Eine schöne Landschaft, intakte Naturräume, Arten- und Naturvielfalt auch im Siedlungsgebiet: Auch das sind Standortvorteile, ein wertvolles Kapital, das es zu schützen gilt. Denn durch anhaltendes Siedlungswachstum, Verkehrszunahme, Klimawandel und auch steigenden Druck durch Freizeitnutzung ist es zunehmend bedroht.

Mit seinem Mehrjahresprogramm Natur und Landschaft setzte der Kanton Solothurn bereits in den 1980er-Jahren neben dem hoheitlichen Naturschutz auf Förderung der naturnahen Bewirtschaftung von Landwirtschafts- und Waldflächen. 2020 Endet die Periode des laufenden Mehrjahresprogramms. Der Regierungsrat hat nun die «Strategie Natur und Landschaft 2030+» beschlossen, mit der die Basis für ein Folgeprogramm gelegt wird. Sie zeigt auf, wie sich der Natur- und Landschaftsschutz in den kommenden Jahren entwickeln soll. Ohne weitergehende Anstrengungen drohe das Natur- und Landschaftserbe substanziell an Qualität zu verlieren, heisst es im 60-seitigen Bericht.Die Strategie ist keine Revolution, vielmehr die Fortschreibung und Weiterentwicklung der etablierten Politik. Sie zeigt auf, in welchen Bereichen man vordringlichen Handlungsbedarf ortet. Dazu werden zwölf nach vier Schwerpunkten geordnete Handlungsfelder definiert.

Hochwertige Flächen

Schwerpunkt 1: Qualität steigern. Grundsätzlich besteht für den Erhalt der Artenvielfalt ein zusätzlicher Flächenbedarf, aber zusätzliche Flächen stehen nicht beliebig zur Verfügung. Daher soll in erster Priorität die Qualität auf den bereits mit dem Mehrjahresprogramm Natur und Landschaft vereinbarten Flächen hinsichtlich Arten- und Strukturvielfalt erhöht und optimiert werden. Das will man etwa mit Folgeprogrammen Natur und Landschaft sowie «Biodiversität im Wald» und einer konsequenten Neophyten-Bekämpfung erreichen.

Wildtierkorridore

Schwerpunkt 2: Ökologische Vernetzungsstrukturen optimieren. Bestehende und neue naturnahe Flächen sollen so angelegt sein, dass sie einer optimalen Vernetzung von Lebensräumen dienen. Hier geht es etwa um Wildtierkorridore und die Aufwertung von Bahn- und Strassenböschungen.

Artenvielfalt vor der Haustür

Schwerpunkt 3: Natur im Siedlungsraum fördern. Die Strategie ortet Handlungsbedarf bei der Siedlungsökologie. Hier gibt es ein Potenzial für «artenreiche Lebensräume vor der Haustüre», wie es im Bericht heisst. Stichworte für die Umsetzung sind eine Kommunikationsoffensive zum Erhalt naturnaher Grünflächen und Beispiele mit einer naturnahen Umgebungsgestaltung bei kantonseigenen Liegenschaften setzen.

Knappes Gut Landschaft

Schwerpunkt 4: Erholungsnutzung und Landschaftswerte in Einklang bringen. Der Kanton zeichnet sich durch vielfältige Landschaftsräume wie mittelländische Flussebenen, Ketten- und Tafeljura aus, die aber zum Teil durch die unterschiedlichsten Ansprüche zur Nutzung als Naherholungsraum unter erheblichem Druck sind. Ein bewussterer Umgang mit dem knapper werdenden Gut «Landschaft SO» sei daher angezeigt, so die Strategie Natur und Landschaft des Regierungsrats. Nutzungskonflikte drohen insbesondere in gewässernahen Räumen, zunehmende touristische Aktivitäten führen etwa im Weissenstein-Gebiet zur Beeinträchtigung störungsempfindlicher Arten, einen besonders hohen Siedlungsdruck auf noch unverbaute Räume stellt man im Gäu und Niederamt fest. Hier finden sich in den zwölf Handlungsfeldern auch solche, die nicht ganz ohne Brisanz sind. «Wo nötig, sind angemessene Massnahmen zur Besucher- bzw. Erholungslenkung zu ergreifen», heisst es dazu. Prüfen will man etwa Wildruhezonen und eine kantonale Landwirtschaftszone Gäu und eventuell Niederamt.

Natur braucht Kredit

Die «Strategie Natur und Landschaft 2030+» richtet sich primär an die mit der Umsetzung betrauten kantonalen Stellen. Auf der politischen Ebene wird sich der Kantonsrat bei der Behandlung der Folgeprogramme des Mehrjahresprogramms Natur und Landschaft und der Förderung der Waldbiodiversität damit befassen. Für die 2020 auslaufenden Programme wurden 2009 und 2010 Verpflichtungskredite von 45 Millionen (Natur und Landschaft) und 2 Millionen (Biodiversität) bewilligt.