«Vertreibung aus dem Paradies» lautet das Motto, mit dem Fredy Hasenmaile, der Immobilienexperte der Grossbank Credit Suisse, zurzeit schweizweit auf Tournee ist. An einem Kundenanlass von am Freitag im Velodrome Grenchen richtete er den Fokus dabei auf die Situation in der Region Jurasüdfuss. «Die Vertreibung aus dem Paradies heisst zum Glück nicht, dass man direkt in der Hölle landet. Wer dies glaubt, hat die Bibel nicht gelesen. Aber es heisst, dass das Essen nicht mehr gratis ist», brachte Hasenmaile gleich zu Beginn seine Ausführungen auf den Punkt.

Aufgrund des tiefen Zinsniveaus sei in letzter Zeit sehr viel Geld in die Immobilienanlagen geflossen, mit der Folge, dass nun auch dort die Renditen sinken. Ein Überangebot mache sich da und dort bereits bemerkbar und zeige sich in steigenden Leerständen bei Wohn-, Verkaufs- und Büroflächen sowie in steigender Insertionsdauer von Mietwohnungen.

30 000 Baugesuche

Weil aber kaum Anlage-Alternativen bestehen, sei punkto Baugesuche noch keine Abnahme zu beobachten. Zurzeit liegt die Zahl der Baugesuche für Mietwohnungen auf einem rekordhohen Stand von schweizweit 30 000 (12-Monats-Summe). «Das führt dazu, dass das Angebot der Nachfrage davonrennt», stellt Hasenmaile fest.

In der Region Jurasüdfuss ist der Bauboom in der Region Olten-Gösgen-Gäu und Biel/Seeland am grössten. Das Wohnungsangebot wird sich hier um geschätzte 1,6 Prozent und mehr ausweiten, während die Nachfrage zum Beispiel in Biel nur halb so stark wächst. In Grenchen (1,3 Prozent Ausweitung und Absorption von 0,6 Prozent) ist das Verhältnis etwa gleich, während in Solothurn bei einer Ausweitung des Angebots von unter 1 Prozent praktisch alle Wohnungen auch vermietet bzw. verkauft werden. «In Solothurn ist aber auch ein weiterer Angebotsschub unmittelbar bevorstehend», so der CS-Experte.

Sinkende Kaufkraft

Insgesamt verzeichne die Schweiz eine ausserordentliche Steigerung der Wohnungsnachfrage seit 2007, bedingt durch die «historisch einzigartige Zuwanderung». Während aber bis 2008 sehr viele Deutsche in die Schweiz zogen, waren es nach Ausbruch der Krise vor allem Südeuropäer, dann Osteuropäer und jetzt Flüchtlinge. Das heisst, die Kaufkraft der Zugewanderten nimmt laufend ab, was vor allem den Druck auf den Billigwohnungsmarkt erhöhen dürfte.

Im Wohneigentumsmarkt ist gemäss der Untersuchung ein «sanftes Entweichen der Luft» aus der Blase in der Westschweiz» zu beobachten. Am Jurasüdfuss ist der Wohneigentumsmarkt nach wie vor vergleichsweise entspannt. In Grenchen sind nach einem starken Anstieg im vergangenen Jahr die Preise bereits wieder fallend.

Interessant war ein Exkurs von Hasenmaile zum Thema «Digitalisierung der Baubranche». Wohnungen würden demnach künftig geplant und gebaut wie Maschinen oder Autos: Jedes Detail wird im Computer entworfen und aus standardisierten Elementen gefertigt. Die Wertschöpfung wandert von der Baustelle in den Planungsprozess, was die Baubranche vor neue Herausforderungen stelle. Wie schnell dieser internationale Trend die kleinteilige Schweizer Bauwirtschaft erfasst, vermochte der Experte aber nicht zu sagen.