Mini-Golf
Solothurner sind die stärksten Minigolfer – doch der Nachwuchs ist knapp

Die Geschichte des Minigolfs beginnt in den 1960er-Jahren. Der damals noch ohne feste Regeln gespielte Sport bekam von einem Schweizer Gartenarchitekten seine genormten Bahnen, wie sie noch heute international Gültigkeit haben.

Marco Wyss
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Es muss nicht immer Spitzensport sein: Auch für die ganze Familie ist Minigolf – wie hier in Gerlafingen – eine attraktive Freizeitbeschäftigung an der frischen Luft. Hanspeter Bärtschi

Es muss nicht immer Spitzensport sein: Auch für die ganze Familie ist Minigolf – wie hier in Gerlafingen – eine attraktive Freizeitbeschäftigung an der frischen Luft. Hanspeter Bärtschi

Hanspeter Bärtschi

Laut Angaben des Verbandes Swissminigolf ist die kleinere Version des Golfspiels eine interessante, gesunde und spannende Sportart, die von Jung und Alt ausgeführt werden kann. Der Verband hat sich zum Ziel gesetzt, Minigolf als Breiten- und Spitzensport zu fördern. Unter diesem Aspekt werden jedes Jahr diverse Turniere durchgeführt, bei welchen selbst Gäste ohne Lizenz willkommen sind.

Solche Anlässe sollen ein Vorgeschmack auf die professionellen Turniere der passionierten Minigolfer und Minigolferinnen sein. Swissminigolf betreibt drei Nationalkader, in welchen die besten Spieler die Schweiz an internationalen Meisterschaften vertreten.

Der Kanton Solothurn mischt im Spitzenminigolf ganz vorne mit. «Wir gehören zu den stärksten Kantonen im schweizerischen Minigolfsport», ist Fritz Rickli, Vertreter des Kantonalen Solothurnischen Minigolf-Sportverbandes KSMSV, überzeugt. Vier Minigolf-Klubs gäbe es im Kanton schon lange, nämlich Grenchen, Gerlafingen, Olten und Neuendorf. Besonders die Vereine Gerlafingen und Olten prägten den Solothurner Minigolf nachhaltig. «Leider haben wir, wie in vielen anderen Sportarten auch, das Problem des fehlenden Nachwuchses», bedauert Fritz Rickli.

Vom Golf zum Minigolf

Die erste Form des Golfspiels entstand im 15. Jahrhundert. Man benötigte für dieses Spiel viel Platz, weshalb es vor allem den Vermögenden vorbehalten war. Da man diesen Platz nicht immer zur Verfügung hatte, kam man auf die Idee, eine kleinere Variante dieses Spiels zu schaffen. Bald wurden die speziell dafür gedachten Grünflächen durch Holzbahnen mit künstlichen Hindernissen ergänzt. Die ersten Ansätze solcher Bahnen findet man um das Jahr 1920. Ab diesem Zeitpunkt erfreute sich diese Form des Golfes immer grösserer Beliebtheit, und die Anlagen sprossen förmlich aus dem Erdboden. Sie waren jedoch konzeptlos und ohne feste Normen konstruiert.

Der Tessiner Gartenarchitekt Paul Bongni war schliesslich der Erste, dem die Normierung des damals als «Bahnengolf» bekannten Trendsports gelang. Nach zweijährigen Konstruktionsplanungen liess er seine Idee von einem genormten Golfplatz im Jahre 1953 patentieren. Ein Jahr später wurde die erste Minigolfanlage nach den Vorstellungen von Bongni in Ascona am Lago di Maggiore gebaut. Bereits im Jahre 1962 existierten 120 Minigolfanlagen nach Bongni europaweit. Heute unterscheidet man im «Bahnengolf» die Varianten Minigolf, Miniaturgolf, Cobigolf, Sterngolf und Filzgolf. (mw)

Er müsse zugeben, dass man vonseiten der Verbände mehr in die Nachwuchsförderung investieren könnte. Doch da Minigolf eine Sportart ist, in der man bis ins hohe Alter aktiv sein kann, hätten die Verbände zu wenig Passivmitglieder, die sich um die Juniorenförderung kümmern könnten, begründet er.

Man versuche aber , die Menschen für den Sport zu begeistern und diejenigen, die wirkliches Interesse am Sport zeigen, zu fördern. «Der Trend ist bedauerlicherweise so, dass viele mit einem Sport beginnen, ihn jedoch nach kurzer Zeit nicht weiterführen», meint Rickli. Doch beim Minigolf setzt man beim «Nachwuchs» nicht nur auf die Jüngeren, sondern auf alle anderen Altersklassen.

«Minigolf ist ein Sport, mit dem man auch noch im Alter von 30 Jahren problemlos anfangen kann», erklärt Fritz Rickli, der sich momentan an den Mannschafts-Schweizer-Meisterschaften der Nationalliga A in Bern befindet.

Diese kleine Variante des Golfes ist nicht nur bei begeisterten Spitzensportlern beliebt. Die zahlreichen Pärchen, Familien, Senioren und Ausflugsgemeinschaften, die sich durch den Sommer hindurch gerne einmal eine Runde auf der Minigolfanlage gönnen, tragen ebenso ihren Teil zum Erhalt dieser Sportart bei. Die Betreiber der Anlagen im Kanton Solothurn sind mehrheitlich zufrieden mit den Besucherzahlen. «Wie gut unser Minigolfplatz besucht ist, hängt immer auch vom Wetter ab», meint etwa Ernst Hirsbrunner von der Minigolfanlage Grenchen. Ausserdem würden sie auch indirekt in Konkurrenz mit der Badi stehen.

Dies jedoch sieht Marcel Siegenthaler als Sportchef des Sportzentrums Zuchwil anders: «Die Minigolfanlage und die Badi ergänzen sich aus meiner Sicht», ist er überzeugt. Durch den Tag hindurch, wenn es heiss sei, gingen die Menschen ins Freibad, und am Abend würden sich viele von der Badi zur Minigolfanlage hin verlagern. «Das Minigolfen wird oft genutzt zum Zusammensein», erläutert Heidi Mühlemann. Sie betreibt die Kasse der Anlage Eichholz in Gerlafingen. Mit einem Preis von durchschnittlich fünf Franken pro Spiel für einen Erwachsenen ist Minigolf eine durchaus attraktive Freizeitaktivität draussen in der Natur, bei welcher der gesellschaftliche Aspekt nicht zu unterschätzen ist.