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Solothurner Bevölkerung zeigte sich solidarisch während der Coronakrise

Viele Helfende beim SRK sind über 65 und konnten während der Krise nicht fahren. Dafür haben sich andere Freiwillige gemeldet.

Viele Helfende beim SRK sind über 65 und konnten während der Krise nicht fahren. Dafür haben sich andere Freiwillige gemeldet.

Im Kanton Solothurn herrscht grosse Solidarität während der Coronakrise. Beim Roten Kreuz Kanton Solothurn und Gärn gscheh - Solothurn hilft, meldeten sich mehr Helfer als Hilfesuchende.

In Bezug auf die Coronakrise betonte der Bundesrat in mehreren Medienkonferenzen: Es brauche Solidarität in der Schweizer Bevölkerung, um diese Krise zu überstehen. Das Gespräch mit dem Roten Kreuz Solothurn sowie der Organisation Gärn gscheh – Solothurn hilft zeigt: An Solidarität fehlte es im Kanton Solothurn nicht. Während der Ausnahmesituation gab es mehr als genug Helfer.
Dies sagt auch Lena Lang, die Gründerin der Facebook-Gruppe Gärn gscheh – Solothurn hilft. «Es gab mehr Freiwillige, als Personen, die Hilfe gesucht haben», meint sie. Es habe aber nicht in jeder Gemeinde gleich viele Hilfesuchende gegeben.

Ähnliche Erfahrungen hat das Rote Kreuz Solothurn gemacht. Am Telefon erklärt der Geschäftsführer René Spahr, wie es dem Helfernetzwerk durch die Krise ergangen ist. «Viele unserer Fahrer sind über 65-jährig. Diese konnten wir nicht mehr einsetzen.» Deswegen habe das Rote Kreuz nach neuen Freiwilligen für den Fahrerdienst gesucht. Auch hier hätten sich mehr Helfer gemeldet, als eingesetzt werden konnten. «Innerhalb kurzer Zeit hatten wir 60-70 Anmeldungen.» Zudem habe das Rote Kreuz im Kanton Solothurn den Fahrdienst zum Schutz der Helfer eingeschränkt. «Wir haben nur noch Fahrdienste zu Terminen im medizinischen Bereich wie beispielsweise Arztterminen vorgenommen», erklärt er.

Mit den Lockerungen des Bundesrates kam es auch in diesem Bereich zu Veränderungen. Viele würden sich wieder vom Freiwilligendienst abmelden, da sie nun wieder arbeiten müssen. Trotzdem sei ein bleibender Effekt zu erkennen. «Ein paar der Freiwilligen sind geblieben.»

Die Coronakrise habe im Bereich der Solidarität in Solothurn positiv gewirkt. Ausserdem seien nun viele der über 65-jährigen Helfer zurück im Einsatz. Dies würden diejenigen aber selbst entscheiden. «Personen aus der Risikogruppe sowie über 65-Jährige lassen wir eine Einverständniserklärung unterschreiben», erklärt Spahr.

Helferliste von Gärn gscheh ist offline

Auch bei Gärn gscheh – Solothurn hilft wird es wieder ruhiger. Die Organisation des Helfernetzwerkes wurde Lang zufolge auch nur für die Dauer der Krise geplant. Seit Ende Mai ist die Helferliste wieder offline. Auf der Website schreibt die Organisation, sie danke allen Helfern für den Einsatz der vergangenen drei Monate und hoffe, der schwerste Teil sei so weit überstanden. «Wir haben es schon zu Beginn der Aktion angekündet, dass wir das Kontaktformular bereitstellen, solange es nötig ist», erklärt Lang. Im schlimmsten Fall könne dieses wieder aktiviert werden.

In der Ankündigung auf der Website weist die Organisation auf eine E-Mail-Adresse hin. Bei dieser könne man sich melden, wenn man noch Hilfe benötige. Ein weiterer Grund für die offline Stellung der Liste sei der Datenschutz, erklärt Lang. «Wir wollen nicht langfristig Daten von Privatpersonen im Internet stehen lassen», meint sie dazu. Schon währenddem die Liste noch aktiv war, sei dies ein grosses Anliegen gewesen. «Die Freiwilligen konnten sich selbst von der Liste löschen oder uns dafür anfragen, wenn sie nicht mehr mitmachen wollten», erzählt sie.

Auch wenn die Helferliste nun offline ist, hat sich die Solidarität im Kanton stark entwickelt. «Es war sicherlich auch eine schöne Erfahrung für diejenigen, die helfen konnten», meint Lang. Gemäss Spahr vom Roten Kreuz seien nicht alle Risikopatienten während dieser Zeit auf die Hilfe vom Roten Kreuz angewiesen gewesen. «Viele ältere Menschen konnten sich selbst helfen oder wurden durch ihr Umfeld unterstützt. Das haben wir gemerkt, als wir unsere Telefonrunden gemacht haben. Diese waren dazu da, um bei älteren Menschen anzufragen, ob sie Hilfe brauchen», erklärt Spahr.

Viele seien auf finanzielle Hilfe angewiesen

Eher auf Hilfe angewiesen seien die Menschen vor allem auf finanzieller Ebene, meint Spahr. «Sobald klar wurde, dass wir finanzielle Überbrückungshilfe anbieten können, gab es Anfragen aus verschiedenen Segmenten der Bevölkerung», erzählt er. Darunter seien oftmals Personen mit Familie. Was zudem auffalle, sei, dass sich durch diese Situation mehr ältere Menschen beim Rotkreuz-Notruf angemeldet haben.

Die beiden Gespräche zeigen: Die Solidarität im Kanton Solothurn ist während der Coronakrise da und bleibt auch. Dies ist zumindest beim Roten Kreuz der Fall, wo einige der neuen Freiwilligen geblieben sind. Das Netzwerk des Roten Kreuzes sei in Solothurn schon vor der Krise gut ausgebaut gewesen, meint Spahr. Ihm zufolge konnte jedoch klar beobachtet werden, wie die Solidarität unter den Menschen anstieg. Zudem sei es vielen seiner Kollegen aus anderen Kantonen gleich ergangen. «Auch sie wurden von Freiwilligen überflutet.»

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