«Gastro Solothurn»

«Situation zu wenig ernst genommen»: Das Corona-Virus trifft die Solothurner Gastronomie hart

«Wir dürfen nun einfach nicht den Kopf in den Sand stecken.» Peter Oesch, Präsident «Gastro Solothurn» (Archiv)

«Wir dürfen nun einfach nicht den Kopf in den Sand stecken.» Peter Oesch, Präsident «Gastro Solothurn» (Archiv)

Die Massnahmen gegen das Corona-Virus stellen eine existenzielle Bedrohung für die Solothurner Gastronomen dar. Viele wissen nicht, wie sie mit der Situation umgehen müssen, andere werden kreativ. Eine Einschätzung des «Gastro Solothurn»-Präsidenten Peter Oesch.

Die Massnahmen des Bundes gegen das Corona-Virus treffen die Solothurner Gastronomen unerwartet. Seit Montag müssen Restaurants geschlossen bleiben. Trotz einer Vorlaufzeit von einigen Wochen, in welchen die Schliessung sämtlicher Betriebe immer wahrscheinlicher wurde, hätten viele Wirte die Folgen unterschätzt, so der «Gastro Solothurn»-Präsident Peter Oesch. «Meine Berufskollegen haben die Situation zu wenig ernst genommen», sagt er.

Mehr als 500 Gastronomiebetriebe im Kanton stehen seit Montagmorgen vor einer ungewissen Zukunft: Keine Gäste bedeutet kein Einkommen. Und ohne Einkommen können die Löhne und die Mieten nicht bezahlt werden. Der Dachverband «Gastro Suisse» spricht in ihrer gestrigen Medienmitteilung sogar von «existenzieller Not». Oesch sorgt sich daher vor allem um die Betriebe im Kanton, die von diesen täglichen Einnahmen vollkommen abhängig sind. «Ich weiss nicht, ob sie das überleben.» Bezüglich Beizensterben stellt er auf jeden Fall schlechte Prognosen.

Doch Not macht bekanntlich erfinderisch. Um die Zeit bis am 19. April zu überbrücken – dann wird die ausserordentliche Lage voraussichtlich wieder aufgehoben, Beizen können wieder öffnen – setzen einige Betriebe auf einen Abholservice. So können sie nach wie vor Esswaren vor Ort unter Einhaltung der aktuellen Vorschriften verkaufen. Das Restaurant Aarhof in Olten oder das «Sternen» in Solothurn beispielsweise machen bereits Werbung dafür.

«Jetzt ist Kreativität gefragt», sagt Oesch. Er sieht im Abholservice für Restaurants sogar die Chance für ein neues Geschäftsfeld, das gegen die gegenwärtigen Imbissangebote bestehen könnte. Gerade jetzt seien die Arbeitenden sicher froh um ein ausgewogenes Menü mit Salat und Suppe. Aber jeder Betrieb müsse selber herausfinden, was für ihn funktioniert. «Wir dürfen nun einfach nicht den Kopf in den Sand stecken.»

Bürokratie stellt eine grosse Hürde dar

Während Oesch die kreative Arbeit nun den einzelnen Betrieben überlässt, kümmert er sich um die Behörden: Die Betriebe beispielsweise seien sich oft unsicher, wie sie Kurzarbeit beantragen können. Im Gespräch mit dem Amt für Wirtschaft und Arbeit will Oesch daher einfache Lösungen für die ganze Branche finden. So soll das Antragsdokument für Kurzarbeit von mehreren auf eine Seite reduziert und damit die Anmeldung möglichst vereinfacht werden. Gleichzeitig hofft Oesch, dass die Betriebe von den 10 Milliarden Franken Wirtschaftshilfe, die der Bund versprochen hat, profitieren können. «Aber die Hilfe kommt nicht heute oder morgen, sondern erst in einigen Wochen.»

Als Gastronomieberater mit langjähriger Arbeitserfahrung versucht der Präsident von «Gastro Solothurn» ausserdem die Betriebe, wo möglich, persönlich zu unterstützen. So ermutigt er sie, wegen der ausfallenden Mieten das Gespräch mit den Vermietern zu suchen. Schliesslich seien beide aufeinander angewiesen. Es schade auch nicht, einen Blick in die eigene Versicherungspolice zu werfen. Es könne nämlich sein, dass man gegen Epidemien versichert ist.

Noch nie erlebte, ungewohnte Bedingungen

Trotz den Hoffnungsschimmern von Bund und Kanton: «Die Situation ist ziemlich ungemütlich. Solche schlechten Bedingungen, wie heute, habe ich noch nie erlebt», sagt Oesch, der 30 Jahre lang selber als selbstständiger Wirt tätig war. Obwohl er in der jetzigen Situation Chancen für neue Geschäftszweige und eine willkommene Entschleunigung der Gesellschaft sieht, ist er skeptisch. Denn: Er glaube kaum, dass sich nach dem 19. April alles normalisieren werde.

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