Kanton Solothurn

Sozialhilfe: Bei Single und Kind(er) gilt Risikostufe Rot

Alleinerziehende und ihre Kinder sind besonders oft auf Sozialhilfe angewiesen. (Symbolbild)

Alleinerziehende und ihre Kinder sind besonders oft auf Sozialhilfe angewiesen. (Symbolbild)

Insgesamt sind im Kanton Solothurn etwas weniger Sozialhilfebezüger, aber mehr Alleinerziehende auf Unterstützung angewiesen.

In der politischen Debatte ist oft von «explodierenden» oder «aus dem Ruder laufenden» Sozialhilfekosten die Rede. Für die jüngste Entwicklung dürften solche Aussagen nicht ganz zutreffen: Laut der am Montag veröffentlichten Statistik bezogen im Jahr 2018 im Kanton Solothurn 245 Personen weniger Sozialhilfeleistungen als im Vorjahr. Das ist ein Rückgang um rund 2,5 Prozent. Mit insgesamt 9713 unterstützten Personen sank die Sozialhilfequote nach zwei stabilen Jahren erstmals leicht um 0,1 auf 3,6 Prozent. Solothurn liegt damit im allgemeinen Trend, auch gesamtschweizerisch ging die Quote um 0,1 Prozentpunkte zurück. Und damit ist aber auch gesagt: Sie liegt im Kanton Solothurn weiterhin über dem Landesmittel von aktuell 3,2 Prozent.

Was sich in der ganzen Schweiz wie auch im Kanton Solothurn zeigt: Personen, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, zieht es in die Städte. Kleine Gemeinden und ländliche Regionen haben durchs Band eine deutlich tiefere Sozialhilfequote als Städte und grössere Zentrumsgemeinden. Auf den ersten Blick mag das gar nicht so selbstverständlich scheinen, aber: «Abgesehen von der Altstadt gibt es in den Städten oft den günstigeren Wohnraum als in Landgemeinden», sagt Anne Birk vom Amt für soziale Sicherheit. Auch das breitere Angebot im öffentlichen Verkehr und der Zugang zum Arbeitsmarkt spiele hier sicher eine Rolle. Speziell im Kanton: In der Hauptstadt Solothurn lag die Quote 2018 bei durchschnittlichen 3,6 Prozent und damit 0,5 Prozentpunkte tiefer als im Vorjahr, in Olten ist sie von 6,5 auf 6,6 Prozent gestiegen, in Grenchen von 7 auf 6,3 Prozent gesunken.

Alleinerziehende mit hohem Armutsrisiko

Besonders häufig betroffen sind Alleinerziehende und ihre Kinder, sie machen über 27 Prozent der gut 5000 unterstützten Haushalte aus. Fast ein Drittel aller unterstützten Personen ist minderjährig, in der Alterskategorie bis 17 Jahre liegt die Sozialhilfequote bei 6,4 Prozent. Die Entwicklung bei der Gruppe der Alleinerziehenden ist im Vergleich mit anderen Kantonen auffällig, und das heisst besorgniserregend. Ihr Anteil sei im Kanton Solothurn höher als im schweizerischen Durchschnitt, und er habe im vergangenen Jahr weiter zugenommen, heisst es bei Amt für soziale Sicherheit.

Positiv zu vermerken ist: Die Bemühungen, Sozialhilfeempfänger in den Arbeitsmarkt zu reintegrieren, scheinen Früchte zu tragen. Der Anteil der Dossiers, die geschlossen werden konnten, weil die betreffenden Personen dank einer verbesserten Erwerbssituation nicht mehr auf Sozialhilfe angewiesen sind, hat sich um gut 3 Prozent erhöht. Die Entwicklung der Bezugsdauer zeige auch, dass es mehr Personen gibt, die nicht länger als ein Jahr Sozialhilfe erhalten, also zeitnah wieder abgelöst werden, so Anne Birk. Das ist bei knapp mehr als der Hälfte der Sozialhilfebezüger der Fall. Auch der «mittlere Bezug» sei leicht abnehmend. Beim Langzeitbezug, bei Personen, die vier und mehr Jahre Sozialhilfe beziehen, zeigt sich allerdings wieder eine leichte Zunahme.

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Autor

Urs Moser

Urs Moser

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