Jurahöhen

Skiliftbetreiber brauchen hier einen langen Schnauf

Das Bild trügt: Zwar ist die Szenerie auf dem Balmberg wunderschön, aber für den Betrieb des Kinderliftes ist die Schneedecke zu dünn.

Das Bild trügt: Zwar ist die Szenerie auf dem Balmberg wunderschön, aber für den Betrieb des Kinderliftes ist die Schneedecke zu dünn.

Auf den Jurahöhen ist das Schneesportgeschäft hartes Brot – trotzdem wollen Betreiber die Anlagen nicht schliessen.

Auf den ersten Blick herrschen derzeit perfekte Bedingungen für den Wintersport. Die Sonne strahlt vom stahlblauen Himmel, die Landschaft auf den Jurahöhen ist überzuckert mit Schnee. Trotzdem können die Skiliftbetreiber nicht glücklich sein. «Die Schneedecke ist noch zu dünn, um die Pisten mit dem Pistenfahrzeug zu präparieren», sagt Peter Hammer.

Der 66-Jährige gibt sich aber gelassen. Betreibt er doch seit über 40 Jahren zwei Skilifte in Langenbruck. In dieser langen Zeit hat er viele gute und eben auch schlechte Saisons erlebt. Er und seine Crew halten wie jeden Winter die beiden Lifte und das Pistenfahrzeug in Schuss. «Pünktlich seit Anfang Dezember sind wir startklar.» Doch wie bereits in der Saison zuvor konnte er bislang die Lifte noch gar nie in Betrieb nehmen.

Auch nach den letzten Schneefällen sind die Pisten nur mit einem «Schümli» Schnee bedeckt. Um das Pistenfahrzeug in Bewegung zu setzen, brauche es, so Hammer, eine Schneedecke von 30 Zentimetern. Und danach sieht es frühestens kommende Woche aus. So oder so, rechnet Hammer mit einer schlechten Saison 2016/17. «Denn die jeweils wichtigsten Phasen – die Tage vor Weihnachten und zwischen Weihnachten und Neujahr – waren schneelos.»

Saison bereits gelaufen?

Auch Tobias Freudiger, Betriebsleiter der Skilift Grenchenberg AG, betont die Wichtigkeit dieser Perioden. Wenn man vor und nach Weihnachten nicht in der Region Ski fahren könne, drohe die Gefahr, dass die Sportler ins Berner Oberland «abwandern».

Langsam wird die Zeit also knapp, damit die Schneesportlerinnen und -sportler die Kassen der Skiliftbetreiber zumindest ein wenig füllen. Zwar stehen die Sportferien im Februar noch vor der Tür. Wenn es bis dann nicht genügend Schnee habe, sei die Saison praktisch gelaufen, beobachtet Bele Schmid, Betriebsleiter der Sportanlagen Balmberg AG. «Denn nach den Ferien kommen die Gäste nur noch, wenn Super-Schneeverhältnisse herrschen.»

Fixkosten fallen immer an

Unabhängig davon, ob die Lifte in Betrieb sind oder nicht, fallen für die Betreiber Fixkosten an wie etwa für Versicherungen, Inspektionen oder Unterhaltsarbeiten. Peter Hammer beziffert diese für seine zwei Lifte in Langenbruck auf rund 20 000 Franken. Um diese zu decken, brauche es etwa 20 Betriebstage. Das wird auch diese Saison schwierig zu erreichen ein.

Hammer blickt zurück. Zwischen 1950 und 1990 sind die Lifte im Durchschnitt an rund 65 Tagen und bis 2000 an rund 30 Tagen in Betrieb gewesen. Seither sind es noch durchschnittlich rund 15 Tage. Aber die Existenz der Sportanlagen sei (noch) nicht gefährdet. Dies auch, weil die Anlagen inklusive Pistenfahrzeug in einem Top-Zustand seien und somit keine grösseren Investitionen anstehen. Aber: «Rein ökonomisch betrachtet, müsste der Betrieb längstens eingestellt sein.» Es gäbe in der Tat «interessantere Geschäftsfelder», sagt Hammer lachend. Zwar stelle man sich regelmässig die Überlebensfrage. Doch er gibt sich optimistisch und schliesslich sei der Skiliftbetrieb auch ein Dienst an der Region.

In derselben Situation befindet sich die Betreiberin der Liftanlagen auf dem Balmberg. Dort hofft Bele Schmid weiterhin auf ein Einsehen von Frau Holle, damit die Lifte immerhin noch an 10 bis 15 Tagen laufen können. An «ein Aufgeben» denke man jedenfalls nicht. «Die ganze Crew ist mit viel Herzblut an der Arbeit.» Anders würde es aussehen, wenn plötzlich grosse, unerwartete Reparaturen an den Anlagen nötig wären. «Dann müssten wir uns die Existenzfrage stellen.» Auch auf dem Grenchenberg ist die Schliessung des Skiliftbetriebes kein Thema. «Wir wollen mithelfen, den Berg als Freizeit- und Naherholungsgebiet attraktiv zu erhalten.» Klar sei auch, dass ohne das tatkräftige Engagement vieler Helfer und des Beitrages der Stadt Grenchen der Betrieb nicht aufrechterhalten werden könnte.

Anpacken, statt jammern

Andere, noch kleinere Skigebiete als Balmberg, Grenchenberg oder Langenbruck diversifizieren, um den Skiliftbetrieb zumindest teilweise finanzieren zu können. Davon berichtet Andreas Lindegger vom Skiliftverein Gsahl, welcher in Hauenstein-Ifenthal die zwei Lifte auf rund 800 Meter Höhe betreibt. Das ebenso vom Verein betriebene Kafistübli sei offen, auch wenn der Schnee fehle. Zudem werde jeweils ein Sommernachtsfest durchgeführt. «Diese Einnahmen helfen mit, die Fixkosten des Skiliftes zu decken», so Lindegger. Dank der Freiwilligenarbeit sei es möglich, den Aufwand tief halten zu können. «So gesehen ist der Druck für eine Lift-Schliessung nicht unmittelbar.»

Motivation sei die Freude am Skisport. Und wenn man sehe, wie die Kinder das Skifahren erlernen, sei das Lohn genug, sagt er. Erst in vier Saisons in der 40-jährigen Geschichte der Skilift Hohe Winde AG in Beinwil seien die Lifte keinen Tag gelaufen, sagt Präsident Urs Kaufmann. Auch deshalb sei eine Schliessung kein Thema. Zudem würden alle Helferinnen und Helfer gratis arbeiten. «So kommen wir über die Runden.»

Auch auf der Schwengimatt ob Balsthal herrscht Optimismus – «Klimawandel hin oder her», sagt Jürg Lehmann. Er führt mit seiner Frau Nicole Lehmann nebst Bauernhof und Restaurant die Wintersportanlage. «Die Fixkosten sind tief und bei uns fallen keine Löhne an.» Die Schliessung der Anlage sei deshalb kein Thema. Ganz schwierig ist die Situation für Walterswil BE, der einzigen «Skistation» im Oberaargau. Der 400 Meter lange Bügellift, zwischen 700 und 790 Meter über Meer gelegen, kann jeweils nur sporadisch betrieben werden. Selbst das Minimalziel von zwei Wochen Betrieb sei schwierig zu erreichen, sagt Walter Lehmann, Präsident der Skiliftgenossenschaft Walterswil. Um etwas Geld in die Kasse zu erhalten, mache die Genossenschaft jeweils am Weihnachtsmarkt mit.

Nachfrage ist hoch

Die alle mit viel Engagement und Herzblut aktiven Skiliftbetreiber operieren aber nicht etwa im luftleeren Raum. «Die Nachfrage zum Skifahren in der Region ist sehr gross», sagt stellvertretend Bele Schmid vom Balmberg. Wenn es Schnee habe, dann kämen die Skisportbegeisterten sofort in Scharen. Um das Skifahren auf dem Jura noch attraktiver zu machen, spannen die Skigebiete Grenchenberg, Balmberg und Prés-d’Orvin oberhalb von Biel zusammen. Beim Kauf einer Saisonkarte erhalten die Wintersportler zwei übertragbare Tageskarten von den beiden anderen Skigebieten geschenkt. Wie gesagt: Jetzt fehlt nur noch genügend Schnee.

Autor

Franz Schaible

Franz Schaible

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