Fêtes des Vignerons

Vevey, wir kommen! Das gigantische Winzerfest steht vor der Tür

Noch wird geprobt in der Arena in Vevey, doch bald schon geht die Fête des Vignerons los.

Noch ein paar Mal schlafen, bis das gigantische Winzerfest «Fête des Vignerons» am Genfersee steigt. Der Kanton Solothurn hat sich für seinen Auftritt etwas ganz Spezielles einfallen lassen.

«In den letzten paar Tagen bin ich schon etwas unruhig gewesen», sagt Rainer von Arx. Der Mann, der schon das Theater 1918.ch und die Oltner Kabarett-Tage mitorganisiert hat, ist momentan an einem Projekt beteiligt, dessen schiere Dimensionen einen nervös werden lassen können. Er organisiert nämlich die Darbietungen der Solothurner Künstler an der Fête des Vignerons.

Allein die Zahlen des Events fahren ein: Beim einmonatigen Fest werden 1'000'000 Zuschauer erwartet, über 5000 Darsteller und Sänger werden in der Arena auftreten, gegen 500'000 Liter Wein werden fliessen. Gefühlt die halbe Schweiz wird diesen Sommer ins beschauliche 20'000 Seelen-Städtchen Vevey reisen und an der Fête des Vignerons teilnehmen. Und mittendrin: der Kanton Solothurn und Rainer von Arx. Wie sämtliche Schweizer Kantone kommt auch Solothurn zu seinem Gastauftritt und darf sich selber und insbesondere seinen Wein den Waadtländern vorstellen. Alles unter dem Motto: «Chargé pour Vevey».

Künstler aus dem ganzen Kanton treten auf

Am 3. August hat der Kanton seinen grossen Auftritt. Um in diesem riesigen Trubel nicht abzufallen, haben sich die sonst zurückhaltenden Solothurner einiges einfallen lassen. So ist etwa eine zweitägige Bootsfahrt von Solothurn nach Vevey geplant – mit lastwäglicher Unterstützung dort, wo das Wasser nicht ausreicht. Und am grossen Tag selber werden insgesamt 40 Künstler, vom Handharmonika-Orchester über Mundart-Bands bis hin zur Rock Gruppe, den Kanton Solothurn vertreten. «Unsere Idee war es, zu zeigen, wie vielfältig unser Kanton ist», so von Arx. Denn: «Unsere Leute können etwas.» Das will man zeigen.

Auch kulinarisch wird das eine oder andere Mitbringsel dabei sein. Wurst aus dem Thal etwa, Passwang-Mutschli, nicht fehlen darf natürlich die Solothurner Torte. Und Wein. Viel Wein. Mengenmässig könne die Solothurner Produktion natürlich nicht mit derjenigen der Welschen mithalten. Aber von der Qualität her brauche man sich gar nicht zu verstecken.

Der Sinn der ganzen Übung: den Kanton Solothurn als sympathischen Brückenkanton zwischen der französisch- und der deutschsprachigen Schweiz zu präsentieren. Und zwar möglichst die ganze Vielfalt des Kantons, und nicht eine kleine Elite, wie von Arx betont. Deshalb das breite kulinarische Angebot, deshalb die vielen unterschiedlichen Künstler. Und deshalb habe man sich auch dafür entschieden, einen Film mit Mithilfe aus der Bevölkerung zu gestalten. Jeder Kanton kann sich am Fest in einem 90-sekündigen Film präsentieren. Zuerst habe man die Idee gehabt, einen professionellen Film mit Drohnenaufnahmen des Kantons zu machen. Doch das hätte nicht zu Solothurn gepasst. «Das ist nicht unser Stil», so von Arx. Entstanden ist nun ein Film, zusammengesetzt aus verschiedensten Fotos, gemacht von Hobbyfotografen wie auch von Jugendlichen mit einem Smartphone. Ein Abbild Solothurns soll er sein.

Insgesamt sind 200 Solothurner involviert

Nicht nur das Fest ist gigantisch. Der Aufwand, den Solothurn für seinen Gastbeitrag betreibt, lässt sich ebenfalls sehen. 230 000 Franken beträgt das Budget, bezahlt mit Geld aus dem Lotteriefonds. Vom Organisationskomitee über Ehrengäste bis hin zu den Künstlern sind insgesamt 200 Personen am Solothurner Auftritt beteiligt. Alles unter den wachsamen Augen von OK-Präsident und Staatsschreiber Andreas Eng. So kurz vor dem grossen Auftritt gebe es schon eine gewisse Nervosität, sagt er. «Andererseits freue ich mich auch und bin überzeugt, dass es gut kommt.» An ein paar letzten Details würde man jetzt noch feilen, ansonsten sei man aber mehr oder weniger fertig. Das Budget könne man einhalten.

Wenn Andreas Eng Anfang August auf Vevey fährt, ist es nicht das erste Mal, dass er an dieser Fete teilnimmt. Er erinnert sich noch gut an die letzte Ausgabe. «Das war speziell. Damals versuchten sie, weg vom Traditionellen zu kommen und sich modern zu präsentieren.» Das sei nicht überall gut angekommen. So habe man zum Beispiel ein traditionelles Lied modern interpretiert oder eine Schafherde violett gefärbt. «Ich bin gespannt, wie es diesmal wird.»

«Diesmal» wird auf alle Fälle grösser. Nach jeder Austragung ist das Fest gewachsen, aber dass es gleich solch gigantische Dimensionen annehmen würde, habe sich kaum jemand vorstellen können. Das bringt seine Probleme mit sich. «Zu Beginn haben wir nicht damit gerechnet, wie gross der Aufwand sein wird», gibt Eng zu. Und auch die Zusammenarbeit mit den Veranstaltern sei nicht immer ganz einfach: «Das Fest findet einmal je Generation statt und wird entsprechend immer von neuen Leuten organisiert. Man merkt schon, dass sie auch selber viel am Improvisieren sind.» Trotzdem ist Eng zuversichtlich, dass das Ganze schliesslich gut kommt. «Ich freue mich auf den Moment, wenn unseren Barken vom See Richtung Vevey fahren.» Und von Arx? «Ich freue mich darauf, wenige Minuten nach dem Auftritt mit allen Leuten ein Bier zu trinken und zu sagen: Mir heis gschafft.»

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