Solothurner Pianistin

Solothurner Pianistin sammelt Preise wie andere Briefmarken

Maki Wiederkehr spielt – auf dem Bild an einem Konzert in Schönenwerd – in voller Konzentration.

Maki Wiederkehr spielt – auf dem Bild an einem Konzert in Schönenwerd – in voller Konzentration.

Die Solothurner Pianistin Maki Wiederkehr ist auf dem Sprung zur grossen Karriere – nun wird sie von der Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten mit dem mit 20 000 Franken dotierten Förderpreis geehrt.

Diese Woche sind Sie mit Ihrem Klaviertrio Rafale in der Berliner Philharmonie aufgetreten. Was haben Sie bei diesem «Ritterschlag» empfunden?

Maki Wiederkehr: Wohl jeder Musiker träumt davon, einmal in der geschichtsträchtigen Berliner Philharmonie spielen zu dürfen. Obschon wir allein dieses Jahr 70 Konzerte absolvieren, ist die Philharmonie schlicht der schönste und akustisch beste Saal, den ich je gesehen habe. Auch die Wigmore Hall London und andere Musiktempel besitzen eine faszinierende Ausstrahlung. Doch zur Debüt-Reihe junger Künstler in die Philharmonie eingeladen zu werden, wo der Stern von Weltstars wie Cecilia Bartoli oder Evgeny Kissin zu leuchten anfing, ist ein grosses Privileg.

Am Sonntag werden Sie in Boswil auftreten, am 27. Oktober findet die Preisverleihung der Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten statt, danach fliegen Sie nach Japan. Dort lebt die Familie Ihrer Mutter. Was bedeuten Ihnen die Auftritte in Städten wie Kyoto, Hiroshima, Osaka und Tokio?

Meine Grossmutter lebt in Osaka und wird zum zweiten Mal eines meiner Konzerte besuchen können. Das bewegt mich. Um diese Tournee durch dreizehn Städte machen zu können, haben wir extra an einem grossen Wettbewerb in Osaka teilgenommen. Ich konnte die Trio-Kollegen Daniel Meller und Flurin Cuonz zur Teilnahme überreden und habe dabei versprochen, dass dies definitiv der letzte Wettbewerb in unserem Trio-Leben sein wird. Es hat sich gelohnt, wir haben auch den prestigeträchtigen Osaka International Chamber Music Competition 2014 gewinnen können.

Sie besitzen eine Affinität zu Sprachen. Sprechen Sie als waschechte Lommiswilerin auch Japanisch?

Dank eines Fernkurses besitze ich sogar einen japanischen Schulabschluss. Meine Mutter hatte mich unterstützt, und so kann ich mit den Verwandten fliessend plaudern. Ich habe auch Lateinisch, Englisch, Französisch und Spanisch gelernt. Nun bin ich dabei, an der Zürcher Volkshochschule Russisch zu lernen. Ich hoffe, im kommenden Dezember bei den Konzerten in Moskau mehr als nur einen Kaffee bestellen zu können.

Hochkarätige Wettbewerbspreise haben dem Trio wichtige Engagements verschafft, ziehen sich wie ein roter Faden durch die Karriere. Wie konnten Sie dadurch als Musikerin und als Mensch profitieren?

Wir haben schon einiges von der Welt gesehen und unser Repertoire Schritt für Schritt erweitert. Dank den grossen Wettbewerben bekamen wir Auftrittschancen, die sich sonst vielleicht viel später oder gar nicht ergeben hätten. Gerade die renommierte Competition in Melbourne hat sich nicht nur künstlerisch – die Konzerte wurden vom ABC-Radio Australien live übertragen – und familiär als Meilenstein erwiesen, sondern rundum als ein Glücksfall. Denn im Gegensatz zu unserer Konkurrenz besassen wir Schweizer damals weder eine Homepage noch Visitenkarten. Zufällig sass Henriette Haage, Inhaberin der gleichnamigen Hamburger Künstleragentur, im Publikum und wollte uns kennenlernen. Kurzum, heute ist sie unsere Agentin, organisiert die Konzerte. Sie hat unsere Auftritte professionalisiert und den Alltag vereinfacht. Mittlerweile sind unsere Auftritte im Internet unter www.triorafale.com aufgelistet.

Nicht nur mit dem Trio, sondern auch als Solistin haben Sie viele Preise eingeheimst. Wissen Sie auf Anhieb, wie viele es sind?

Das kann ich wirklich nicht sagen. Ich erinnere mich, mit neun Jahren den 1. Preis am Wettbewerb des Oltner Tagblatts mit dem Klavier gewonnen zu haben. Ein Jahr später stand ich erneut auf dem Podium, gewann den 1. Preis 1996, allerdings mit der Violine. Danach folgten weitere Preise. Wenn ich auf die vergangenen fünf Jahre zurückblicke, waren die wichtigsten Auszeichnungen 2010 der Werkjahrespreis für Klavier der Curt und Marianne Dienemann-Stiftung Luzern, die Studienpreise 2009 und 2010 vom Migros Kulturprozent in Zusammenarbeit mit der Ernst Göhner Stiftung, 2007 und 2008 von der Kiefer Hablitzel Stiftung und 2006 von der Friedl-Wald Stiftung. Nun darf ich den mit 20 000 Franken dotierten Förderpreis der Solothurner Kulturstiftung Kurt und Barbara Alten entgegennehmen. Das ist eine grosse Ehre und ich freue mich auf die Feier auf der Waldegg.

Was zeichnet die Pianistin des Klaviertrios Rafale besonders aus?

Die Neugierde, der Drang nach neuen Werken und Unentdecktem. Da ich auch Geige spiele, kann ich mich gut in die Streicherpassagen einfühlen. Spüre, auf was es den Kollegen ankommt. Wir sind drei unterschiedliche Charaktere und streben an, ein harmonisches und homogenes Klangbild zu formen, gemeinsam für die Musik zu «brennen».

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