Schweizweite Schulprüfung

Solothurner Schüler sind gut in Deutsch, aber schlecht in «Franz» und «Mathi»

Die erstmalige Überprüfung der Grundkompetenzen (ÜGK) lieferte Daten zur Frage, ob die Schule in den geprüften Fächern alle Schülerinnen und Schüler genügend qualifiziert.

Die erstmalige Überprüfung der Grundkompetenzen (ÜGK) lieferte Daten zur Frage, ob die Schule in den geprüften Fächern alle Schülerinnen und Schüler genügend qualifiziert.

Die Solothurner Schülerinnen und Schuler glänzen im Leistungsvergleich nicht. Im Gegenteil: Die Sechstklässler fallen im «Franz» durch, die Neuntklässler in der «Mathi».

Der erste repräsentative Vergleich der Schulleistungsdaten zwischen den Kantonen zeigt: Die Resultate der Solothurner Schülerschaft sind «durchzogen». Und das ist noch vorsichtig formuliert.

Zwar erzielen die Sechstklässler in den Grundkompetenzen Deutsch, Lesen und Orthografie markant bessere Resultate als in früheren Monitorings – Stichwort Pisa-Studien –, sie fallen in der ersten Fremdsprache Französisch aber signifikant ab.

Konkret: Erreichen gesamtschweizerisch beim Hörverstehen 90 Prozent der Schüler die Grundkompetenzen, sind es im Kanton Solothurn gerade einmal 82 Prozent. Und beim Leseverstehen hinken die Solothurnern den 65 Prozent der « Überkantonalen» mit 56 Prozent ebenfalls deutlich hintennach.

Der Passepartout klemmt

Aufschlussreich ist zudem: Die schlechten «Franz»-Ergebnisse bestätigt auch eine zusätzliche Evaluation der sechs Passepartout-Kantone BS, BE, BL, FR, SO, VS. Oder, anders formuliert: Der Passepartout ist eher ein Türschliesser als ein Türöffner. Jedenfalls liefert das Konzept, das auf einen strukturierten Aufbau sprachlicher Ressourcen verzichtet, nicht die gewünschten Resultate. «Das Ergebnis liegt auf einem unbefriedigend tiefen Niveau», gibt Bildungsdirektor Remo Ankli unumwunden zu.

Er hat sich denn auch bereits mit den den Verbänden der Lehrpersonen und der Schulleitenden getroffen. «Eine Task Force wird sich umgehend mit der Thematik auseinandersetzen», sagt er. Eine Massnahme steht schon fest: Das Rezept für das Lehrmittel «Milles Feuilles» muss neu konfektioniert werden – ein Postulat, das die Kantone schon früher deponiert haben. Der herausgebende Lehrmittelverlag arbeitet nunmehr an den neuen Ingredienzen für das etwas allzu süsse Produkt.

Wobei einschränkend anzufügen ist: Es gibt durchaus Kantone (und Lehrpersonen), die mit dem gleichen Lehrmittel deutlich bessere Resultate erzielen als Solothurn. Bildungsdirektor Ankli zieht daraus den Schluss, dass sowohl am «Strukturdefizit» von «Milles Feuilles» als auch an der Didaktik zu feilen sein wird.

Das Fragezeichen Mathematik

Gibt es beim «Franz» zumindest Anhaltspunkte über die vergleichsweise bescheidenen Resultate, liegt der Fall bei der «Mathi» etwas anders. Er sei «überrascht», sagt Ankli, es gebe derzeit «keine offensichtliche Begründung». Dies umso weniger, als die Mathematik im Gegensatz zur ersten Fremdsprache keine Neuorientierung erfahren hat. Es brauche nun über alles hinweg eine «seriöse Analyse», betont Ankli, Schnellschüsse brächten nichts.

Der Handlungsbedarf ist allerdings ausgewiesen: Schweizweit erreichen am Ende der Volksschulzeit bloss 62 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Grundkompetenzen, im Kanton Solothurn gar nur deren 55 Prozent. Den «Ausreisser» im Kanton liefert unter den drei Anforderungsniveaus der Sekundarschule I eindeutig die Sek B.

Das sei nicht nur ein Thema für Solothurn, sondern gesamtschweizerisch, führt Ankli aus. Die Differenzen zwischen den Kantonen sind gross, das Harmonisierungsziel fern ist. Doch auch hier: Aktionismus sei fehl am Platz, betont der Bildungsdirektor. Es handle sich um eine Momentaufnahme, die ernst zu nehmen sei – und aus der die richtigen Schlüsse zu ziehen seien.

Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

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