Nez Rouge

Unterwegs durch die Nacht – Eine sichere Heimfahrt mit den roten Nasen

Nez-Rouge-Helferin Yvonne Tschumi nimmt von ihrem Fahrgast Walter Binggeli den Autoschlüssel in Empfang.

Nez-Rouge-Helferin Yvonne Tschumi nimmt von ihrem Fahrgast Walter Binggeli den Autoschlüssel in Empfang.

Nez Rouge ist so gefragt wie noch nie. Gerne fährt man als Autofahrer hin, doch genauso gerne trinkt man ein Gläschen Wein – da kommt Nez Rouge gerade recht. Mit den freiwilligen Helfern der Sektion Solothurn unterwegs durch die kalte Nacht.

Auf dem Areal des Interkantonalen Feuerwehrausbildungszentrums (IFA) in Balsthal stehen ein gutes Dutzend Autos parkiert, gesponsert von regionalen Garagenfirmen.

Sie alle stehen bereit für die sichere Fahrt nach Hause mit Nez Rouge. Zum neunten Mal sind in diesem Dezember die freiwilligen Helfer unterwegs, um angeheiterte, betrunkene oder übermüdete Autobesitzer sicher nach Hause zu chauffieren.

Elf Fahrerteams finden sich am Abend unseres Augenscheins im IFA ein zur Zusammenkunft der freiwilligen Helfer von Nez Rouge. Empfangen werden sie mit einem reichhaltigen Buffet mit verschiedenen Softgetränken, Sandwiches und Confiserie.

Denn: Die Verpflegung muss bis mindestens halb vier Uhr morgens ausreichen. Bis zu dieser Uhrzeit ist die Telefonzentrale für Anrufe der Kunden offen. Und die Nacht scheint nicht langweilig zu werden. Die Stimmung ist heiter, die 25 Freiwilligen sind animiert.

Auf Ausgang verzichten

«Es gibt vermehrt junge Erwachsene, die sich als Fahrer zur Verfügung stellen» erzählt Bruno Santschi, Medienverantwortlicher der Sektion Solothurn/Oberaargau. «Das ist bemerkenswert und freut mich. Die freiwilligen Helfer verzichten auf Ausgang und Zeit mit ihren Kollegen.» Zudem sei diese Dienstleistung bekanntlich gratis. Es komme aber selten bis gar nie vor, dass die Kunden nichts spenden würden. «Zu 99 Prozent zeigen sie die Wertschätzung mit einem Trinkgeld.» So hat die Freiwillige Yvonne Tschumi bereits schöne, symbolische Gesten erlebt. «Manche junge Leute haben beim Abschied noch die letzten Münzen zusammengekratzt, um uns ihre Anerkennung zu zeigen.»

Für den Abholdienst gibt es Regeln. Das Auto des Fahruntüchtigen muss vor Ort sein. Dies setzt Nez Rouge für die Dienstleistung voraus. Falls nicht alle im Kundenauto Platz haben, können einzelne Personen auch im Nez-Rouge-Auto mitfahren. «Allerdings müssen diese Personen noch in einem möglichst guten Zustand sein, das heisst mit einem möglichst nüchternen Magen», sagt Manuel Stolz, Präsident der Präventionskampagne. «Die gesponserten Fahrzeuge sind teilweise neu und wir wollen unsere Sponsoren ja nicht verlieren.»

Im Einsatz zusammen «rutschen»

Dann, kurz vor zehn Uhr geht es los. Die ersten Anrufe kommen rein. Das Team 3 mit Yvonne Tschumi und Jörg Brudermann, beide aus Niederbipp, werde zum «Pintli» in St. Niklaus-Feldbrunnen bestellt. Rein ins Auto. Die erste Fahrt beginnt. Auf der Route erinnert sich das Paar, das in dieser Nacht zufälligerweise dasselbe Team bildet, zurück an seine erste Nez-Rouge-Nacht vor vier Jahren. «In der Zeitung haben wir gesehen, dass die Organisation noch Freiwillige für Silvester sucht», erzählen die beiden. «Spontan entschieden wir mitzumachen.» Beiden spielt es aber keine Rolle, wenn sie nicht immer miteinander fahren. «Allerdings ist es uns wichtig, dass wir jeweils in den Silvesternächten die Dienstfahrt zusammen machen können. Damit wir dann gemeinsam ins neue Jahr rüberrutschen können.»

Tschumi und Brudermann bereuten noch nie, dass sie sich für die Schicht eingetragen hatten. «Wir machen in jeder Nacht neue Bekanntschaften und die Leute sind stets sehr dankbar.» Denn im Gegensatz zu einer Taxifahrt sei bei einer Tour mit Nez Rouge das eigene Auto gleich zu Hause. «Es sind verschiedenste Leute unter den Nutzern von Nez Rouge.» Den Hut ziehen sie insbesondere vor der jüngeren Altersklasse. «Viele junge Leute sind sehr verantwortungsbewusst und machen von Nez Rouge Gebrauch.»

Feuchtfröhliche Stammkundschaft

Nicht nur in Restaurants und Kneipen gibt es Stammkunden. Nein, auch bei Nez Rouge: «Vor zwei Jahren an Silvester hat uns eine Gruppe junger Leute angerufen. Wir gingen sie bei einer alljährlichen Motto-Party abholen. Das Motto damals war Mexiko. Alle hatten Sombreros auf und füllten damit den ganzen Wagen. Wir hatten knapp noch Platz», erzählt Tschumi lachend. «Im Jahr darauf holten per Zufall auch wieder wir beide sie ab.» Dieses Mal seien sie in Dirndl gekleidet gewesen, zumindest die Frauen. Am Schluss der Fahrt, zu Hause angekommen, meinten die jungen Kunden zum Fahrerpaar: «Letztes Jahr brachtet doch ebenfalls ihr uns nach Hause. Nächstes Jahr müsst ihr mit uns feiern. Wir werden auf alle Fälle wieder euch bestellen.» Dies war die bisher schönste Erfahrung, die Tschumi und Brudermann bisher bei Nez Rouge gemacht haben.

Wieder zurück in der Gegenwart parkiert Brudermann das Auto vor dem «Pintli», Tschumi holt die Kunden, Jacqueline und Walter Binggeli, im Restaurant ab und diese übergeben ihren Autoschlüssel an Brudermann. Weshalb nimmt das Kundenpaar Nez Rouge in Anspruch? «Zu einem guten Essen gehört ein guter Wein», findet Walter Binggeli. «Danach ist es mir zu riskant, mich selber noch hinters Steuer zu setzen.» Zudem sei es eine gute Aktion, die Unterstützung verdiene. Brudermann übernimmt das Steuer, Tschumi fährt im Einsatzfahrzeug hinterher und auf gehts zu Binggelis nach Hause.

In Bellach angekommen, fährt Brudermann den Wagen in die Garage der Kunden und händigt den Autoschlüssel wieder an die Besitzer aus. Diese bedanken sich, drücken dem Helferpaar ein Trinkgeld in die Hand und verabschieden sich. Während Binggelis und ihr Auto sicher in den eigenen vier Wänden angekommen sind, ist für Tschumi und Brudermann noch lange nicht Feierabend. Im Auto von Nez Rouge gehts zurück nach Balsthal, wo der nächste Auftrag nicht lange auf sich warten lässt.

«An Silvester räblets»

Für Nez Rouge Region Solothurn ist die diesjährige Aktion bisher sehr erfolgreich. Die Sektion befindet sich auf Platz drei schweizweit. Der Höhepunkt der Aktion folgt aber noch, meint Bruno Santschi. «In der Silvesternacht wirds wahrscheinlich räble.» Deshalb sucht Nez Rouge Solothurn noch Freiwillige, damit alle, die tief ins Glas geschaut haben, sicher nach Hause kommen.

Meistgesehen

Artboard 1