Integration

Sie sind die Küchenprofis der «etwas anderen Art»

«Volles Haus» im Restaurant «ProbierMahl» der Regiomech Felix Gerber

«Volles Haus» im Restaurant «ProbierMahl» der Regiomech Felix Gerber

In manchen Restaurants im Kanton Solothurn wirken Arbeitslose und Menschen mit Behinderung als Gastgeber. Sie sollen für den ersten Arbeitsmarkt qualifiziert, wiedereingegliedert oder ganz einfach sinnvoll beschäftigt werden.

12.15 Uhr: «Haben Sie reserviert? Ich glaube nämlich nicht, dass ich noch etwas frei habe», sagt Jacqueline Wietlisbach und lächelt etwas verlegen.

Tatsächlich sind an diesem Tag (während der Sportferien!) alle Tische des Restaurants «ProbierMahl» der Regiomech in Zuchwil entweder besetzt oder mit «Reserviert» angeschrieben. Das sei um diese Uhrzeit üblich, so Wietlisbach, seit fünf Jahren Abteilungsleiterin Gastro/Hauswirtschaft.

Das «ProbierMahl» ist an Wochentagen zur Mittagszeit jeweils zu rund 90 Prozent ausgelastet und das bei maximal 70 Gästen. Die grosse Beliebtheit misst Wietlisbach der guten Qualität der Küche bei. Auch dürften die preiswerten Mittagsmenüs zum Erfolg beitragen. Wie in allen Bereichen der Regiomech arbeiten auch im Restaurationsbetrieb anspruchsberechtigte Arbeitslose und Personen der Sozialhilfe. Insgesamt rund 35 bis 40 Personen, mit unterschiedlichen Pensen, in den Bereichen Küche und Service.

Im Durchschnitt arbeitet eine Person rund zwei Monate im Restaurant. In dieser Zeit wird sie laut Wietlisbach in verschiedenen Bereichen wie Menüplanung und Warenkunde geschult. Der Tagesablauf jedes Einzelnen sei wie in einem «normalen» Restaurant geregelt. Nach den zwei Monaten folgt dann nach Möglichkeit ein erster «Ausseneinsatz» im Rahmen eines Praktikums. «Eventuell ergibt sich dann auch eine Festanstellung», sagt Wietlisbach.

Das sei denn auch das Ziel und die Aufgabe der Regiomech: Qualifizierung für den ersten Arbeitsmarkt sowie die Wiedereingliederung. Wietlisbach selbst hatte vor ihrer Position als Leiterin zusammen mit ihrem Mann rund 30 Jahre lang einen Restaurationsbetrieb geführt. Darum wisse sie auch, dass es ein «zweischneidiges Schwert» sei, wenn ein, durch die Gemeinden querfinanziertes Unternehmen, ein Restaurant betreibe.

Denn ein «normales» Restaurant könne ja kaum mit ihren Menüpreisen mithalten. «Wir sind schliesslich ein Non-Profit Unternehmen», so die Leiterin und fügt an: «Wir wollen aber niemandem die Arbeit wegnehmen, darum haben wir auch ganz bewusst nie irgendwelche Werbung betrieben.»

«Pfefferkorn» in Solothurn

Auch ein Restaurant der «etwas anderen Art» befindet sich in der Solothurner Altstadt. An der Rathausgasse 18 betreibt die Solodaris-Stiftung seit Oktober 2009 das Restaurant «Pfefferkorn» mit 25 Plätzen. Das Spezielle am Restaurant Pfefferkorn ist, dass es von Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung betrieben wird. «Pro Tag sind fünf bis sechs Mitarbeitende und zwei Fachpersonen aus dem Betreuungsteam im Einsatz», erklärt Daniel Wermelinger, Geschäftsführer der Stiftung.

Das Restaurant erlebt im Gegensatz zum «ProbierMahl» gute und schlechtere Tage. «Der Umsatz und die Besucherzahlen sind schwankend. Wir dürfen aber auf ein Stammpublikum zählen», so Wermelinger.

Mit der Anzahl Mittagessen, die sie im Pfefferkorn verkaufen würden, sei aber eine kostendeckende Führung des Betriebs nicht möglich. «Unser Auftrag ist es aber, Menschen mit Behinderungen sinnvolle Arbeitsmöglichkeiten, die ihren Fähigkeiten entsprechen, anzubieten», sag Wermelinger.

Vergleiche mit üblichen Restaurationsbetrieben seien darum nicht möglich. Die Preise für ein Mittagsmenü würden aber den marktüblichen Preisen entsprechen. «Wir verkaufen unsere Mittagessen nicht zu Dumpingpreisen.»

Vebo-BIO-Restaurant in Oensingen

Weitere «nicht ganz übliche» Restaurants mit eigener Küche finden sich in Oensingen. Dort betreibt die Vebo die zwei Restaurants «Treffpunkt» und «BIO-Restaurant». Im Auftrag der Schweizerischen Invalidenversicherungen bilden diese Menschen mit einer Behinderung, unter anderem in der Berufsrichtung Koch auf dem Niveau EFZ aus.

Ziel der verschiedenen Ausbildungen ist stets die spätere Vermittlung in den 1. Arbeitsmarkt. Anders als die Restaurants der Regiomech und der Solodaris-Stiftung sind die beiden Betriebe aber Profit-/Non-Profit-Mischbetriebe. Thomas Liechti, Ausbildungschef des BIO-Restaurants, erklärt: «Für den Teil der sozialen Dienstleistungen sind wir eine Non-Profit-Organisation.

Für den produktiven Bereich funktionieren wir aber nach normalen wirtschaftlichen Grundlagen. Unsere Verkaufspreise entsprechen somit wirtschaftlich kalkulierten Marktpreisen.» Das sei auch eine Auflage der Betriebsbewilligung. Die Hauptauslastung des Restaurants erfolge durch die eigenen Mitarbeitenden. «Daneben ist das BIO-Restaurant aber ein öffentlicher Betrieb», so Liechti.

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