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Solothurner Fischer starten Kampagne gegen das viele Blei im Wasser

Die Diskussion über den Einsatz von Blei ist auch in der Fischerei angekommen. Die Solothurner Fischer starten eine Kampagne.

Peter Brotschi
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Der Kanton will die Angler mit einem Merkblatt stärker für die Blei-Problematik sensibilisieren.

Der Kanton will die Angler mit einem Merkblatt stärker für die Blei-Problematik sensibilisieren.

Peter Brotschi

Blei in der Umwelt gilt es zu vermeiden. Es ist für Menschen und Tiere giftig und scheidet nur sehr langsam aus, wenn es einmal in einem Körper vorhanden ist. Für rund 70 Millionen Franken werden im Kanton Solothurn gegenwärtig in einem mehrjährigen Prozess die mit Blei und Antimon belasteten Kugelfänge der Schiessstände saniert.

Auch in der Jagd ist die Verwendung von bleifreier Munition ein wichtiges Thema und bei der Entenjagd bereits verboten. Nun kommt der Fokus zudem auf die Angelfischerei zu liegen, in der viele Utensilien aus Blei verwendet werden. Und jeder, der mal eine Rute in der Hand gehalten hat, weiss, dass diese Teile abreissen und auf Nimmerwiedersehen in den Gewässern verschwinden können.

«Hände weg vom Blei in der Fischerei»

Wer im Kanton Solothurn ein Fischereipatent besitzt, erhielt vor dem Jahreswechsel wie gewohnt von der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung das Patentheft für 2021 zugestellt. Mit der Post aus dem Rathaus kam zugleich noch ein Merkblatt mit dem markanten Titel «Hände weg vom Blei in der Fischerei». Der Flyer wurde von der schweizerischen Konferenz der Jagd- und Fischereiverwalter publiziert. Darin ist festgehalten, dass in einigen Ländern das Angeln mit Blei bereits verboten ist.

In der EU sei ein Bleiverbot in der Fischerei seit längerem in Diskussion. Im Jahr 2020 habe die Staatskonferenz zum internationalen Abkommen zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten bekräftigt, den Einsatz von Blei in der Jagd und Fischerei einzuschränken. Auch die Schweiz habe dieses Abkommen unterzeichnet. Aktuell sei in der Schweiz der Einsatz von Blei beim Fischen noch zulässig, aber es sei damit zu rechnen, dass die Eidgenossenschaft allfällige Verschärfungen der Europäischen Union zur Verwendung von Blei in der Fischerei übernehmen werde.

Rund zehn Prozent der Einträge von Anglern

Christian Dietiker (Wangen bei Olten), Präsident des Solothurner kantonalen Fischereiverbandes, ist sich der Problematik durchaus bewusst. «Grundsätzlich ist jeder Eintrag von etwas ins Wasser zu vermeiden, das nicht dorthin gehört», hält er fest. Das seien neben dem Blei sicher auch die Pestizide. Und wenn man noch alles andere anorganische Material nehme, das in der Schweiz in den Gewässern landet, dann rede man von einer riesigen Menge an Tonnagen im Vergleich zu den Verlusten an Fischerblei.

Er begrüsst die Informationskampagne mit dem Flyer und will künftig auch die verbandsinternen Kanäle nutzen, um sich direkt an die Fischerinnen und Fischer zu wenden. Dietiker ist sich aber auch im Klaren, dass entsprechende und bezahlbare Angebote an bleifreien Fischereiutensilien von der Industrie angeboten werden müssen, damit sie von den Anglerinnen und Anglern auch wirklich angenommen und eingesetzt werden.

Doch welchen Anteil hat die Fischerei an der Bleiverschmutzung in Schweizer Gewässern? Laut Flyer der Jagd- und Fischereiverwalterkonferenz werden pro Jahr total 12 000 kg Blei in die Schweizer Oberflächen gewässer eingetragen. Von dieser Menge stammen rund 1250 kg, also etwas mehr als zehn Prozent, aus der Fischerei. Es sind vor allem Gewichte, mit denen die gewünschte Tiefe des Köders im Wasser erreicht wird. Dazu gehört das bekannte Bleischrot, das sich auf einfache Weise an der Angelschnur montieren lässt. Oft geht das Blei beim Verlust des Köders verloren, wenn er sich zum Beispiel an einer Unterwasserpflanze oder einem Treibholz verfängt. In der Schweiz sind aber Regenüberläufe, die Trennkanalisation, die Bodenerosion sowie viele andere Quellen für den grossen Teil von 90 Prozent der Bleieinträge verantwortlich.

Das Bewusstsein für die Problematik schärfen

«Die Problematik der Umweltgifte wie etwa das Fischerblei sehen wir mit grosser Sorge», sagt Silvia Nietlispach, die neue Leiterin der Abteilung Jagd und Fischerei des Kantons Solothurn. «Wir bemühen uns seitens des Amts für Wald, Jagd und Fischerei, mit Information und Sensibilisierung praxistaugliche Alternativen voranzubringen.» Silvia Nietlispach zeigt sich überzeugt, dass es allen Fischerinnen und Fischern ein Herzensanliegen sei, die Gewässer sauber und gesund zu halten, sonst stünden sie nicht so viele Tage und Wochen am naturnahen Wasser.

Daher erfolge die Verwendung von Fischerblei als gängige und jahrhundertlange praktizierte Montagemethode an der Angelschnur zweifelsfrei ohne besseres Wissen. «Wüssten die Fischerinnen und Fischer, dass rund zehn Prozent der Blei einträge in Oberflächengewässern der Schweiz durch das Fischerblei verursacht werden – jeder und jede von ihnen würde schon morgen auf bereits verfügbare, umweltfreundliche Alternativen wechseln», zeigt sich Nietlispach überzeugt.

Seitens des Kantons gelte es jetzt, dieses Bewusstsein zu schärfen, das gehe man mit voller Energie an. Aber: «Anstatt auf Verbote möchte der Kanton Solothurn auf den Dialog und freiwilligen Verzicht von bleihaltigen Hilfsmitteln setzen. Es sollen praxistaugliche Alternativen zu Blei aufgezeigt und umweltbewusst in den Alltag der Fischerei integriert werden.»

Peter Kaiser

Peter Kaiser

Peter Brotschi

«Bestrebt, einen passenden Ersatz anzubieten»

Seit fast 34 Jahren führt Peter Kaiser in Gerlafingen ein Fachgeschäft für Fischereiartikel. Gibt es Ersatz für Bleiartikel beim Angeln?

Kein Blei mehr in der Fischerei. Ihre spontane Reaktion darauf?

Peter Kaiser: Ich denke, dass wir Fischer im Verhältnis wenig an der «Bleiverschmutzung» in unseren Gewässern beitragen. Zum einen hat das mit der Menge an Blei zu tun, welche wir verlieren oder abreissen. Zum anderen ist der Selbstreinigungsgrad unserer Gewässer sehr hoch.

Gibt es einen Ersatz für Blei?

Ja, es gäbe einen Ersatz, nämlich Tungsten. Tungsten ist eine spezielle Legierung aus Wolfram, welche bei etwa 1400 Grad gesintert wird. Das Problem dabei ist, dass es sehr teuer ist. Zum anderen ist es nicht möglich, alle Formen herzustellen, die wir heute im Bleisektor kennen und brauchen. Das Material ist für gewisse Arten von Formen einfach zu hart. Zink wäre eventuell auch noch eine Möglichkeit. Dann diskutieren wir aber in 20 Jahren über eine Zinkvergiftung ...

Haben Sie als Händler schon reagiert?

Ich bin bestrebt, einen passenden Ersatz anzubieten. Den habe ich auch schon seit Jahren im Sortiment. Es wollen und können aber viele Fischerinnen und Fischer nicht über zehn Franken oder mehr für drei Gewichte à zehn Gramm bezahlen. Falls die Politik ein Bleiverbot ansteuert, muss sie sich schon bewusst sein, dass damit Tausende von Anglern vor den Kopf gestossen werden.

Erhalten Sie Rückmeldungen auf die vom Kanton verteilte Broschüre?

Ja, viele Fischerinnen und Fischer sind nun der Meinung, dass Blei nächstens verboten wird. Ich denke, bevor man so etwas Fundamentales wie Blei verbieten will, was seit Jahrhunderten beim Angeln im Einsatz ist, sollte die Industrie in der Lage sein, einen passenden und vor allem bezahlbaren Ersatz bereitzuhalten. Das sieht bis auf weiteres aber nicht so aus.