Kanton

Umstellung auf erneuerbare Energien: Sanierungsprogramm wird forciert

Im Ersatz von alten Heizsystemen steckt ein grosses Potenzial zur Senkung des Energieverbrauchs und des CO2-Ausstosses.

Im Ersatz von alten Heizsystemen steckt ein grosses Potenzial zur Senkung des Energieverbrauchs und des CO2-Ausstosses.

Höhere Förderbeiträge sollen zusätzlichen Anreiz zum Umstellen auf «Erneuerbare» schaffen.

Das kantonale Energiekonzept setzt ein klares Ziel: Reduktion der fossilen Energien im Gebäudebereich um 50 Prozent bis 2035. Der Gesamtenergieverbrauch im Gebäudebereich für Heizung und Warmwasser soll im gleichen Zeitraum um 30 Prozent gesenkt werden. Ein Reporting-Bericht zum Energiekonzept hielt 2017 fest: Man ist auf Kurs. Die Effizienzsteigerungen bzw. Energieeinsparungen im Gebäudebereich würden sogar schneller voranschreiten als geplant. Das führten dann auch die Gegner des neuen Energiegesetzes ins Feld: Es brauche gar keine neuen, dirigistischen Bestimmungen. Das Stimmvolk gab ihnen am 10. Juni 2018 recht, die Revision des Energiegesetzes wurde wuchtig mit 70 Prozent Nein-Stimmen verworfen.

Nun wird aber der Energiebedarf zum Heizen immer noch zu rund drei Vierteln aus fossilen Quellen, will heissen mit Öl oder Gas, gedeckt. Es gibt also nach wie vor ein immenses Potenzial, den CO2-Ausstoss im Gebäudebereich zu senken. Um hier die Anreize zu erhöhen und die zusätzlichen Bundesmittel aus der CO2-Abgabe besser auszuschöpfen, hat der Regierungsrat nun Erhöhungen der Fördersätze im Gebäudeprogramm beschlossen. Die Einspruchsfrist für ein kantonsrätliches Verordnungsveto läuft bis zum 18. November. Da die Mehrkosten für das Globalbudget der Energiefachstelle saldoneutral sind, wie im Regierungsbeschluss ausgeführt wird, dürfte sie wohl ungenutzt verstreichen.

Generell soll die Deckelung der Förderbeiträge bei energetischen Sanierungen von 25 auf maximal 50 Prozent der Gesamtinvestitionen angehoben werden. Es handelt sich hier um eine Anpassung an das harmonisierte Fördermodell von Bund und Kantonen, die den Anreiz für Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien steigern soll. Vor allem für grössere Projekte mit hoher Wirkung erwies sich der bisherige Anreiz als zu gering, aber gerade die sind natürlich für die Erreichung der Energie- und Klimaziele besonders interessant.

Wärmepumpen statt Öl- und Gasheizungen

Im Einzelnen werden die Förderbeiträge wie folgt erhöht:

Bei thermischen Solaranlagen wird der Sockelbetrag von 1200 auf 1800 Franken und der Leistungsbeitrag von 500 auf 750 Franken pro Kilowatt angehoben. Sonnenkollektoren werden oft in Verbindung mit fossilen Heizsystemen eingesetzt, um die Warmwasserversorgung «erneuerbarer» zu gestalten. Die Fördersumme beläuft sich mit rund 40 Gesuchen auf etwa 200’000 Franken pro Jahr. Im Kantonsvergleich der Fördersätze komme Solothurn damit neu vom Schluss- in das breite vordere Mittelfeld, so der Regierungsrat.

Nach den zentralen Elektroheizungen wird nun auch der Ersatz von Öl- und Gasheizungen durch Luft-Wasser-Wärmepumpen in das Förderprogramm aufgenommen. Gleichzeitig werden der Sockelbeitrag von 1600 auf 4000 Franken und der Leistungsbeitrag von 60 auf 150 Franken pro Kilowatt erhöht. Die Fördersumme beträgt heute mit 30 Gesuchen rund 100’000 Franken pro Jahr. Mit der Erweiterung auf den Ersatz von Öl- und Gasheizungen rechnet man beim Kanton mit einer Verfünffachung der Nachfrage. Im Vergleich der Fördersätze platziere man sich damit im Spitzenfeld hinter dem Kanton Bern.

Den Sockelbetrag von 2400 auf 6000 Franken und den Leistungsbeitrag von 180 auf 450 Franken pro Kilowatt erhöhen will man bei den Wasser-Wasser- und Sole-Wasser-Wärmepumpen. Diese Anlagen sind deutlich effizienter als Luft-Wasser-Wärmepumpen, deshalb will man sicherstellen, dass sie nicht weniger gefördert werden. Auch hier positioniert sich Solothurn mit der Beitragserhöhung im Kantonsvergleich im Spitzenfeld vor Bern. Die Fördersumme beträgt heute bei 50 Gesuchen rund 200 000 Franken pro Jahr, man rechnet mit einer Verdreifachung der Nachfrage.

Neu in das kantonale Förderprogramm aufgenommen werden Neubau und Erweiterung von Wärmenetzen und Wärmeerzeugungsanlagen, wo die bezogene Wärme hauptsächlich aus erneuerbaren Energien oder Abwärme kommt. Die Fördersätze betragen für Wärmenetze einmalig 40 Franken und für Wärmeerzeugungsanlagen einmalig 130 Franken pro Megawattstunde und Jahr. Die neue Fördermassnahme ist als Alternative gedacht, falls Wärmenetze künftig nicht mehr oder nicht mehr im gleichen Umfang über den CO2-Handel sollten finanziert werden können. Das Gebäudeprogramm könne finanziell zwar nicht mit den Erträgen aus dem CO2-Handel mithalten, so der Regierungsrat. Es biete dafür aber eine langfristigere Planungssicherheit, welche die Akquirierung von Neukunden erleichtern und Investitionen in Wärmenetze unterstützen soll.

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