Tobs-Oper
Premiere in Solothurn: Casanovas Amouren inspirierten viele Komponisten

Paul Burkhards «Casanova in der Schweiz» feiert in Solothurn am 29. September Premiere.

Silvia Rietz
Drucken
Teilen
Giacomo Casanova

Giacomo Casanova

Zvg

Giacomo Girolamo Casanova (1725-1798) war Frauenheld, Abenteurer, Glücksritter - aber auch Gelehrter, Literat und Reisender. Unsterblich wurde der Venezianer durch seine Memoiren, in denen er zahlreiche Liebschaften schildert – auch jene, die ihn in Solothurn entflammten. Kein Schriftsteller vor ihm beschrieb die erotischen Abenteuer so detailliert und freizügig.

Da erstaunt es wenig, dass Casanovas Erlebnisse Filmemacher und Komponisten inspirierten. Auch wenn sich keines der Werke im Repertoire halten konnte, werden immer wieder Casanova-Opern ausgegraben und aufgeführt. 1841 vertonte Albert Lortzing einige Amouren des Venezianers. In einem Brief analysierte er den Titelhelden: «Casanovas Charakter ist feurig, ritterlich, zugleich ein Gemisch von Keckheit, Leichtsinn und Mutwillen.»

Die bis dato vermutlich jüngste Oper stammt von 2009 und wird original in Kroatisch gesungen: «Casanova u Istri» (Casanova in Istrien) von Alfi Kabiljo. Dank eingängigen Melodien hielten sich zwei Operetten lange auf den Spielplänen. Die Aufnahmen mit dem Nachkriegstenor Rudolf Schock machten Lieder aus Paul Linckes (1866-1946) «Casanova» zu Evergreens: «Nur den Frauen gilt mein Leben» und «Isola bella». Ralph Benatzky (1884-1957), der Schöpfer des «Weissen Rössls», hat Episoden aus dem Leben des Charmeurs in sieben Bilder gepackt.

Allerdings schrieb er die Musik nicht selber, sondern arrangiert bekannte und unbekannte Kompositionen von Walzerkönig Johann Strauss (1825-1899). Populär wurde der «Chor der Nonnen» und «Lauras Gesang», den so berühmte Sopranistinnen wie Elisabeth Schwarzkopf, Lucia Popp und Kiri Te Kanawa gesungen haben. Selbst vier namhafte Schweizer Komponisten widmeten Casanova eine Oper: 1924 schrieb Volkmar Andreae «Abenteuer des Casanova», 1938 schuf Richard Flury «Casanova e l’Albertolli», 1943 wurde Paul Burkhards «Casanova in der Schweiz» uraufgeführt und 2005 «Casanova» von Daniel Schnyder.

Richard Flury und Paul Burkhard

Nun also leistet Tobs einen Beitrag an das Jubiläum «2000 Jahre Stadt Solothurn» und präsentiert mit Burkhards Casanova eine echte Trouvaille. In der komischen Oper setzt Burkhard die historisch verbürgten Abenteuer des Herzensbrechers in und um Solothurn in Musik.

«Das Werk wurde seit seiner Uraufführung 1943 am Opernhaus Zürich – trotz des damaligen grossen Erfolgs – nie mehr aufgeführt», erklärt Tobs-Intendant Dieter Kaegi. Ensemble-Mitglied Judith Lüpold: «Die Vorstellung, nach zweiundsiebzig Jahren erst die zweite Sängerin zu sein, welche die Madame Latente verkörpert, das bewegt mich. Eine turbulente, toll inszenierte und dirigierte komische Oper, die das Publikum begeistern wird.»

Casanovas Liebeleien stehen auch im Zentrum der Oper «Casanova e l’Albertolli» von Richard Flury. Allerdings jene, die er im Tessin erlebte. Richard Flury verlebte seine Ferien meistens in Lugano. Dort lernte er Leopoldo Casella, den Chefdirigenten des Radioorchesters kennen. Dieser bot Flury mehrfach die Gelegenheit, eigene Werke zu dirigieren. So wurde am 1. August 1936 die Uraufführung seiner Tessiner Sinfonie über alle Schweizer Landessender ausgestrahlt.

Sein Sohn Urs Joseph Flury ist überzeugt: «Es war wohl dieses Werk, das Radio Lugano 1937 veranlasste, meinen Vater mit der Komposition der Oper ‹Casanova e l’Albertolli› zu beauftragen. Das Libretto verfasste der Tessiner Schriftsteller Guido Calgari für die Feierlichkeiten der «Fiera Svizzera di Lugano» von 1938. Initiant des Kompositionsauftrages war Leopoldo Casella.

Die Uraufführung der Oper vom 1. Oktober (und vier weitere Aufführungen) mit Solisten der Scala di Milano waren jedoch die erste Aufgabe des neu gewählten Dirigenten Otmar Nussio.»

Der Womanzier in Solothurn

Theater-Direktor Leo Delsen wollte 1941 die Flury-Oper im Stadttheater Solothurn zeigen. «Mein Vater übersetzte eigens den Text vom Italienischen ins Deutsche. Leider ist es zu keiner Aufführung gekommen. Lediglich einige Arien wurden im Kleinen Konzertsaal aufgeführt.»

Interessant ist, dass auch Paul Burkhard Werke von Richard Flury (Waldsinfonie und den ersten Wiener Walzer) aufgenommen hat und Urs Joseph Flury sich noch an die Begegnung im Radiostudio Zürich erinnert. «Das war 1957 und ich schwänzte mit Erlaubnis meines Vaters das Gymnasium damit ich Burkhard beim Dirigieren erleben konnte.» Nun also wird Burkhards «Casanova in der Schweiz» in Solothurn auf die Bühne gebracht.

Warum die Oper des Zürchers jener des Solothurners vorgezogen wird, weiss Dieter Kaegi schlüssig zu begründen: «Die Handlung ist zum Teil in Solothurn angesiedelt, im Hotel La Couronne oder im von Roll-Haus. Zudem eignet sich das Werk punkto Sänger-und Orchesterbesetzung ideal für Tobs und es zeigt Paul Burkhard von einer Seite, die wir nicht kennen, als ernstzunehmenden Opernkomponisten. Ein Werk, dass erst einmal aufgeführt wurde und das Wiederentdecken lohnt.»

«Casanova in der Schweiz» 29. Sept. 19.30 Uhr, Premiere im Stadttheater Solothurn. www.tobs.ch

Aktuelle Nachrichten