Uhrenbranche

Unsicherheit in Hongkong wirkt sich auf Schweizer Uhrenbranche aus – auch in Solothurn

Die Watch & Clock Fair in Hongkong ist die grösste Uhrenmesse der Welt, und die Unruhen in Hongkong verunsichern dementsprechend auch die Uhrenhersteller in der Region.

Die Watch & Clock Fair in Hongkong ist die grösste Uhrenmesse der Welt, und die Unruhen in Hongkong verunsichern dementsprechend auch die Uhrenhersteller in der Region.

Hongkong ist der wichtigste Exportmarkt für die Schweizer Uhrenbranche. So treffen die Unruhen die Hersteller aus der Region.

Brennende Strassenblockaden, Tränengas und eingeschlagene Schaufenster – Hongkong ist seit Wochen in Aufruhr. Es begann mit friedlichen Demonstrationen im März gegen ein Gesetz, das die Auslieferung nach China erlaubt hätte. Dieses Unterfangen hat die prochinesische Regierungschefin Hongkongs, Carrie Lam, längst auf Eis legt. Die Situation freilich eskalierte weiter. Der Protest richtet sich immer direkter gegen Peking, gegen Chinas Zentralregierung, die Einflussnahme in der Sonderverwaltungszone Hongkong, die noch bis 1997 unter britischem Protektorat stand.

Wichtige Handelsplattform für Schweizer Hersteller

«Ich habe nur eine friedliche Demonstration gesehen», sagt Jean-Daniel Pasche. Von der Gewalt, den fliegenden Steinen und brennenden Blockaden habe er gelesen, aber nichts direkt erlebt, sagt der Direktor des Schweizer Uhrenverbandes. Das liege wohl auch daran, dass er von Montag bis Donnerstag in der Handelsmetropole im Südosten Chinas war, gleich zu Beginn des Monats, als Gast auf der grössten Uhrenmesse der Welt. Die grossen Proteste aber konzentrierten sich bisher vor allem auf die Wochenenden.

Dennoch war nicht alles wie sonst. «Es hatte deutlich weniger Touristen als sonst und ich hatte auch den Eindruck, dass es weniger Besucher auf der Uhrenmesse hatte», sagt Pasche. Die jüngsten Geschehnisse in Hongkong sind für die Schweizer Uhrenindustrie insofern von Bedeutung, als die Sieben-Millionen-Metropole eine der wichtigsten Handelsplattformen für Schweizer Zeitmesser ist. In den ersten sieben Monaten exportierten Swatch und Co. Uhren im Wert von 12,6 Milliarden Franken, allein Ware im Wert von 1,7 Milliarden Franken verliess die Schweiz Richtung Hongkong. «Die Stadt ist ein wichtiger Hub in Asien. Einerseits kommen viele Touristen aus China und geben dort ihr Geld aus, es hat also viele Geschäfte. Andererseits gibt es auch Hersteller, die von Hongkong aus weiterexportieren», erklärt Pasche.

«Im Moment ist überall ein bisschen der Wurm drin»

Die Unruhen in Hongkong erschütterten auch den Uhrenmarkt. Der Wert der exportierten Zeitmesser schrumpfte im Juni 2019 (198,4 Millionen Franken) im Vergleich zum gleichen Monat im Vorjahr um mehr als 25 Prozent. Wie sehr aber spüren das Uhrenhersteller aus der Region Solothurn? Daniel Schluep, CEO von Titoni aus Grenchen, war Anfang September ebenfalls auf Geschäftsreise in Asien. Er flog aber nicht an die Messe in Hongkong, sondern besuchte Singapur, Malaysia und Thailand. Der Fokus von Titoni liegt in Asien auf den kleineren Märkten. Schluep sagt: «Es ist momentan schwierig für uns. Wir spüren den Druck der grossen Gruppen.» Und eine Tendenz der Nachfrage hin zu billigen und teuren Uhren – das mittlere Preissegment, in dem Titoni angesiedelt ist, Uhren zwischen 300 und 2000 Franken, wird immer weniger gekauft.

Die Unruhen in Hongkong seien natürlich ein Thema. «Die Verunsicherung derzeit ist gross, in allen Märkten Asiens», sagt Schluep. Das liegt nicht nur an Hongkong. Schluep: «Stärker als Hongkong spüren wir den Handelskrieg zwischen den USA und China. Der hat zu einer Abwertung der chinesischen Währung geführt.» Und das führt dazu, dass die chinesischen Touristen im angrenzenden Ausland weniger Geld ausgeben. Für Titoni heisst das: Die Verkaufszahlen sind um rund zehn Prozent unter denen des Vorjahres. Mit einer schnellen Besserung rechnet er nicht. «Wir hatten gute Jahre in Asien, aber im Moment steckt überall ein bisschen der Wurm drin», sagt er.

Breitling mit neuem Shop am Flughafen Hongkong

Die Messe in Hongkong war für Breitling kein Thema. «Schlicht und einfach, weil eine Messe nicht mehr ein zeitgemässes Gefäss für die Präsentation von neuen Produkten ist», sagt Breitling-CEO Georges Kern. Und die Unruhen, beinträchtigen sie das Geschäft nicht? «Manchmal haben Versäumnisse auch etwas Gutes», sagt Kern. Zurzeit macht Breitling lediglich ein, zwei Prozent des Umsatzes von geschätzten knapp 500 Millionen Franken in der Gegend. Das soll sich aber ändern. In den nächsten paar Wochen eröffnet der Grenchner Uhrenproduzent einen eigenen Shop im Flughafen Hongkong. Eben erst hat man in der Stadt selbst ein Geschäft eingeweiht. «Wir haben in dieser Gegend enormes Wachstumspotenzial. Genauso wie in China. Das sind zwei sehr interessante und wichtige Märkte, in denen wir noch stark wachsen können und werden», so Kern.

Als der Deutsche vor knapp zwei Jahren zu Breitling stiess, begann er auf dem Asien-Markt praktisch bei null. Obschon Hongkong als Markt noch nicht von grosser Bedeutung ist für Breitling, findet Kern die Entwicklungen in Asien besorgniserregend: «Uhren sind Luxusgüter und für die Luxusgüter-Branche sind alle Nachrichten, welche die Stimmung der Konsumenten trüben, keine positiven Nachrichten.»

«Die letzten zwei Monate waren schwierig»

Auch für Favre-Leuba aus Solothurn zählt Hongkong nicht zu den wichtigsten Märkten. Seit das Traditionshaus 2011 von der indischen Tata Group übernommen und wieder auf den Markt gebracht wurde, wurden neben der Schweiz vor allem Indien, Japan und Taiwan als Hauptmärkte interessant. Trotzdem sagt Marketing-Managerin Reema Vazirani: «Hongkong macht uns derzeit Sorgen. Bis im Juli liefen die Geschäfte gut, aber die letzten zwei Monate waren schwierig.» Gerade in der vergangenen Woche sei ihr Händler aus der Sieben-Millionen-Metropole in der Schweiz gewesen. «Er geht davon aus, dass die Proteste bald vorbei sein werden», sagt Vazirani.

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