Selzach

Vier positive Corona-Fälle im Asylzentrum – das gesamte Haus steht seit Freitag unter Quarantäne

Im Asylzentrum in Selzach wurden COVID-19-Infektionen festgestellt.

Im Asylzentrum in Selzach wurden COVID-19-Infektionen festgestellt.

Im Asylzentrum Selzach sind vier Asylsuchende positiv auf COVID-19 getestet worden. Die Betroffenen sind in einem separaten Trakt untergebracht und es geht ihnen den Umständen entsprechend gut. Seit Freitag wird das gesamte Haus isoliert – nun reaktiviert der Kanton die «Fridau» in Egerkingen.

Früher oder später musste auch dieser Fall eintreten: positive Covid-19-Testergebnisse bei Bewohnern eines Asylzentrums. Am letzten Freitag zeigte sich dieses Testergebnis bei vier Asylsuchenden im Zentrum Selzach. «Die Betroffenen sind in einem separaten Trakt untergebracht und das ganze Haus steht seit Freitag unter Quarantäne», bestätigte das Amt für Soziale Sicherheit (ASO) am Montagnachmittag entsprechende Informationen dieser Zeitung.

Für eine solche Situation war man gewappnet: In allen Asylzentren des Kantons seien in den letzten Wochen Bereiche geschaffen worden, in denen bei Bedarf Bewohner mit positivem Befund separiert werden können, erklärt ASO-Chefin Claudia Hänzi. Im konkreten Fall von Selzach sei ein Stockwerk für die Isolation vorbereitet worden. Dort stünden den Betroffenen eigene sanitäre Anlagen zur
Verfügung und die Mahlzeiten würden separat für sie zubereitet. «Sie kommen nicht in Kontakt mit anderen Zentrumsbewohnern», heisst es beim ASO. Gleiches gelte auch für die auf dem gleichen Stockwerk untergebrachten Verdachtsfälle, die auch komplett von den positiv Getesteten getrennt seien.

Situation auch für das Personal anspruchsvoll

«Alle Betroffenen sind medizinisch versorgt. Ebenso sind sie betreut und über ihre Erkrankung informiert», hält das ASO fest. Und: «Es geht allen positiv getesteten Personen den Umständen entsprechend gut.» Klagen via soziale Medien, wonach es bei der Betreuung der Zentrumsbewohner hapere und Angst herrsche, werden von den Behörden zurückgewiesen: «Sowohl Mitarbeitende wie auch Bewohnende sind früh über Covid-19 und wie man sich davor schützt informiert worden» – und auch weiterhin werde aktiv angeleitet und aufgeklärt. Von Panik könne keine Rede sein – «die Stimmung im Asylzentrum ist ruhig, der Betrieb verläuft geordnet. Die Regeln werden gut eingehalten».

Trotz aller Vorbereitungen ist die Situation auch für die Betreuenden sehr anspruchsvoll. Dem Personal ist es unter Auflagen des kantonsärztlichen Dienstes erlaubt, nach Arbeitsschluss auf direktem Weg nach Hause zu gehen, wo allerdings eine strikte Selbstquarantäne eingehalten werden muss. Das Personal wird bereits seit Freitag vom Zivilschutz unterstützt, der insbesondere die externe und interne Zutrittskontrolle sowie Transportdienste betreut.

Fridau» Egerkingen als temporäre Asylunterkunft

ASO-Chefin Hänzi unterstreicht, dass bereits in den letzten Wochen die Belegungen in allen Asylzentren des Kantons «ausgedünnt» worden seien. So könne sichergestellt werden, dass unter anderem die Abstandsregeln in gemeinsam genutzten Räumen eingehalten werden können. Im Zentrum Selzach sind laut Hänzi derzeit 29 Personen untergebracht – bei 80 verfügbaren Plätzen. Ähnlich in den anderen Zentren: In Oberbuchsiten, wo hauptsächlich Familien in voneinander
getrennten Wohnungen leben, sind es 65 Personen (möglich 80); im Kurhaus Balmberg sind es 61 (möglich 100).

Die Ausdünnung wird ermöglicht, indem einerseits beim Bund ein kurzfristiger Zuweisungsstopp beantragt wurde und der Kanton anderseits in der «Fridau» in Egerkingen bereits am 9. April ein zusätzliches Asylzentrum in Betrieb nehmen will. Hänzi betont ausdrücklich: «Zeitlich beschränkt für die Dauer der Pandemie.» In die Gemeindestrukturen werden gemäss der ASO-Chefin derzeit nur Personen verlegt, «die über längere Zeit keine Symptome zeigen».

Besuchsverbot gilt in allen Asylzentren

Bereits am 27. März hat das kantonale Gesundheitsamt für die kantonalen Durchgangszentren mit sofortiger Wirkung ein Besuchsverbot erlassen. Dieses gilt vorerst bis am 19. April. Bei den Zentrumsbewohnern handle es sich zwar mehrheitlich nicht um besonders gefährdete Personen, doch sei die Wahrscheinlichkeit einer Verbreitung und Übertragung «umso höher, je mehr Personen sich an einem bestimmten Ort in geringem Abstand und über längere Zeit aufhalten».

Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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