Kanton Solothurn

Untersuchung zu Corona-Fällen an Schulen ist angelaufen – einige Punkte könnten noch verbessert werden

Ein Netzwerk soll Ausbrüche an den Schulen untersuchen.

Ein Netzwerk soll Ausbrüche an den Schulen untersuchen.

An acht Schulen im Kanton Solothurn startete nach den Herbstferien eine kantonale Surveillance, unter anderem in Dulliken. Bisher kam das intensivierte Ausbruchsmanagement einmal zum Einsatz.

Seit das Coronavirus sich im Frühling in der Schweiz ausgebreitet hat, stehen sie unter besonderer Beobachtung: die Schulen. Damit es zu möglichst wenig Ansteckungen kommt, gelten auf den Schularealen strenge Schutzmassnahmen. Hygiene- und Abstandsregeln müssen von den Angestellten und Kindern eingehalten werden, für Erwachsene und in der Oberstufe gilt eine Maskenpflicht.

Trotzdem ist sie da, die Angst davor, dass sich gleich mehrere Kinder und Lehrpersonen an einer Schule anstecken könnten. Um Ausbrüche an den Schulen möglichst früh erkennen zu können, sind mehrere Schulen im Kanton seit den Herbstferien Teil eines Surveillance-Systems, das vom kantonsärztlichen Dienst und dem Volksschulamt in den Sommermonaten erarbeitet wurde.

Kinder führen Symptomtagebuch

Die Schulleitungen der Schulen, die an dem Sentinel-Netzwerk teilnehmen, informieren den kantonsärztlichen Dienst täglich über den Gesundheitszustand der Kinder, Jugendlichen und Lehrpersonen in ihren Schulhäusern.

Steckt sich ein Kind an, dann startet ein intensiviertes Ausbruchsmanagement: Die Kinder der entsprechenden Klassen führen ein Symptomtagebuch, und am 5. sowie am 10. Tag werden sie auf Covid-19 getestet.

Die Teilnahme ist für die Kinder freiwillig und soll neben dem Erkennen eines Ausbruches auch dazu beitragen, dass mehr Wissen über die Verbreitung des Virus unter Kindern und Jugendlichen gewonnen werden kann. Seit den Herbstferien musste das intensivierte Ausbruchsmanagement einmal aktiviert werde.

Teil des Netzwerks sind unter anderem die Schulen in Dulliken. Es sei schnell klar gewesen, dass man an dem Netzwerk mitwirken will. Das erzählt Steffen Naydoswki, der Schulleiter der Oberstufe, im Gespräch in seinem Büro in Dulliken. Das Fenster steht während des Gesprächs offen, trotz der kühlen Temperaturen. Auch Lüften gehört an den Schulen zum Schutzkonzept.

«Mich hat es gestört, dass wir noch so wenig dazu wissen, welche Rolle Kinder und Jugendliche bei der Verbreitung des Virus spielen, und wie stark sie erkranken», erzählt er. «Der Aufwand war für uns vor allem am Anfang gross, da sind viele Stunden drauf gegangen. Mittlerweile hält sich die Arbeit aber in Grenzen.»

Rund 30 Minuten Aufwand pro Tag

Naydowski erhält jeden Tag von den Lehrpersonen eine Meldung, welche Schülerinnen und Schüler nicht zum Unterricht erschienen sind. Bei den Kindern, die sich zur Teilnahme am Netzwerk bereit erklärt haben, wird er ausserdem über den Grund des Fernbleibens und allfällige Krankheitssymptome informiert. Die Angaben leitet Naydowski dann an den kantonsärztlichen Dienst weiter.

«Pro Tag kostet mich das für rund 450 Schüler rund 30 Minuten», sagt er. Einen Krankheitsfall gab es an den Schulen in Dulliken noch nicht, seit das Sentinel-Netzwerk nach den Herbstferien gestartet ist. «Ganz erklären können wir uns das eigentlich nicht, die Zahl der Ansteckungen in Dulliken ist ja relativ hoch. Wir rechnen damit, dass auch Schülerinnen und Schüler erkranken werden», sagt Naydowski.

Ganz spurlos zieht die Pandemie an seiner Schule nicht vorbei: «Wir haben viele Lehrpersonen und Kinder, die wegen Quarantänemassnahmen daheimbleiben müssen.»

Ein Fall, aber noch kein Ausbruchsmanagement

Den Ernstfall zumindest geprobt hat man in Dulliken aber bereits: Zwei Tage vor Ende der Herbstferien und vor dem Start des Netzwerks erhielt Naydowski die Meldung, dass ein Schulkind an Covid-19 erkrankt sei. «Da kamen wir ins Rotieren, obwohl wir den Ernstfall gedanklich mehrmals durchgespielt hatten», erinnert er sich.

Verschiedene Entscheidungen mussten innerhalb von kurzer Zeit getroffen werden. Etwa die Frage danach, wer die Kinder und Eltern der übrigen Klassen informiert – macht das das Contact Tracing Team oder doch die Schule? In dieser Zeit habe sich bereits gezeigt, welche Vorteile die Teilnahme am Sentinel-Netzwerk mit sich bringt, erzählt er.

«Wir standen in engem Kontakt zu den verantwortlichen Personen des Volksschulamtes und des kantonsärztlichen Dienstes. Das hat uns Sicherheit vermittelt», so Naydowski. Seine Fragen seien ernstgenommen und schnell beantwortet worden, das sei «nicht selbstverständlich», betont er.

Komplizierte Einverständniserklärung

Es gebe aber auch Punkte, die in Bezug auf das Netzwerk noch verbessert werden könnten: So habe sich etwa gezeigt, dass viele Familien mit der Einverständniserklärung, die aus rechtlichen Gründen ausgefüllt werden muss, damit Schülerinnen und Schüler am Netzwerk teilnehmen können, überfordert sind.

«Das ist Juristendeutsch, das versteht einfach niemand», sagt der Schulleiter. Die Hälfte der Schulkinder aus Dulliken spreche daheim eine andere Sprache als Deutsch, und für diese Familien sei es zum Teil fast schon unmöglich gewesen, die Fragen auf der Einverständniserklärung wirklich zu verstehen.

Diesem Problem ist man sich auch beim Volksschulamt bewusst. «Das ist ein Learning, das wir gezogen haben», erklärt Andreas Walter, der Leiter des kantonalen Volksschulamtes. «Wir haben uns im Sommer aus Kostengründen dagegen entschieden, das Dokument übersetzen zu lassen. Falls das Netzwerk in den nächsten Monaten erweitert wird, werden wir uns noch einmal Gedanken über diesen Punkt machen müssen.»

Bedenken wegen Datenschutz

Daran, dass an den Schulen Dulliken bisher nur etwas mehr als die Hälfte der Schulkinder an dem Netzwerk teilnimmt, ist laut Naydowski aber nicht nur das etwas komplizierte Dokument Schuld, sondern auch Bedenken bezüglich Datenschutz. Dies, obwohl die Vorgaben dazu laut den Initianten des Projekts eingehalten werden.

«Im Frühling und Sommer haben wir mit den Eltern offen und regelmässig kommuniziert, um Vertrauen zu schaffen», erzählt Naydowski. «In dieser Zeit haben wir in den meisten Fällen erfahren, ob Kinder krank sind und an welchen Symptomen sie leiden», so der Schulleiter.

Seit die Kinder mit der Einverständniserklärung nach Hause gekommen seien, habe man einen «Cut» festgestellt. «Vielen Eltern ist dadurch erst bewusst geworden, dass sie mit uns persönliche Informationen teilen, und jetzt erfahren wir aus einigen Familien gar nicht mehr, warum ein Kind nicht in die Schule kommt.»

Autor

Rebekka Balzarini

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