Amtsgericht

Sie waren auf weihnächtlicher Diebestour: Drei Kriminaltouristen werden des Landes verwiesen

An insgesamt sieben Tatorten liessen die Einbrecher Schmuck und Bargeld mitgehen.

An insgesamt sieben Tatorten liessen die Einbrecher Schmuck und Bargeld mitgehen.

Drei litauische Kriminaltouristen ergatterten Diebesgut im Wert von rund 20'000 Franken bei mehreren Einbrüchen – etwa in Riedholz. Das führt nun zum Landesverweis.

Einbruchdiebstähle in Einfamilienhäusern in den Kantonen Solothurn, Aargau und Neuenburg während des letzten Jahreswechsels: Das wirft die Staatsanwaltschaft drei jungen Litauern vor. Angeklagt waren sie vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs.

Eine Anklageschrift von fünf Seiten listet die Vergehen auf, die die drei Männer im Alter von 29, 30 und 32 Jahren bei ihrer weihnächtlichen Diebestour begangen haben sollen. Alle drei sind in halb Europa von Belgien bis Deutschland als Kriminaltouristen vorbestraft. Eine klare Sache, könnte man meinen. Doch so einfach ist es nicht.

Verfahrensfehler und Pannen

Zwei Vorkommnisse komplizierten das Verfahren am Dienstag. Da ist erstens die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft Neuenburg bei zwei der Beschuldigten das Verfahren für den Einbruch und den Einbruchsversuch rechtskräftig eingestellt hatte. «Leider etwas vorschnell», wie sich in der Anklageschrift nachlesen lässt und wie Staatsanwalt Martin Schneider am Rand der Verhandlung bedauerte. Bei der Kommunikation zwischen Solothurn und Neuenburg sei etwas schiefgelaufen; gewisse Unterlagen wohl nicht rechtzeitig in der Romandie angekommen.

Das zweite Problem war ein Verfahrensfehler: ein fehlender Strafantrag, der zu Beginn der Verhandlung moniert wurde und die Einstellung eines Anklagepunktes nach sich zog.

Beute im Radio versteckt

Die Einbrüche waren von der sauberen Sorte. Die Täter hinterliessen nirgends Unordnung. Der Wert der Beute – hauptsächlich Schmuck und etwas Bargeld – im Umfang von knapp 20'000 Franken – beim ältesten Angeklagten kamen in Neuenburg noch 6700 Franken hinzu – überstieg den angerichteten Sachschaden bei mehreren Tatorten. So stellten die Hausbesitzer nicht in jedem Fall sofort fest, dass sie ungebetenen Besuch hatten. DNA-Spuren gab es nur an zwei Orten und nur von den zwei älteren Männern, weshalb die Pflichtverteidigerin des jüngsten seinen Freispruch und Entschädigung für die «zu Unrecht erlittene Haft» forderte. Die übrigen Tatorte wurden unter anderem dank identischer Schuhspuren verlinkt.

Und dann war da die aufmerksame Grenzwacht, die am 21. Januar hinter dem Autoradio des Trios eine nasse Socke voller gestohlenen Schmucks ausfindig machte; weil das Radio nur mit einer einzigen Schraube fixiert war. So konnten die Männer nicht noch ein 17. Mal innerhalb eines Monats unbehelligt aus der Schweiz ausreisen. Sie reisten meist von Frankreich her ein.

Nur für «Autokauf» eingereist

Die Staatsanwaltschaft forderte ausgehend vom ältesten Beschuldigten unbedingte Freiheitsstrafen von 50, 43 und 41 Monaten sowie je zehn Jahre Landesverweis. Die Verteidiger der beiden Älteren sahen bloss unbedingte Freiheitsstrafen von acht respektive vier Monaten als passend für die «Bagatelldelikte» an, die weder mit Gewerbsmässigkeit noch mit der Organisation einer Bande einen Zusammenhang hätten. Der Grund für die Schweizreise sei der Kauf von Occasionsautos gewesen, welche die Männer mit Gewinn in ihrer Heimatstadt zu verkaufen hofften.

Das Gericht verurteilte die drei Kriminaltouristen für gewerbs- und bandenmässigen Diebstahl, mehrfache Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch zu unbedingten Freiheitsstrafen von 48, 45 und 43 Monaten sowie je zehn Jahren Landesverweis. Die Gerichtskosten von 9000 Franken müssen sie zu je einem Drittel zahlen.

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