Kanton Solothurn

Sommerloch statt Stress: Tierheime verzeichnen wegen Corona deutliche Einbussen

Vierbeiner, die während der Sommerferien in Tierheimen residierten, hatten dieses Jahr deutlich weniger Spielgspändli.

Vierbeiner, die während der Sommerferien in Tierheimen residierten, hatten dieses Jahr deutlich weniger Spielgspändli.

Fünf Wochen ausgebucht, frühes Anmelden ein Muss: so sieht es in den Tierheimen des Kantons während der Sommerferien normalerweise aus — nur nicht dieses Jahr. Aufgrund der mehrheitlich abgesagten Auslandferien der Herrchen hatten die Hotels für Vierbeiner hohe Einbussen zu verzeichnen.

«In dieser Zeit sind wir eigentlich immer ausgebucht», meint die im Grenchner Tierheim «Aarebrüggli» tätige Lea Scheidegger in Bezug auf die Sommerferien. Coronabedingt sehe die Lage heuer aber anders aus: Lediglich zwei der insgesamt fünf Wochen Sommerferien waren gut gebucht. Weniger los war auch in den Frühlingsferien. Der für Ostern, Auffahrt und Pfingsten bereits volle Terminkalender wies nach einer Woche des im März beginnenden Lockdowns leere Seiten aus. Einige Besitzer hätten Tiere schon abgegeben, so Scheidegger, die tiefen Zahlen seien aber überhaupt nicht vergleichbar mit denjenigen des Vorjahres.

Dieselbe Situation schildert die Leiterin des Bellacher Tierferienheims Wengerhof, Janine Böhi-Wenger. Das Tierhotel konnte in den vergangenen Sommerwochen deutlich weniger vierbeinige Gäste zählen. Die Einbussen belaufen sich bei der Tierpension in Bellach auf ganze 70 Prozent. «Die Leute fliegen nicht mehr. Wenn sie Ferien in der Schweiz machen, nehmen sie ihr Tier mit oder geben es bei den Nachbarn ab.»

Das merkte man auch im Oltner «Tierdörfli». Dort waren die Plätze während der Sommerferien zwar ausgebucht – aber nicht mit Feriengästen, sondern mit Verzichts- und Fundtieren. Letztere machen beim Oltner Tierheim 90-92 Prozent des Tierbestandes aus. Die fehlenden Einnahmen der Pensionstiere seien aber trotzdem zu spüren. Ein Problem ist vor allem, dass die Spendeeinnahmen seit Beginn der Krise massiv eingebrochen sind.

Das Tierferienheim Höfli in Nennigkofen hatte Corona zwar auch stark gespürt, in den Sommerferien sei der Betrieb im Vergleich zu den Frühlingsferien aber wieder etwas angelaufen. «Ausgebucht waren wir jedoch noch lange nicht», so Besitzerin Alice Rindlisbacher. Viele Kunden seien sehr spontan gewesen und hätten ihre Tiere nur für kurze Zeiten, beispielsweise höchstens für eine Woche anstelle der üblichen zwei bis drei Wochen abgegeben. Andere kamen - trotz Anmeldung - gar nicht. Überraschend sei dieses Jahr aber die Anzahl Ferienkatzen gewesen: «So viele Ferienkatzen wie dieses Jahr hatten wir noch nie. Wir waren drei Wochen ausgebucht.» 

Auch die «Tagesaufenthalter» bleiben aus

Von dem neuen Zustand waren nicht nur die vierbeinigen «Ferienaufenthalter» betroffenen, sondern auch die Tageshorthunde, die beim «Aarebrüggli» normalerweise die grössten Einnahmen generieren. Ein Blick in die Zahlen offenbart: Während am 16. März vierzehn Hunde für ihren Tagesaufenthalt im Tierheim registriert waren, fiel die Zahl lediglich zwei Tage später auf vier – bis bald gar keine «Tagesaufenthalter» mehr vorbeigebracht wurden. «Man arbeitete im Home-Office und hatte Zeit, sich um das Tier zu kümmern», so Scheidegger. Die Situation habe sich nun aber wieder eingependelt, schliesslich müsste der Grossteil nun wieder zur Arbeit fahren.

Dieser Beobachtung schliesst sich auch Böhi-Wenger aus Bellach an. Die Tageshorthunde seien zwar nicht alle zurückgekehrt, mehr oder weniger habe sich die Lage aber normalisiert.

Beim «Höfli» zeigten sich einige Hundebesitzer sehr solidarisch: «Obwohl unsere Stammkunden im Homeoffice arbeiteten, brachten sie ihre Hunde trotzdem bei uns vorbei - auch um uns in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen», freute sich Rindlisbacher. Zudem habe sie einen Fall gehabt, bei welchem ein Hund von seinem Zuhause abgeholt werden musste, da die Besitzer in Quarantäne waren.

Corona bringt ein grösseres Herz für Tiere

Die vergangenen Monate zeigten aber auch: Die Solothurnerinnen und Solothurner wurden aufgrund von Ausgangsbeschränkungen und zur Verfügung stehender Zeit tierlieber. Ab dem Lockdown schellte das Telefon im «Höfli» bezüglich Tiervergebungen sturm. Auch das «Aarebrüggli» erhielt etliche Anfragen, ob heimatlose Hunde und Katzen einen neuen Besitzer suchten. «Viele haben ab März ein Tier gesucht, da sie auf einmal mehr Zeit zuhause verbrachten», erklärt Scheidegger die Situation.

Dass sich mehr Menschen nach Tiernähe sehnten, merkte auch die Bellacher Tierpension. Die Collies und Grosspudel, welche Böhi in Bellach züchtet, seien nach dem Lockdown hoch im Kurs gestanden: «Uns erreichten definitiv mehr Anfragen», so die Tierpflegerin. «Manchmal erhielten wir gar Anfragen, ob ein Hund nicht für einen Monat ausgelehnt werden könne» — ein Wunsch, welcher für Böhi nur schwer nachvollziehbar ist.

Ein Tier dürfe aber nicht nur als Zeitvertrieb dienen, betont Mirjam Walker vom «Tierdörfli». Folglich sei besonders die Frage «kann ich mich auch um das Tier kümmern, wenn es wieder einen normalen Alltag ohne Homeoffice gibt», essentiell.

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