Grossanlässe

«Silberstreifen am Horizont»: Das sagen Solothurner Veranstalter und Eventtechniker zum Entscheid

Wie gehts weiter mit Konzerten und sonstigen Anlässen? Die Planung erweist sich momentan als schwierig. (Archiv)

Wie gehts weiter mit Konzerten und sonstigen Anlässen? Die Planung erweist sich momentan als schwierig. (Archiv)

Per Oktober dürfen wieder Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen durchgeführt werden. Der Bundesrat hat das Verbot am Mittwoch aufgehoben. Wie wird der Entscheid im Kanton Solothurn aufgenommen?

In der Schweiz sind ab Oktober wieder Grossanlässe mit mehr als 1000 Personen erlaubt. Betroffen sind Anlässe in den Bereichen Sport, Kultur und auch Religion. Für die Bewilligung dieser Grossveranstaltungen sind nun die Kantone zuständig.

Beim EHC Olten ist man erleichtert. CEO Patrick Reber: «Wir freuen uns darauf, ab Oktober wieder vor einer grösseren Anzahl Fans spielen zu können. Mit dem heutigen Entscheid erhalten wir Veranstalter eine gewisse Planungssicherheit und können unsere Schutzkonzepte finalisieren.»

Wie sehen das Veranstalter in anderen Bereichen? 

Wenig ändert die neue Regelungen für Grossveranstaltungen im Kulturbereich. Etwa die beiden Oktoberfest im Kanton. Das Oktoberfest im Gäupark wurde bereits im Juni abgesagt, die neue Regelung des Bundes ändert daran nichts, so die Migros Aare auf Anfrage. Auch das Oktoberfest in Solothurn wird nicht stattfinden: Am Mittwoch gaben die Organisatoren auf Facebook bekannt, dass das Oktoberfest in Solothurn dieses Jahr ausfallen wird. 

Der Facebook-Post der Veranstalter.

Der Facebook-Post der Veranstalter.

Vieles noch unklar

Pipo Kofmehl, Leiter der «Kulturfabrik Kofmehl» in Solothurn, spricht nach dem Entscheid von einem «Silberstreifen am Horizont der Kulturbranche». Allerdings sei vieles noch nicht klar. «Bund und Kantone werden bis Anfangs September die Rahmenbedingungen für Grossveranstaltungen definieren, dass gibt hoffentlich für die vielen Grossveranstalter auch im Kulturbereich etwas Planungssicherheit.»

Aktuell ändert sich durch den Entscheid des Bundes nichts für die «Kulturfabrik Kofmehl» mit einer Kapazität von 1000 Besucherinnen und Besuchern, wie Pipo Kofmehl erklärt. «Bei uns gelten nach wie vor die aktuellen Rahmenbedingen, die der Kanton Solothurn vorgibt bis Ende August: unter anderem 100 Personen pro Sektor.»  

Wie die Rahmenbedingungen für Veranstaltungen ab September ausschauen, ist noch nicht bekannt. Für das Solothurner Kulturlokal ist deshalb eine Planung der Saison «doch etwas schwierig», wie Kofmehl meint. «Sobald aber die Fakten auf dem Tisch liegen, machen wir uns an die Planung.» Er hofft, dass die Rahmenbedingungen mit den Nachbarkantonen koordiniert werden. «Das macht es allen in diesen schwierigen Zeiten etwas einfacher und bleibt fairer.» 

«Keine grosse Euphorie»

«Den Entscheid haben wir ohne grosse Euphorie aufgenommen», sagt Markus Wälti, Geschäftsführer des Eventtechnik-Unternehmens Powerhouse aus Luterbach. Er habe das Gefühl, dass der Bundesrat nur wegen der Sportveranstaltungen so entschied.

 Grundsätzlich sei es aber gut, dass es Lockerungen gebe, aber das könnte auch nach hinten losgehen. «Wenn die Zahlen steigen, könnte alles rückgängig gemacht werden und Anfang nächstes Jahr wieder ein Lockdown blühen.» Und das wäre fatal für die Branche.

Ausfälle von 1 Million

Dieses Jahr ist für Powerhouse nichts mehr zu retten. «Unsere Kunden haben alles abgesagt bis Ende Jahr», so Wälti. Es gebe nur eine kleine Chance, dass neue Buchungen reinkommen würden. 1 Million Franken fehlen zwischen März und Oktober in der Kasse. «Zum Glück konnten wir die Technik bei den Kantonsrats-Sitzungen stellen und die Maturfeiern begleiten.»

Eine Person musste Wälti aufgrund der Coronakrise entlassen – um die anderen Mitarbeiter zu schützen. Diese sind noch in Kurzarbeit. Für ihn selbst ist die Situation momentan schwierig, «aber noch nicht dunkelrot». «Als Geschäftsführer habe ich kein Anrecht auf Kurzarbeit. Das macht mich sprachlos.» Was er gar nicht versteht: «In der Badi dürfen 4000 Menschen gleichzeitig sein. Veranstaltungen darf es aber keine geben.» Das geht für ihn nicht auf. 

Wälti hofft, dass 2021 die Solothurner Filmtage und die Fasnacht stattfinden können. «Dann sehe ich ein Licht am Ende des Tunnels.» Wenn bis im Mai keine Anlässe stattfinden könnten, wäre die Branche am Boden. Ausser es gebe Hilfe. Wälti hofft deshalb fest auf finanzielle Unterstützung durch Bund oder den Kanton.

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