Amtsgericht

Trio ergaunert sich 20'000 Franken von Psychiatrie-Patient

Der Mann war Patient in der Psychiatrischen Klinik in Langendorf und hinterlegte ein Kuvert mit 20'000 Franken. (Archiv)

Der Mann war Patient in der Psychiatrischen Klinik in Langendorf und hinterlegte ein Kuvert mit 20'000 Franken. (Archiv)

Ein Trio ergaunerte 20'000 Franken, die ein Psychiatriepatient in der Klinik deponierte. Doch die Betrugsmasche flog auf, die Täter landeten vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern.

Mit einer simplen Betrugsmasche war das Tätertrio erfolgreich, aber es kam doch nicht straffrei davon. Anfang Juli 2018 ergaunerten zwei Männer und eine Frau 20'000 Franken, indem sie das Geld eines Psychiatrie-Patienten, welches dieser in der psychiatrischen Klinik Langendorf vorübergehend deponiert hatte, mit einer gefälschten Vollmacht abholten. Während die Frau wegen Einwilligung in ein abgekürztes Verfahren mit einer unbedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen davonkam, trabten beide Männer vor Gericht an.

Der Psychiatriepatient war nur wenige Tage vor der Tat in die Klinik eingetreten, blieb aber nur kurz. Beim Eintritt übergab er ein Couvert mit 20'000 Franken, das von einem Pfleger in einem Medikamentenschrank eingeschlossen wurde. Beim Austritt nahm er es nicht mit, weil er noch den weiteren Gesundheitsverlauf abwarten wollte. Als eine Mitarbeiterin es später zufällig bemerkte, gab sie es beim Empfang ab, worauf es im Tresor eingeschlossen wurde. Der damals 23-jährige in der Klinik tätige Pfleger Ali K. (alle Namen geändert) hatte Kenntnis vom Couvert im Tresor. Er stiftete seinen Kollegen, den damals 28-jährigen Kosovaren Dren Z., an, gemeinsam den Geldbetrag zu ergattern. Von ihm wusste er, dass er ein grosses Vorstrafenregister hat, zudem hatte Dren Geldschulden für Cannabis bei ihm. Sie verfassten eine Vollmacht.

Dren holte seine ebenfalls vorbestrafte Ex-Freundin mit ins Boot. Sie unterschrieb die Vollmacht. Ali rief kurz vor der Tat in der Klinik an und kündigte die angebliche Ehefrau des Patienten an. So vertraute man ihr und händigte ihr das Couvert aus. Die Beute teilten sie sich auf. Als der Patient das Geld später abholen wollte, flog die Sache auf. Die beiden Angeklagten, die vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern erschienen, sind sehr unterschiedlich. Der eher träge Ali war wortkarg, er leidet an Depressionen. Der jetzt andernorts in der Pflege Tätige hatte vorgängig schon ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Dren war redselig mit teils geschliffener Ausdrucksweise, er ist der Intellektuellere.

Auch er gab seine Taten reumütig zu. Drens Vorstrafenregister und sein gepflegtes Auftreten, «das passt nicht zusammen», meinte Amtsrichter Christoph Mathys. Dren erklärte, dass er damals in einer Krise steckte, weil seine Freundin ihn verlassen hatte. Er habe dann Cannabis konsumiert. «Ich habe es getan, weil ich dumm war», sagte er. «Ich habe meine Zukunft aufs Spiel gesetzt. Es war ein Scheissdreck, eine Schnapsidee. Absolut blöd, unnötig, für alle Beteiligten nur schade.» Er sagte gar, dass er einen von der Staatsanwaltschaft verlangten fakultativen Landesverweis verdient habe. Ali habe ihm jedoch gesagt, das Geld läge schon «ewig» dort herum.

Gefängnisstrafen und Landesverweis

Drens Verteidigerin Cornelia Dippon argumentierte, dass er nicht der Haupttäter sei. Sie forderte eine unbedingte Strafe von 180 Tagessätzen à 30 Franken. Alis Verteidigerin Stephanie Selig versuchte, ihren Mandanten nicht als treibende Kraft darzustellen und die gemeinsame Planung hervorzuheben. Gegen den Vorhalt der Amtsgeheimnisverletzung (Bekanntmachung von Vermögenswerten) argumentierte sie, dass er als Angestellter der soH kein Beamter gewesen sei. Ali sei damals frustriert gewesen, weil seine befristete Stelle nicht in eine unbefristete umgewandelt worden sei.

Alis Tat sei «fast noch jugendlicher Leichtsinn» gewesen. Sie forderte maximal eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen. Das Gericht mit Nicole Mattiello, Christoph Mathys und Markus Zubler verurteilte beide wegen Betrugs und Urkundenfälschung, Ali zusätzlich wegen Amtsgeheimnisverletzung und mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes. Ali erhielt 8 Monate Gefängnis bedingt bei einer Probezeit von 2 Jahren, so wie von Staatsanwältin Petra Grogg verlangt. Dren 10 Monate unbedingte Haft. Zudem wurde ein früheres Urteil widerrufen, sodass er noch 8 Monate zusätzlich absitzen muss. Ferner wird er für 3 Jahre des Landes verwiesen. Grogg hatte einen Monat mehr gefordert und 6 Jahre Landesverweis.

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