Breitenbach/Büsserach

Verborgenes Gift: Fachleute untersuchen Boden und Wasser auf Schadstoffe

Hausmüll, Bauschutt und Industrieabfälle: Proben-Entnahme bei der alten Breitenbacher Deponie in der Nähe des TCS-Rastplatzes.

Hausmüll, Bauschutt und Industrieabfälle: Proben-Entnahme bei der alten Breitenbacher Deponie in der Nähe des TCS-Rastplatzes.

Mit der Güterregulierung kommt nun die Altlastenaufarbeitung in die Gänge. In Breitenbach und Büsserach untersuchen Fachleute den Boden und das Grundwasser auf Schadstoffe.

Mit Bagger und Bohrgeräten dringen Fachleute in den Feldern und Wäldern von Breitenbach und Büsserach bis 15 Meter tief in den Untergrund. Sie entnehmen Probematerial und bringen mittels Behältern das entnommene Material und Grundwasserproben in das SGS-Labor in Kölliken.

Jeder technischen Untersuchung sei ein historischer Bericht vorausgegangen. Gutachterbüros hätten jeweils Zeitzeugen befragt und in den Archiven von Gemeinden und Kanton recherchiert, erläutert Jonas Tresch vom Amt für Umwelt in Solothurn. Die Gutachterbüros haben aufgrund dessen ein Pflichtenheft für jeden Standort erstellt, das die Parameter festhält, nach denen die Proben untersucht werden. Gesucht wird unter anderem nach Schwermetallen und verschiedenen Kohlenwasserstoffen.

Kosten zulasten Verursacher

Ob die ehemaligen Deponien ausgegraben und das Material entsorgt werden muss, kann Tresch derzeit nicht sagen. Auch ob Industrieabfälle abgelagert worden waren, sei Gegenstand der Abklärung. «Es gilt die Analysen abzuwarten.» Erste Untersuchungsberichte erwartet Tresch für Juni.

Dann wird das Amt für Umwelt beurteilen, ob es weitere Untersuchungen braucht und ob Sanierungsmassnahmen eingeleitet werden. Diese gehen grundsätzlich zulasten des Verursachers und untergeordnet zulasten des Grundeigentümers, erörtert Werner Wehrli vom Solothurner Amt für Landwirtschaft.

Die Untersuchungsberichte über die belasteten Standorte im Gebiet der Landumlegung Breitenbach-Büsserach erwartet FDP-Kantonsrat Heiner Studer im Verlauf des Sommers. Ob der Abschluss der Güterregulierung noch unter seiner Leitung stattfinden wird, wagt der Präsident der Flurgenossenschaft infrage zu stellen.

«Die neu gewonnenen Kenntnisse und Konsequenzen werden in die 10 bis 15 Jahre dauernde Güterregulierung einfliessen», sagt er. Die Beurteilungen der belasteten Standorte bilden nebst der Bodenkartierung und der Waldfeststellung eine wesentliche Grundlage für das Schätzungsverfahren. Das Zustandekommen der Flurgenossenschaft mit ihren über 500 verschiedenen Besitzverhältnissen hatte Jahre in Anspruch genommen.

Gemeinden in der Pflicht

Die Kenntnis vom Schadstoffgehalt im Untergrund betrifft aber nicht nur die Grundeigentümer, sondern ist eine zentrale Voraussetzung für den Umweltschutz im Sinne der Gesetzgebung. Der Kanton und der Bund zusammen unterstützen die Grundlagenetappe der Güterregulierung Breitenbach-Büsserach und damit die laufende Untersuchung der belasteten Standorte mit landwirtschaftlichen Strukturverbesserungsbeiträgen im Umfang von 70,2 Prozent der Kosten.

Ob die öffentliche Hand 70 oder 80 Prozent der Kosten der anschliessenden Güterregulierung übernehmen wird, kristallisiere sich am Schluss der Grundlagenetappe heraus, sagt Studer. Die Höhe der Beiträge sei abhängig von den ökologischen Leistungen, die mit der Güterregulierung geplant und realisiert werden.

Umweltschutzgesetz und Altlastenverordnung verpflichten auch andere Gemeinden im Thierstein zur Untersuchung von belasteten Standorten, sofern diese Standorte untersuchungspflichtig sind, sagt Jonas Tresch vom Amt für Umwelt. «Bis in die 70er-Jahre ist fast in jeder Gemeinde Siedlungsabfall deponiert worden», gibt er zu bedenken. Als Zeithorizont für die Untersuchung von belasteten Standorten nennt er die nächsten 30 Jahre.

Dazu gibt es kantonsweit auch eine Katasterkarte. Bei den Untersuchungen, die aktuell in Breitenbach und Büsserach laufen, nehmen die Fachleute zehn Standorte unter die Lupe. Dabei handle es sich um alte Deponien mit Bauschutt, Siedlungsabfällen und/oder Aushubmaterial, aber auch um die Kugelfänge zweier Schiessanlagen, erklärt Werner Wehrli.

Meistgesehen

Artboard 1