mangelware. Zurzeit sind uns keine sofort verfügbaren Alternativen zum CIS bekannt», so Keune. Längerfristig soll dann ein Neubau die Probleme lösen. Für diesen sucht der Kanton im Moment einen geeigneten Standort. «Wir klären im Moment die räumlichen und betrieblichen Minimalanforderungen ab», so Keune. Bis spätestens Ende 2021 soll ein konkreter Lösungsvorschlag vorliegen, wie der gesetzlich vorgeschriebene Sportunterricht durchgeführt werden kann.

Für Turnlehrer Steiner ist klar: Jetzt sollte etwas gehen. Seit 30 Jahren unterrichtet er, und er sagt: «Seit 30 Jahren sind so viele Fragen offen. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, Nägel mit Köpfen zu machen. Ich spüre die Bereitschaft beim Kanton, zu handeln. Ich spüre, dass auch ihnen klar ist, dass es so nicht weitergehen kann, wir haben dasselbe Ziel. Ich möcht einfach nicht, dass man fünf Jahre später wieder gleich weit ist wie jetzt.»

Ist der Sportunterricht so wichtig?

All dieser Aufwand dafür, dass einige Lehrlinge eine Lektion Sport mehr haben pro Woche. Braucht es das tatsächlich? Ja, findet Steiner. Zum einen verlange das das Gesetz. Und zum anderen gehe es im Turnunterricht um mehr als nur Bewegung: «Das Soziale ist dort genauso wichtig. Es geht um das Gemeinsame, darum, miteinander vorwärtszukommen.»

Er sieht gleichzeitig aber auch, dass der Schulsport eine andere Bedeutung hat als noch vor 30 Jahren. Gerade an den Berufsschulen. «Die Lehrlinge arbeiten die ganze Woche, haben dann einen Tag Schule, und an diesem Tag schliesslich noch eine Lektion Sport. Ich verstehe schon, dass dort weniger die Leistung, sondern vielmehr der Spass im Zentrum steht.» Jetzt gehe es darum, den Unterricht an diese Entwicklung anzupassen, zum Beispiel Spielformen noch stärker ins Zentrum zu rücken. Und wieso, spinnt Steiner den Gedanken weiter, diese Entwicklung nicht auch beim Bau der neuen Turnhalle berücksichtigen? Man könnte separate Fitnessräume einbauen, eine Kletterwand errichten, eine Slackline spannen oder ein Badmintonfeld bauen.

Mit einer solchen Infrastruktur könnte er die Klasse nach Interessen aufteilen. Bestenfalls würde jemand danach privat bei einer Sportart einsteigen, in einem Verein vielleicht, und diesen Sport auch nach der Lehre noch ausüben. Damit dies überhaupt passieren kann, brauche es aber auch ein entsprechendes Angebot. «Das wäre mein Wunsch. Und das wäre natürlich die Deluxe-Variante», ist ihm bewusst. Wichtiger sei jetzt fürs Erste, dass eine Halle gefunden wird, um alle gesetzlich vorgeschriebenen Turnstunden durchführen zu können. Und dass dann in absehbarer Zeit die neue Halle gebaut wird. Damit auch die Berufsschüler zu ihren Turnstunden kommen.

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