Treffpunkt ist um 14.53 Uhr der Bahnhof Gänsbrunnen. Auf dem Programm steht eine Fahrt mit dem Tunnelkino durch den Weissensteintunnel nach Oberdorf und retour. Mit dem Präsidenten des Vereins Tunnelkino, Charly Zimmermann aus Brittern, ist abgemacht, im Zug einen Kaffee zu trinken. Doch – gibt es in diesem Zug überhaupt Kaffee? Zimmermann steht schon auf dem Perron und lacht. «Ich habe extra einen Thermoskrug und zwei Tassen mitgebracht, denn Kaffee wird auf der Strecke zwischen Gänsbrunnen und Oberdorf und zurück in der Regel nicht angeboten. Dafür gibt es hier etwas anderes zu geniessen, was weltweit einzigartig ist: das Tunnelkino.»

«Vor zwanzig Jahren hatte der damalige Vorstand des Bahnhofs Gänsbrunnen, Jürg Sutter, die Idee, auf der 3,7 km langen Tunnelstrecke dieses Tunnelkino zu realisieren. Den dunklen Tunnel als Kinoleinwand nutzen – eine originelle Idee», berichtet Charly Zimmermann. Er selbst sei damals schon im Verein mit dabei gewesen. «Wie heute auch noch ging es im weitesten Sinn darum, die Strecke durch den Weissensteintunnel bekannt zu machen», berichtet Zimmermann.

Der Verein hat sich entwickelt. «Inzwischen können wir auf rund 60 Mitglieder, die in der gesamten Schweiz zu finden sind, zählen, Tendenz steigend.» Mehrheitlich seien es schon Personen, die in irgendeiner Weise mit der Eisenbahn eine Verbindung aufweisen. «Doch es sind auch Mitglieder dabei, die einfach unser Tunnelkino genial finden. Wir sind ein grosses Team, bei dem jeder seine Aufgaben erfüllt. Nur so geht das alles.»

Goodwill der BLS

Zimmermann ist seit 2010 Präsident des Vereins. «Wir hatten damals eine etwas schwierige Zeit im Verein», erinnert sich der 60-Jährige. «Es gab nur wenig Unterstützung von der Betreiberin der Strecke, der BLS. Ihnen passten damals solche Hobbyklubs nicht ins Konzept. Doch heute ist das ganz anders», betont der Präsident. Tatsächlich sei es ohne den Goodwill der BLS ganz schwierig, das Rollmaterial für das Tunnelkino in Schuss zu halten. «Wir machen den Unterhalt für unser Material selbst, und zwar in der BLS-Werkstatt in Oberburg. Dort wird alles auch kontrolliert und überwacht. Das muss sein, denn die Vorschriften sind streng.» Zimmermann, der selbst als Lokführer Güterzüge fast durch die ganze Schweiz führt, weiss, wovon er spricht. «Der Unterhalt kostet uns pro Jahr 6000 bis 7000 Franken. In diesem Jahr absolvierten wir schon 358 Arbeitsstunden.» Dazu kommen noch die Kosten für die Nutzung des Trassees, die aber noch moderat seien.

«Unser Triebwagen ist schon 80 Jahre alt, aber gut in Schuss. Gerade deshalb können wir auch immer wieder jüngere Berufskollegen zum Mitmachen im Verein bewegen, denn die alte Technik fasziniert.» Ohne ausgebildete Lokführer funktioniere das alles nicht. «Ein Begleiter mit Funk steht vorne am Wagen, der andere bedient das Triebfahrzeug. Nach Oberdorf wird der Zug gezogen, nach Gänsbrunnen geschoben.» Und da die Fahrzeiten der Lokführer exakt getaktet sind, müssen auch die Fahrten fürs Tunnelkino deren Arbeitsplänen entgegenkommen. «Ich bin heute zum Beispiel um 3.40 Uhr in Biel zum Dienst angetreten und dürfte jetzt also nicht fahren, denn jeder Lokführer muss 12 Stunden Ruhezeit aufweisen können.»

Bei der Fahrt durch den Tunnel können Gäste bei der ersten Durchfahrt zwischen vier verschiedenen Filmen wählen, die sie auf dem umgebauten Güterwagen sehen. Bei der Retourfahrt im 1.- oder 2.-Klass-Wagen wird im Tunnel angehalten, man kann aussteigen und einen Apéro mit frischem Quellwasser aus dem Tunnel geniessen. «Vierzig Personen können mitfahren», sagt Zimmermann. Voraussichtlich wird 2021 der Weissensteintunnel für die Sanierung geschlossen. «Wie es dann genau mit dem Tunnelkino weitergeht, wissen wir noch nicht. Wir sind aber zuversichtlich.» (www.tunnelkino.ch)