Brandkatastrophe

Vor einem Jahr erlebte Solothurn eine Nacht, die sich tief in die Stadt eingebrannt hat

In der Nacht auf den 26. November 2018 erlebte Solothurn eine Brandkatastrophe, die sieben Menschen das Leben kostete. Ein Jahr danach ist es still geworden um die Nacht – aber sie ist nicht vergessen. Beteiligte erinnern sich.

Es war nachts um 2.10 Uhr, als ein Bewohner des Mehrfamilienhauses an der Wengistrasse 40 Rauch im Treppenhaus entdeckte. Er handelte rasch und löste Alarm aus. Die Feuerwehr rückte in der Nacht vom Sonntag auf den Montag unverzüglich mit einem Grossaufgebot aus und brachte 19 Personen in Sicherheit.

Die tragische Gewissheit Stunden danach: Für 6 Personen kam jede Hilfe zu spät. Vier Erwachsene und zwei Kinder starben beim Unglück. Eine vierköpfige eritreische Familie wurde komplett ausgelöscht. Ein weiteres Kind erlag zwei Tage später im Spital seinen Verletzungen. Die beiden Kinder einer äthiopischen Familie wurden in der Brandnacht zu Waisen.
Insgesamt forderte der Brand in der Nacht vor genau einem Jahr 7 Todesopfer. Bei den Verstorbenen handelte es sich um vier erwachsene Personen im Alter zwischen 27 und 33 Jahren, um ein Kleinkind sowie um zwei Kinder im Schulalter.
Die Feuersbrunst wurde durch eine Zigarette ausgelöst, wie die Polizei noch am Tag des Brandes erklärte. Am Mittwoch, gut zwei Tage nach dem Ereignis, bestätigte die Staatsanwaltschaft, eine vorläufig festgenommene Frau habe gestanden, mit einer Zigarette im Bett eingeschlafen zu sein.

Die Stadt stand in den Tagen danach unter Schock. Es gab auf den Strassen nur ein Thema. Und das Bedürfnis, gemeinsam zu trauern. Knapp zwei Wochen später gedachten in der St.-Ursen-Kathedrale rund 800 Personen der 7 Opfer der Brandtragödie. Die Anwesenden brachten ihre Trauer und ihr Mitgefühl zum Ausdruck.

Nach der rund einstündigen Feier nutzten zahlreiche Menschen die Möglichkeit, zu Fuss an den Unglücksort zu gehen. Die Menschen legten eine selber mitgebrachte Rose nieder. Damit wurde das Leben symbolisch an jenen Ort zurück gebracht, an dem die Opfer auf tragische Art und Weise den Tod gefunden hatten.

«Die Strafuntersuchung ist nach wie vor hängig.»

Auch wenn der Brand bereits ein Jahr zurückliegt: Juristisch ist er noch lange nicht abgeschlossen. Jan Lindenpütz, Sprecher der Solothurner Staatsanwaltschaft, sagt auf Anfrage: «Die Strafuntersuchung ist nach wie vor hängig.» Konkret geht es um Untersuchungen gegen die erwähnte Hausbewohnerin und zwar wegen des Verdachts der mehrfachen fahrlässigen Tötung, der mehrfachen fahrlässigen Körperverletzung und wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst, wie Lindenpütz frühere Anfragen in der Sache bestätigt.

Doch warum dauert die Strafuntersuchung derart lange, nachdem die Brandursache rasch klar war? Lindenpütz: «Die Polizei und die Staatsanwaltschaft haben umfangreiche Ermittlungen aufgenommen und durchgeführt.» Im Vordergrund hätten dabei die Ermittlung der Brandursache und die Identifikation der beim Brand ums Leben gekommenen Menschen gestanden, sagt er auf Anfrage dieser Zeitung.

Und wie ist der Stand der Dinge? «Gemäss derzeitigen Erkenntnissen dürfte der Brand auf einen unsachgemässen Umgang mit Raucherwaren zurückzuführen sein», wiederholt Lindenpütz, was schon kurz nach der verheerenden Brandnacht klar war. Und fügt mit Bezug auf diese Tatsache vorsichtig formuliert an: «Auch wenn damit die mutmassliche Brandursache schnell gefunden worden zu sein schien, so bleibt zu berücksichtigen, dass es sich vorliegend um ein komplexes und aufwendiges Verfahren mit zahlreichen Beteiligten handelt.» Hoffnung auf einen raschen Abschluss desselben kann er der Öffentlichkeit zum heutigen Zeitpunkt nicht machen: «Die Strafuntersuchung wird zwingend noch einige Zeit in Anspruch nehmen», führt der Sprecher der Staatsanwaltschaft aus. Selbstverständlich werde die Öffentlichkeit bei Abschluss des Verfahrens informiert.

Strafuntersuchung wird nur gegen eine Person geführt

Übrigens: Die beschuldigte Person wurde am Tag nach dem Ereignis aus der Haft entlassen, wie Lindenpütz ausführt. Sie werde weiterhin durch Fachpersonen betreut, sagt der Mediensprecher. Weitere Auskünfte sind nach Auskunft der Staatsanwaltschaft aus Persönlichkeitsschutzgründen nicht möglich. Immerhin wird offiziell bestätigt: «Es werden im Zusammenhang mit dem Brandereignis vom 26. November 2018 keine weiteren Strafuntersuchungen geführt.»

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Balz Bruder

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