Verunreinigung

Verbotenes Freon im Trinkwasser – Schadenherd ist noch nicht lokalisiert

Grundwasserkarte mit der Bewegungsrichtung der Freonwolke (in rot).

Grundwasserkarte mit der Bewegungsrichtung der Freonwolke (in rot).

Seit Mitte der 1990-Jahre darf Freon nicht mehr verwendet werden. Jetzt bewegt sich aber eine Freonwolke mit dem Grundwasserstrom ins Wasseramt. Gefährlich ist der Stoff im Trinkwasser nicht. Die Behörden beobachten die Wasserqualität jedoch intensiv – und suchen nach dem Schadenherd.

Anfangs Juni wurden in einer Grundwasserfassung im Raum Burgdorf-Utzenstorf bei der Entnahme von Grundwasserproben Spuren von Freon festgestellt. Das Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern (AWA) führte sofort weitere Beprobungen durch und informierte die betroffenen Gemeinden und den Kanton Solothurn umgehend über den Vorfall.

Die «orale Aufnahme von Freon ist aus humantoxologischer Sicht zwar unbedenklich, das Freon gehört aber nicht ins Trinkwasser», schrieb das AWA Kanton Bern in einer Mitteilung.

Wenige Meter pro Tag

Die Grundwasservorkommen hören nicht einfach an der Kantonsgrenze auf. Deshalb bewegt sich die Freonwolke seither mit dem Grundwasserstrom am westlichen, linken Rand in Richtung Bätterkinden, wie Philipp Staufer (Abteilungsleiter Wasser, Amt für Umwelt Kanton Solothurn, AfU) auf Anfrage bestätigt. Dabei muss man sich vorstellen, dass das Grundwasser im Schnitt pro Tag nur zwischen 5 bis 15 Meter weit fliesst. Noch sind laut Staufer im Kanton Solothurn keine Verunreinigungen festgestellt worden. 

Trotzdem hat das AfU die öffentlichen und privaten Wasserversorger, die ihr Wasser aus diesem Gebiet beziehen, informiert. Involviert sind laut Staufer vor allem die Gruppenwasserversorgung Grenchen, die Wasserversorgung Biberist, die Wasserversorgung Gerlafingen, die Regio Energie Solothurn, EW Derendingen und die Gruppenwasserversorgung Unterer Leberberg. Dazu kommen diverse Private, vor allem Niederdruckversorgungen. «Was wir ausschliessen ist, dass die Freonwolke die Emme überquert», so Staufer.

«Wir haben gemeinsam mit den Wasserversorgungen eine Messkampagne entlang der Kantonsgrenze Solothurn-Bern angefangen und beobachten die Wasserqualität intensiv.» Laut Staufer sind die Konzentrationswerte des Freons weit von den Höchstwerten, die für Trinkwasser bei 10 Millionstel Gramm pro Liter liegen, entfernt. Das dürfte mit der Verdünnung zusammenhängen, die in der Zwischenzeit erfolgte. Das Grundwasservorkommen wird ständig wieder aufgebaut, ebenso verliert es ständig Wasser. Es besteht ein Austausch mit den Oberflächengewässern und auch die Niederschläge gelangen in den Grundwasserstrom. Freon ist zudem leicht flüchtig, nur schwer löslich und sollte teilweise von selbst ausgasen.

Quelle noch nicht eruiert

Zwischen dem 20. und dem 30. August wurde das Grundwasser im Kanton Bern erneut gemessen. Noch sind nicht alle Resultate ausgewertet, aber Oliver Steiner (Abteilungsleiter Betriebe und Abfall, Amt für Wasser und Abfall, Kanton Bern) kann doch vermelden, dass die Konzentration tendenziell eher abnimmt. «Wir sind nach wie vor dabei, den Schadenherd zu lokalisieren», so Steiner. Sicher sei, dass die Verunreinigung in Burgdorf passierte.
Sobald die neusten Resultate vorliegen, werden die Kantone Bern und Solothurn und die Wasserversorger in der Region das weitere Vorgehen besprechen. «Die Zusammenarbeit klappt auch über die Kantonsgrenzen hinweg sehr gut», so Steiner.

Im Kanton Bern war nur gerade eine einzige Wasserversorgung von der Verunreinigung betroffen. Emmental Trinkwasser bezieht sein Wasser aus einer Quelle in Rüderswil. Um die Versorgungssicherheit im Hochsommer zu gewährleisten, wollte der Wasserversorger zusätzlich das Pumpwerk im Fraubrunnenwald in Betrieb nehmen. Darauf musste dann aber wegen der Verunreinigung mit Freon verzichtet werden. Steiner betont, dass kein Wasser aus Fraubrunnen ins öffentliche Trinkwassernetz gelangte.

Keine Gefahr für Konsumenten

Die Qualität des Trinkwassers muss durch die Wasserversorger sichergestellt werden. Die kantonale Lebensmittelkontrolle überwacht diese Einhaltung der Sorgfaltspflicht mit risikobasierten Kontrollen. «Wir arbeiten in dieser Sache eng mit dem Amt für Umwelt und den Wasserversorgern zusammen», so Matthias Muster (stv. Kantonschemiker).

Zurzeit gebe es für die Lebensmittelkontrolle keinen Grund zu warnen. «Die Trinkwasserqualität ist gewährleistet, die letzten Werte, die gemessen wurden, sind toxikologisch für den Menschen nicht relevant und liegen deutlich unterhalb des gesetzlich festgelegten Höchstwerts für Trinkwasser.» Sobald die Werte der nächsten Messkampagne ausgewertet sind, wird die Lebensmittelkontrolle die Situation gemeinsam mit dem Amt für Umwelt neu beurteilen.

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