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Wald leidet am Klimawandel – und trägt zum Klimaschutz bei

Abgestorbene Bäume sind Folgen des Klimawandels. (Archivbild)

Abgestorbene Bäume sind Folgen des Klimawandels. (Archivbild)

Herbsttagung des Verbandes der Bürgergemeinden und Waldeigentümer rückt Wald und Holz in den Fokus.

Wald und Holz waren die zentralen Themen am Herbst-Informationsanlass des Bürgergemeinden- und Waldeigentümerverbandes Kanton Solothurn (BWSo) in Zuchwil. Der Wald leidet im Moment, aber er kann auch zum Klimaschutz beitragen. Aus ihm kommt das Holz, ein unentbehrlicher Rohstoff. Es brachte den Menschen zum Fliegen und verhilft im Instrumentenbau zu wunderschönen Musikerlebnissen.

Weiss stechen einige Weisstannen auf einem Waldfoto hervor, das Förster und Kantonsrat Thomas Studer mit einer Drohne aufgenommen hat. Die Nadeln der Tannen sind wegen der Trockenheit im Sommer 2018 vertrocknet. Auch die Buchen und Fichten haben stark gelitten. Bei vielen Fichten sind mehr als die Hälfte der Nadeln verdorrt. Die geschwächten Bäume sind ein gefundenes Fressen für die Borkenkäfer, die sich dieses Jahr massenhaft vermehrten. Erwartet werden Schadholzmengen in der Grössenordnung von 100 000 Festmeter bis Ende Jahr.

Ein Plädoyer für den Schattenwurf

Der BWSo setzte sich im kantonalen Sonderstab Wald erfolgreich dafür ein, dass die Waldeigentümer vom Kanton bei der Bewältigung der Schäden auch rückwirkend finanziell unterstützt werden.

Angesichts der durch das Klima gestressten Wälder rief Thomas Studer die Teilnehmenden dazu auf, Sorge zum Schatten zu tragen. Es müsse nicht jeder Baum im Wald superschön sein – auch der Schatten, den er werfe, sei ein Produkt des Waldes. Er sorgt für ein kühleres Klima. «Das freut nicht nur die Waldbesuchenden, sondern hilft auch den qualitativ wertvolleren Bäumen, Hitzeperioden schadlos zu überstehen», so Studer.

Kantonsrat Peter Brotschi, Präsident BWSo, will an den Informationsanlässen den Fokus über die reine Verbandsarbeit hinaus öffnen – etwa auf die Bedeutung von Wald und Holz in Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft. So hielt Geigenbauer Kuno Schaub (Neuendorf) ein Referat über Holz im Geigen- und Flugzeugbau. Für sein Handwerk benötigt er spezielle Hölzer. So fertigt er etwa die Böden der Geigen aus Riegelahornholz. Es stammt von Bergahornen, deren Holz aufgrund einer natürlich vorkommenden Wuchsanomalie einen wellenförmigen Faserverlauf zeigt. Für den Nachbau historischer Instrumente benötigt Kuno Schaub Stechpalmenholz. Er kauft es im Schwarzbubenland oder im Tessin, wo bis zu 50 Zentimeter dicke Stechpalmen vorkommen. Auch andere Spezialitäten strukturreicher Wälder, wie Verknorpelungen, Wimmerwuchs oder Maserknollen, sind interessant für den Instrumentenbauer.

Der Wald leidet nicht nur – er leistet auch

Der Präsident des Vereins Wald-Klimaschutz Schweiz, Urban Brütsch, zeigte auf, dass der Wald einer der wichtigsten Mitstreiter im Kampf gegen den Klimawandel ist. Die Bäume nehmen das CO2 aus der Atmosphäre auf und verbauen es dauerhaft in ihrem Holz. Erst wenn dieses verrottet oder verbrannt wird, gelangt es zurück in die Atmosphäre. Wenn der Holzvorrat im Wald zunimmt oder mehr verbautes Holz in den Häusern dauerhaft vor der Verrottung geschützt ist, steigt die Menge an gespeichertem Kohlenstoff.

Als CO2-neutraler Brennstoff könne Holz fossile Energieträger ersetzen: «Mit einer Kombination dieser drei Effekte können wir die Klimaleistung des Waldes maximieren.» Die Senkenleistung des Waldes bei einer Erhöhung des Holzvorrates können die Waldeigentümer über den Verein Wald-Klimaschutz Schweiz in Form von CO2-Zertifikaten verkaufen.

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