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Veganismus: Eine «Sekte» oder gut für Körper, Tiere und Umwelt?

Sich nur von Gemüse und Obst ernähren reicht zwar nicht, die vegane Ernährung muss ausgewogen sein (Symbolbild)

Die vegane Ernährung wird von den einen in den Himmel gelobt, von den anderen verteufelt. Die Geister scheiden sich an der pflanzlichen Ernährung.

«Veganismus ist übertrieben», sagte eine Ernährungsberaterin gegenüber dieser Zeitung. Auf der anderen Seite: Eine Familie mit vier Kindern, die sich vegan ernährt. Das polarisiert: Auf der einen Seite diejenigen sich selbst vegan ernähren, auf der anderen Seite die, die den Veganismus als «Sekte» diskreditieren.

«Wenn eine erwachsene Person sich vegan ernähren möchte, ist es etwas anderes, als wenn die Kinder schon dazu gezwungen werden, dass verstehe ich gar nicht», kommentierte ein Facebook User auf der Seite dieser Zeitung. Ein weiterer Kommentar: «Die Veganer sollen ihr Sekenleben leben.»

Ein anderer Facebook-User schrieb dagegen: «Warum die armen Kinder, wenn man sich etwas kundig macht merkt man schnell, dass in Pflanzen, Obst, Gemüse sowie Samen usw. alles drin ist, was unser Körper braucht. In der Milch, die es heute zu kaufen gibt, gibt es keine Vitamine oder Kalzium mehr, und das Fleisch ist mit Antibiotika vollgepumpt.»

Der kontroverse Artikel über die Ernährungsberaterin rief auch Swissveg auf den Plan. Laut der Organisation gibt es nämlich nicht genügend Umfragen und Untersuchungen über die Mangelernährung bei veganen Kindern. Dass es auch vegan ernährte Kinder mit Vitamin B12-Mangel gibt und dass es Fälle gibt, bei denen die Kinder «absurd» ernährt werden, wird jedoch nicht bestritten.

Wie eine Umfrage, die von Swissveg durchgeführt wurde, zeigt, sind die sich vegan ernährenden Frauen fruchtbarer als der «omnivore Durchschnitt», haben häufiger Hausgeburten, und leiden unter den genau gleichen typischen Schwangerschaftssymptomen. Ausserdem würden überdurchschnittlich viele Veganerinnen ihre Kinder stillen.

«Informierte Ärzte und Ernährungsberater raten nicht von einer pflanzenbasierten Ernährung ab», so Swissveg, und es gäbe auch zahlreiche Vorteile einer rein pflanzlichen Ernährung. Weniger Übergewicht, kein Cholesterin und mehr Faserstoffe werden von der Interessenvertretung genannt. «Einzig wird von Experten die zusätzliche Einnahme von Vitamin B12 empfohlen.»

B12-Mangel wird oft als ein Argument gegen den Veganismus genannt. «Doch auch bei den Nutztieren gibt es Probleme durch nicht artgerechte und zu reine Futtermittel. Deshalb wird auch dort das Vitamin B12 teilweise schon direkt ins Futter gemischt», so Swissveg.

Auch dass Milch extrem wichtig sei, um gegen den Kalzium-Mangel vorzugehen, sei ein «Mythos», so Swissveg, «Es gibt zahlreiche Studien, die dem widersprechen.»

Genannt wird eine Meta-Studie der Universität Zürich, die sich mit dem Knochenbruchrisiko von älteren Frauen befasst. Eine Ernährung reich an Milch und Milchprodukten hätte die Gefahr von osteoporosebedingtem Knochenbruch nicht vermindert.

«Eine gut geplante vegane oder andere Art der vegetarischen Ernährung ist für jede Lebensphase geeignet», zitiert Swissveg die Amerikanische Vereinigung der Ernährungsexperten, «inklusive während der Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit, Pubertät und für Sportler.» (naj)

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