Verkehrssicherheit

Sie fahren nach dem Festessen: Nez Rouge wird immer beliebter

Immer mehr Autofahrer geben nach dem Festessen oder der Silvester-Party ihren Autoschlüssel an Nez Rouge.

Immer mehr Autofahrer geben nach dem Festessen oder der Silvester-Party ihren Autoschlüssel an Nez Rouge.

Seit letztem Freitag fährt Nez Rouge in der 14. Saison. Bei Helfern und Kunden ist die Aktion beliebt, es fehlen nur noch wenige Fahrerinnen und Fahrer.

Seit 14 Jahren ist Nez Rouge im Kanton Solothurn unterwegs und bringt Autofahrer nach dem Firmen-Weihnachtsessen, nach dem Fondue Chinoise mit der Familie oder nach der wilden Silvesterparty nach Hause. Wer zu viel getrunken hat oder sich zu müde fühlt, um selbst zu fahren, kann sich von freiwilligen Helfern mit dem eigenen Auto chauffieren lassen – für mehr Verkehrssicherheit.

Nez Rouge gewann mit den Jahren immer mehr an Bekanntheit. Im Jahr 2006 wurden rund 300 Personen befördert, fünf Jahre später waren es schon doppelt so viele. Zum zehnjährigen Jubiläum im Jahr 2016 nahmen bereits rund 1600 Leute den Service in Anspruch, letztes Jahr waren es 1700.

Fahrer für Heiligabend und Silvester gesucht

Dieses Wachstum konnte nur stattfinden, weil sich auch immer mehr Helferinnen und Helfer für das Projekt interessieren. Letztes Jahr waren 400 Leute im Einsatz. «Wir haben rund 250 Stammgäste, die seit Jahren immer wieder mithelfen», erzählt die Medienverantwortliche Monika Kummer. Manche kämen ein oder zwei Mal, andere seien an fünf bis sechs Abenden unterwegs.

Mit den Helfer-Anmeldungen in diesem Jahr ist Kummer zufrieden. Einzig an den besonders gefragten Tagen wie dem 24. und dem 31. Dezember fehlen noch Leute. «Allgemein ist das Interesse dieses Jahr jedoch gross, was uns sehr freut», so Kummer. Dieses Jahr ist Nez Rouge an 13 Tagen verfügbar, seit letztem Freitag sind die Fahrerinnen und Fahrer bereits unterwegs. An Freitagen und Samstagen kann man den Service in Anspruch nehmen, sowie am 24. und 25. Dezember. Der letzte Termin ist die Nacht vom 31. Dezember auf den ersten Januar.

Um zehn Uhr abends geht es dann jeweils los, die Freiwilligen warten in der Einsatzzentrale im Feuerwehr-Ausbildungszentrum Balsthal auf die ersten Anrufer. Fahrer müssen einen gültigen, definitiven Fahrausweis vorweisen, dürfen nicht älter als 70 sein und dürfen in den letzten 24 Stunden vor dem Einsatz keinen Alkohol trinken.

Meist schelle das Telefon schon nach wenigen Minuten, erzählt Monika Kummer, und die ersten Teams werden losgeschickt. Letztes Jahr gab es zwischen 33 und 186 Fahrten pro Abend. Nez-Rouge Solothurn deckt nicht den ganzen Kanton ab, die Sektion ist zwischen Olten und Bellach und zwischen Passwang und Huttwil zuständig. Wer sich nicht sicher ist, in welcher Sektion er sich befindet, wird über die Nez-Rouge-Nummer automatisch mit der nächsten Zentrale verbunden.

Fahrer können Aufträge ablehnen

Es seien auch Transporte in ein anderes Sektionsgebiet möglich, erklärt Monika Kummer. Geht es jedoch um weitere Strecken, sei dies nur möglich, wenn der Ansturm auf die Telefonleitungen gerade nicht zu gross sei. «Es kommt aber ein bis zwei Mal pro Jahr vor, dass wir auch mal jemanden nach Steffisburg oder Zürich fahren.»

Kummer erinnert sich nur an ein einziges Mal, wo eine Fahrt wegen schlechter Wetterbedingungen nicht angenommen werden konnte. «Die Situation auf der Strasse wäre für das Team zu gefährlich gewesen.» Die Fahrerinnen und Fahrer hätten ebenfalls die Möglichkeit, einen Auftrag abzulehnen, wenn der Kunde kein anständiges Verhalten zeige oder zu stark alkoholisiert sei. Dies sei jedoch noch nie vorgekommen.

Ohnehin seien die wenigsten Leute betrunken, wenn sie abgeholt werden. «Sie sind aber sensibilisiert und wissen, dass sie nach drei oder vier Gläsern Wein nicht mehr fahren sollten», so Kummer.

Autor

Alice Guldimann

Alice Guldimann

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