Kanton Solothurn

Um Mitternacht Lichterlöschen, Schwierigkeiten mit Plexiglas: Ein Einblick in die lokale Partyszene

Die Kantine Attisholz während der Filmtage im diesjährigen Januar.

Damals war in der Kantine von Attisholz von Einschränkungen nicht die Rede. Nun müssen Clubbesucherinnen und Clubbesucher vor Mitternacht rausgeschmissen werden. (Archivbild)

Die Kantine Attisholz während der Filmtage im diesjährigen Januar.

Die wenigen Plätze in den Clubs in der Region sind momentan begehrt.

«Die Leute sind froh, ja gierig, danach, wieder feiern zu gehen», fasst Claudio Iseli, Teilinhaber des Terminus Clubs in Olten, die aktuelle Stimmung zusammen. Nach dem Corona-Lockdown, der das öffentliche Sozialleben so gut wie komplett eingestellt hat, sind viele Leute ausgehungert nach Party. Feiern können sie jetzt wieder – aber mit einigen Einschränkungen.

Im Terminus Club in Olten sehen diese Einschränkungen unter anderem so aus: Vor dem Club herrschen Abstandsregeln, die Gästezahl ist auf dreihundert Personen beschränkt und um Mitternacht heisst es Lichter löschen. Wer sich zu den dreihundert Glücklichen zählen darf, die einen Abend im Terminus feiern können, wird schon im Vorfeld entschieden, denn bis jetzt sind die Eintrittstickets schon im Vorverkauf immer ausverkauft. Bei der ersten Party seien alle Tickets in nur 16 Minuten verkauft gewesen, berichtet Claudio Iseli. Und er erklärt: «Der Ticketvorverkauf ist gleichzeitig unser Contact-Tracing, da man persönliche Angaben hinterlegen muss und die Tickets personengebunden sind.»

Desinfektionsmittel und mehr Putzaufwand

Generell sei es das Bestreben des Clubs, denn Gästen einen möglichst risikoarmen Event zu ermöglichen, indem das Schutzkonzept gewissenhaft und transparent umgesetzt werde. Des Weiteren gibt es im Club drin überall gratis Mundschutzmasken, Informationsschilder und Desinfektionsmittel. «Das Desinfektionsmittel haben wir sogar extra in einer Apotheke mischen lassen, damit es besser riecht als das aus dem Coop», sagt Iseli stolz.

Zwar werden die Mundschutzmasken laut Iseli von den Gästen nicht wirklich genutzt, aber an die anderen Massnahmen halten sich alle problemlos. «Die Leute sind dankbar, wieder in den Ausgang gehen zu können», sagt Iseli. Die Massnahmen vom Bund umzusetzen, sei aber nicht immer ganz einfach, da sie sehr kurzfristig ausfallen und man schnell handeln müsse. «Eventuell wäre es schlauer gewesen, erst einen Monat später aufzutun, wenn weniger Massnahmen nötig sind, als alles kurzfristig auf die Beine zu stellen. Aber nun ist es halt, wie es ist. Und die Leute freuen sich.»

Auch im Soho-Club in Wiedlisbach konnten es die Besucher gar nicht erwarten, wieder in den Ausgang zu dürfen. «Am 6.Juni wurden wir richtig überrannt», berichtet Geschäftsführer Daniel Käser. «Wie Kinder auf dem Spielplatz, nur dass sich die Leute auf das Tanzen statt Spielen freuten», schmunzelt er. Der Soho-Club halte streng die Massnahmen der Gastrosuisse ein, dazu gehören Desinfektionsmittel, Kontakttracing, Plexiglasschutz.

Das Plexiglas bietet zwar Schutz für Gäste und Mitarbeitende, jedoch stiess Käser auch auf ein Problem: «Auf Grund der Plexiglasscheibe an der Bar ist es für die Mitarbeitenden sehr schwierig, die Kunden zu verstehen, da die Musik auch ziemlich laut ist.» Aber nichtsdestotrotz seien die Mitarbeiter zufrieden und hätten Freude, dass der Club läuft und am Leben bleibt. «Für den Club wäre es aber entlastend, wenn die Besuchergrenze von 300 auf 500 oder tausend Gäste hochgesetzt würde», meint Käser. «Schliesslich haben wir auch mehrere tausend Franken ausgegeben für das Plexiglas, die Handschuhe, Desinfektionsmittel und den vermehrten Putzaufwand.»

In der Kantine Attisholz auf dem Attisholzareal halte man ebenfalls die Massnahmen von Gastrosuisse ein, teilen Mitarbeiter Marco Suing und Inhaber Ueli Wüthrich mit. Das Umsetzen der Massnahmen hat aber zum Teil auch zu Schwierigkeiten geführt. So berichtet Wüthrich zum Beispiel, dass es praktisch unmöglich war, Plexiglas für die Bar aufzutreiben, da es in allen Baumärkten ausverkauft war.

«Es ist sehr aufwendig, sich in die Schutzkonzepte einzulesen. Aber das gehört jetzt halt zu unserem Alltag», so Wüthrich. «An der ersten Veranstaltung hat dann aber trotzdem alles super funktioniert. Die Stimmung war ausgelassen, alle waren glücklich – bis um Viertel vor zwölf, als wir die Gäste rausschmeissen mussten. Das hat ihnen natürlich nicht gefallen.»

Noch in der Sommerpause ist das Kofmehl in Solothurn, berichtet Inhaber Pipo Kofmehl. «Erstens haben wir sowieso eine verordnete Sommerpause und selbst wenn nicht, wäre es so eine Sache, Bands zu finden in der aktuellen Situation.» Ganz im Stich lässt das Kofmehl Team aber seine Partygäste nicht. Am kommenden Sonntag findet ein Onlinefestival mit internationalen Bands statt. «Im Moment ist das noch ein einmaliges Projekt, aber wir schauen mal, wie das läuft», sagt Kofmehl. Momentan sei das Team daran, kleinere und grössere Projekte am Haus umzusetzen, es werde überall gewerkt, berichtet er. So wird das «Köfu» pünktlich zum eventuell sogar vorgezogenen Saisonstart, wie Kofmehl andeutet, wieder strahlen.

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