Römisch-Katholische Kirche

Was tun mit «überflüssigem» Gottesraum?

Die Brasserie Saint Jo im Haus der Kunst, der umgenutzten Klosterkirche St. Josef in Solothurn.

Die Römisch-Katholische Synode des Kantons Solothurn lud zu einer Reihe von Referaten, um das Thema zu beleuchten.

Auch im Kanton Solothurn gibt es immer weniger Katholiken oder andere Angehörige der Landeskirchen, so wie in andern europäischen und nordamerikanischen Ländern auch. Jeder zweite Solothurner wird in etwa einem Jahr vor allem konfessionslos oder aber Angehöriger einer andern Konfession sein.

Die Kirchen werden leerer, zudem werden die Einnahmen spärlicher. Kirchliche Immobilien werden immer weniger benötigt und ihr Unterhalt wird immer weniger bezahlbar.
Was soll eine Kirchgemeinde da tun?

Was soll man mit einem «überflüssigen» Gottesraum machen? Ein «Workshop» der Römisch-Katholischen Synode des Kantons Solothurn beleuchtete dieses Thema.

Vor allem Baubeauftragte der Kirchgemeinden fanden sich am Samstagmorgen im Pfarrsaal des Pfarramts St. Ursen in Solothurn zahlreich ein und erhielten eine Fülle an Impulsen.

Einleitend wurde von der Synode her klargemacht, dass gemäss Bischof Gmür vor allem zwei Dinge nicht gemacht werden sollten: Kirchliche Immobilien verkaufen oder einer andern Religion übergeben.

Generalvikar Markus Thürig trat daraufhin für eine langfristige und gesamtheitliche Betrachtungsweise ein, wenn es um Bedarf und Finanzen gehe. Pastorale und staatskirchenrechtliche Leitungen seien gemeinsam verantwortlich.

Mehrmals betonte er, den Symbolwert einer Immobilie zu beachten. «Wenn ich bei Immobilienangelegenheiten als Schlichter gerufen werde, dann fehlt es meistens daran.» Als Beispiel nannte er Handyantennen in Kirchtürmen.

Nicht nur die Gläubigen, sondern auch die andern identifizierten sich mit einem kirchlichen Bauwerk. Solche Gebäude seien «mit unserer Seele verbunden» und hätten eine Geschichte und eine künstlerische Bedeutung. Er fand es nicht wert, eine Gemeinde nur wegen jährlich siebentausend Franken zu spalten.

Thürig sprach sich weiter dafür aus, «sakralen Raum offenzuhalten für die Menschen vor Ort», wenn sie beispielsweise zunehmend werktags die Kirche besuchten. Eine Immobilie könne erweitert genutzt oder umgenutzt werden. Ein Teil der Kirche kann für andere innerkirchliche Zwecke gebraucht werden.

Eine Empore wird beispielsweise zum Pfarrsaal oder es werden Gesprächsräume eingebaut. Man kann eine Kirche oder Kapelle auch mit Anderssprachigen oder Mitgliedern anderer Konfessionen teilen.

Umbauen, Rückbauen, aber nicht verkaufen

«Eine Immobilie leer zu lassen, ist nie gut.» Man solle lieber auf etwas Miete verzichten. Es sei auch Rückbau möglich, ein neues Gebäude könne entstehen, das zwar noch einen Sakralraum habe, aber auch Wohnungen und einen Kindergarten.

Ein Verkauf könne vermieden werden durch Baurechtsvergabe oder Abtausch. Thürig nannte Zahlen zu Projekten, die er letztes und dieses Jahr betreute. 5 Projekte habe es zur erweiterten Nutzung von Kirchen gegeben. 11 zu Innenrenovationen oder -reinigungen von Kirchen. In 9 Projekten sei es um eine Profanierung – eine «Entweihung» – von Kapellen und Kirchen gegangen.

Der Solothurner Architekt Pius Frey zeigte zahlreiche Fotos von Kirchen, die nun anders genutzt werden. Ein hiesiges Beispiel: Klosterkirche St. Josef in Solothurn, in der Kunstausstellungen zu sehen sind und in der jeweils gegen Jahresende eine Brasserie in Betrieb genommen wird.

Er zeigte krasse Bilder. Kirchen umfunktioniert zur Autowerkstatt, zum Nachtclub, zur Bank, zum Lager. Zum Sitz eines Sportvereins, wo man an der Innenwand hochklettern kann (Eglise du Petit-Lancy, Genf).

Aber er nannte auch positive Beispiele wie die Luzerner Maihofkirche, die multifunktional und auch weltlich genutzt wird. Bei der Kapelle Dreibeinskreuz an der Bürenstrasse in Solothurn besteht ein noch nicht verwirklichtes Projekt des Museums Blumenstein, welches in ihr eine offene Aussenstation errichten möchte.

Ein Raum würde abgetrennt werden und der Thebäerkult um Urs und Viktor gezeigt.
Flury sprach sich für eine öffentliche statt private Umnutzung aus. Er bemerkte, dass die drei Landeskirchen gleiche Strategien verfolgten.

Der Solothurner Rechtsanwalt Harald Rüfenacht gab juristische Tipps. Man solle frühzeitig das Gespräch suchen, um keine Überraschungen etwa bezüglich Denkmal- und Brandschutz zu erleben.

Damit «kein Schabernack» getrieben werde mit einer kirchlichen Immobilie, solle man sie am ehesten einer öffentlichen Stiftung oder Institution geben und genaue Nutzungsbeschränkungen auferlegen.

Das könne man bei einem Verkauf in Form von Dienstbarkeiten im Grundbuch. Das Kirchenrecht stehe Umnutzungen viel mehr im Weg als staatliches Recht. Aber neu können bald auch im Bistum Basel Kirchen – beispielsweise mit gläsernen Trennwänden – unterteilt und vielseitig genutzt werden.

Meistgesehen

Artboard 1