Sensationsfund
Der «Zorro der Wälder»: In Büsserach wurde der erste Gartenschläfer seit über 100 Jahren gesichtet

Lange war unklar, ob der Gartenschläfer im Solothurnischen für immer verschwunden ist. Doch nun ist ein Exemplar des «Zorro der Wälder» genannten Säugers aufgetaucht – erstmals seit 1909.

Online-Redaktion
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Nach über 100 Jahren wieder im Kanton Solothurn aufgetaucht: der Gartenschläfer.

Nach über 100 Jahren wieder im Kanton Solothurn aufgetaucht: der Gartenschläfer.

Biosphoto / Frédéric Desmette

«Es gibt ihn noch, unseren Zorro der Wälder!» So freut sich Thomas Briner, der Leiter des Solothurner Naturmuseums. Denn nach über 100 Jahren wurde erstmals wieder ein Gartenschläfer im Kantonsgebiet gesichtet, wie Pro Natura mitteilt. Die Suche nach dieser seltenen Schlafmaus war schwierig.

Vor zwei Jahren hatte Briner im Projekt «Heckengeister & Klettermeister» die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche nach den Schlafmäusen gebeten. Neben dem Gartenschläfer zählen auch der Siebenschläfer oder Haselmäuse dazu. Zu letzteren gingen in der Folge über 2000 Meldungen ein. Gartenschläfer war jedoch keiner darunter.

Während des Winterschlafs büssen Gartenschläfer rund die Hälfte ihres Körpergewichtes ein.

Während des Winterschlafs büssen Gartenschläfer rund die Hälfte ihres Körpergewichtes ein.

Biosphoto / Jean-François Noblet

Mit Spurtunnels und Wildtierkamerafallen versuchten Briner und sein Team dem Gartenschläfer auf die Schliche zu kommen. Allerdings erfolglos: «Wir haben sämtliche Tierarten aufgespürt, die in unseren Wäldern leben, aber keinen einzigen Gartenschläfer.»

Er schlief in einem Vogelhäuschen

Schliesslich führte eine letzte Massnahme zum Erfolg: Der Gartenschläfer wurde von Pro Natura zum «Tier des Jahres 2022» gekürt. Und tatsächlich traf kurz nach der Wahl ein Foto aus dem Schwarzbubenland bei Briner ein. Erich Linz aus Büsserach hatte in einem Vogelnistkasten in seiner Hochstammwiese einen schlafenden Gartenschläfer entdeckt.

Der erste Gartenschläfer, der im Kanton Solothurn seit 1909 gesichtet wurde, lag in einem Vogelhäuschen in Büsserach.

Der erste Gartenschläfer, der im Kanton Solothurn seit 1909 gesichtet wurde, lag in einem Vogelhäuschen in Büsserach.

Erich Linz

«Auf diesen Nachweis haben wir lange gehofft», freut sich Thomas Briner. Die letzte Solothurner Sichtung geht auf das Jahr 1909 zurück. Auch in anderen Regionen der Schweiz wurde der Gartenschläfer seit Jahrzehnten nicht mehr gesichtet. Er gilt deshalb als «fast bedroht».

Jetzt erwacht der Gartenschläfer aus dem Winterschlaf

Für den Kleinsäugerexperten bei Pro Natura, Urs Tester, ist klar: «Wo ein Gartenschläfer ist, müssen noch andere sein.» Der Sensationsfund im Kanton Solothurn und ein weiterer am Bielersee würden zeigen, dass sich der Gartenschläfer wieder ausbreiten könne – sofern die richtigen Bedingungen bewahrt oder wiederhergestellt werden.

Maske, Schwanzquaste, grosse Ohren: Der Gartenschläfer ist unverwechselbar

Maske, Schwanzquaste, grosse Ohren: Der Gartenschläfer ist unverwechselbar

Biosphoto / Frédéric Desmette

Der Gartenschläfer, auch «Zorro des Waldes» genannt, versteckt sich am liebsten in Laubhäufen, Holzbeigen und alten Bäumen. Pro Natura ermuntert die Bevölkerung, die Augen weiterhin offen zu halten für den scheuen Vielschläfer, der jetzt im April aus dem Winterschlaf erwacht.

Jetzt Spurtunnels bauen

Daten zum Verblieb des Gartenschläfers in der Schweiz sind gemäss Pro Natura dürftig. Der sensationelle Fund zeige jedoch, dass sich die Suche lohne. Ab April, wenn die Gartenschläfer aus ihrem Winterschlaf erwacht sind, ist der Zeitpunkt perfekt, um Spurtunnels zu bauen. Bei der nationalen Aktion «Spurensuche Gartenschläfer» von Pro Natura können Familien, Schulklassen und Privatpersonen mitmachen. Je mehr Funde gemeldet werden, desto besser können der «Zorro der Wälder» und sein Lebensraum in Zukunft geschützt werden.

Der Gartenschläfer ist das «Tier des Jahres 2022».

Youtube/ProNatura

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