Wirtschaft

Von 1000 Franken bis 10,5 Mio. freigegeben: 3000 Solothurner Firmen haben Covid-Kredite erhalten

Die Covid-Kredite sollen die Krisenzeiten überbrücken helfen.

Die Covid-Kredite sollen die Krisenzeiten überbrücken helfen.

Die Coronakrise schüttelt die Solothurner Wirtschaft kräftig durch: Bereits haben im Kanton gegen 3000 Klein- und Mittelbetriebe bei hiesigen Banken Covid-Überbrückungskredite beantragt und erhalten. Diese bewegen sich in einer Bandbreite von 1000 bis zur Limite von 500'000 Franken.

In den ersten Tagen nach dem Lockdown wurden die Bankniederlassungen auch im Kanton von einem Tsunami überrollt: Zu Hunderten gingen Gesuche für Covid-19-Kredite von in Liquiditätsnöte geratenen Firmen ein. Anfänglich auch im Abend- und Wochenendeinsatz wurden die Gesuche geprüft und die Kredite möglichst rasch freigegeben.

Inzwischen haben sich die Wellen etwas geglättet – Zeit für eine Nachfrage bei einer Auswahl im Kanton tätiger kleinerer und grösserer Banken. Diese ergibt (Stand Wochenende) Beachtliches – sowohl was die Anzahl der Gesuche (2760), als auch den Gesamtumfang (314,5 Mio. Franken) der bewilligten Kredite betrifft. Mit einer freigegebenen Gesamtsumme von 62 Mio. Franken und 815 Kreditvergaben liegen die Raiffeisenbanken an der Spitze. Ein Zeichen für die Nähe von Raiffeisen zu ländlichen Klein- und Mittelbetrieben. Die kleinste bewilligte Kreditsumme ist 1000 Franken, der Schnitt der Vergaben liegt bei 75'000 Franken.

Die Kredite der UBS und CS, der Aargauischen Kantonalbank, der Regiobank Solothurn und der Valiant-Bank liegen derweil im Durchschnitt zwischen 120'000 und 130'000 Franken. Die Obergrenze bilden hier 500'000 Franken. Bei den darüber hinausgehenden Covid-Plus-Krediten (Höhe von mehr als 500'000 Franken) verzeichnet die CS eine Vergabe von 10,5 Mio. Franken.

Querbeet: Von der Gastrobranche bis zum Zulieferer

«Ein Drittel der Anfragen stammen vom Handel, der Motorfahrzeugbranche und dem Baugewerbe», bilanziert Raiffeisen-Sprecherin Sarah Lenz. Ähnlich tönt es bei anderen Instituten: Restaurant-, Auto-, Bau- und Reisebranche werden bei der Valiant-Bank genannt. Bei der Baloise Bank SoBa schwingt vorab der Bereich Gastronomie und Beherbergung obenaus; gleich, wie bei der Spar- und Leihkasse Bucheggberg. Bei der Regiobank Solothurn sind es der Dienstleistungssektor und die Zulieferbetriebe. «Es zeigt sich aber, dass praktisch alle Branchen in irgend einer Form betroffen sind – vor allem aber jene KMU, die innert Stunden den Betrieb vorübergehend stilllegen mussten», so Regiobank-Chef Markus Boss.

«Querbeet»: So wird die Branchenherkunft der Gesuche bei den beiden Grossbanken CS und UBS übereinstimmend definiert. Was die Zahl der Gesuche betrifft, rangiert Solothurn aus Sicht beider Grossbanken «im guten Mittelfeld der Kantone», wie CS-Marktgebietleiter Rolf Hofstetter erklärt.

Vor einer Reihe von Betriebsschliessungen

Auch wenn mit den Covid-Krediten eine wichtige Überbrückungshilfe gewährt werden könne, sei die Sache noch längst nicht ausgestanden, wird reihum betont. Wichtig seien darum «auch flankierende Massnahmen», sagt SoBa-Chef Jürg Ritz mit Blick auf Liegenschaftsbesitzer und Vermieter. Gefragt sei die Bereitschaft zum Beispiel «für Stundungen bei Mieten, denn diese belasten das Kleingewerbe stark». Für Regiobank-Chef Boss ist absehbar, dass die Zahl der Wertberichtigungen zunehmen wird: «In einzelnen Branchen, wie etwa Restaurants und Hotellerie, wird es eine weitere Reduktion der Anzahl von Betrieben geben».

Kommt dazu, dass die Beanspruchung insbesondere eines Covid-Plus-Kredites wohl überlegt sein muss, gibt CS-Mann Hofstetter zu bedenken. Im Dialog mit den Kreditnehmern würden diese auch auf die anstehenden Konsequenzen hingewiesen: «Sie werden künftig in ihren unternehmerischen Freiheiten eingeschränkt sein: Sie dürfen zum Beispiel keine Dividenden ausbezahlen, keine Darlehen an Tochtergesellschaften geben oder Firmenzukäufe tätigen.» Hier gelte es, allenfalls auch alternative Kreditmöglichkeiten zu prüfen.

Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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