Beinahe 20 Jahre alt ist die von Rainer Hug, Mitarbeiter im Amt für Umwelt (AfU), noch immer als «neu» bezeichnete kantonale Gewässerschutzverordnung. «Neu» ist die Verordnung von 1998 in dem Sinne, dass sie nach wie vor grosse Aktualität geniesst: Längst nicht alle Wasserfassungen im Kanton erfüllen nämlich die darin festgelegten Anforderungen punkto Grundwasserschutzzonen.

Im Mittelland stünden etwa sechzig Prozent der Wasserversorgung mit der Gewässerschutzverordnung im Einklang, in der Jura-Zone etwas weniger, weiss Hug.
Auf Geheiss des Amts für Umwelt müssen die betroffenen Gemeinden ihre Wasserversorgungskonzepte nun neu überdenken. Dabei sei der Eindruck, der Kanton handhabe die Schutzvorschriften plötzlich strenger als früher, nicht richtig, hebt Hug hervor. «Im Zusammenhang mit den da und dort auslaufenden Wasserentnahme-Konzessionen stellt man einfach vermehrt Überlegungen zu den notwendigen Anpassungen an», differenziert Hug.

Geld und Zeit gefordert

Zehn Jahre – in dieser Zeitspanne hat die Gemeinde Oensingen zusammen mit dem AfU nach einer alternativen Wasserbeschaffung zu dem im Moment noch genutzten Pumpwerk «Moos» zu suchen. Die aktuellen Gestaltungspläne verletzen nämlich den vorgeschriebenen Mindestabstand zwischen den Schutzzonen (vgl. Box). «Defizite in den Grundwasserschutzzonen können zu unerwünschten Inhaltsstoffen im Grundwasser führen», betont Hug mit Blick auf bestehende Gebäude oder Anlagen in Schutzzonen. 

Nicht nur Oensingen kommt in Zugzwang, sondern auch Schönenwerd. Es bringe nichts, an den Vorschriften an sich zu zweifeln, sagt Daniel Purtschert, Leiter der Bauverwaltung von Schönenwerd: «Immerhin geht es um den Schutz des Trinkwassers als Lebensmittel, das wir täglich brauchen.» Trotz dieser verbreiteten Einsicht breche bei den Gemeinden nicht gerade Begeisterung aus, wenn es um die Umsetzung der geforderten Anpassungen gehe, weiss AfU-Mitarbeiter Rainer Hug. Dies gilt erst recht, wenn alte Fassungen aufgegeben werden müssen.

«Man muss zig Pumpversuche durchführen, bis man einen geeigneten Standort für eine neue Wasserfassung gefunden hat. Diese Pumpversuche brauchen aber nicht nur Zeit, sondern auch Geld», argumentiert Daniel Purtschert. Davon können auch Purtscherts Kollegen aus anderen Gemeinden ein Lied singen – wie etwa jene aus Obergösgen und Wangen bei Olten. Den drei Gemeinden ist nämlich die suboptimale Lage ihrer bestehenden Pumpwerke gemein.

Während in Schönenwerd der Bau des neuen Eppenbergtunnels zur Stilllegung des Pumpwerks «Spitzenacker» führte, stehen in Obergösgen eine nahe Hauptabwasserleitung sowie weitere Anlagen in Konflikt mit den Schutzzonen. Dieser prekären Situation zum trotz darf Obergösgen das Pumpwerk dank der noch laufenden Konzession bis 2029 weiterhin nutzen. Und danach? «Die anfallenden Anpassungskosten sind hier so gross, dass wir lieber ein neues Pumpwerk bauen», erklärt Manfred Strub, Präsident der Werk- und Umweltkommission von Obergösgen, wie es anschliessend weitergehen soll. Auch die Zukunft der Wasserfassung «Bornstrasse» in Wangen bei Olten sieht nicht gerade rosig aus. Wegen ähnlicher Konflikte bezüglich der Schutzzonen sieht das AfU eine Stilllegung der Wasserfassung vor.

Verbesserungen in Planung

Als Ersatz für die problematischen Pumpwerke in Schönenwerd, Obergösgen und Wangen bei Olten sollen zwei neue regionale Grundwasserfassungen gebaut werden: eine in Obergösgen («Schachen») und eine in Gretzenbach («Aarefeld»). Diese beiden Fassungen sind Bestandteile des «Wasserversorgungsplans Olten-Gösgen», mit dem das Amt für Umwelt die Versorgungssicherheit in der Region Olten-Gösgen verbessern möchte.

Momentan seien die meisten Wasserversorgungen in dieser Region nur von einem einzigen Grundwasservorkommen abhängig, was ein gewisses Versorgungsrisiko bedeute, hält AfU-Chef Martin Würsten im Vorwort des Versorgungsplans fest. Dieses Risiko soll durch den geplanten Bau einer von Olten bis Aarau reichenden Verbindung, die der ganzen Region den Zugang zu zwei voneinander unabhängigen Grundwasservorkommen ermöglicht, vermindert werden.

AfU-Mitarbeiter Hug ergänzt, dass so zudem auf Wasserfassungen verzichtet werden könne, die den Ansprüchen der Verordnung nicht mehr genügen: «Es stehen dann nur noch gute Fassungen in Betrieb». Der Versorgungsplan Olten-Gösgen wurde am 24. Oktober vom Bau- und Justizdepartement als verbindlich für die Gemeinden erklärt. «Nun liegt es in deren Verantwortung, ihn umzusetzen», sagt Rainer Hug vom AfU.

Dabei würden die Gemeinden bei der Realisierung weiterhin durch das Amt unterstützt. «Es ist eine sehr gute Zusammenarbeit, bei der das AfU am Schluss das Endresultat prüft», bilanziert der in Obergösgen zuständige Manfred Strub. Diese Zusammenarbeit sei notwendig, da das Ausscheiden neuer Schutzzonen kein leichtes Unterfangen sei: «Man braucht einen Standort, der über genügend Grundwasser verfügt und auf welchem noch keine grundwassergefährdenden Anlagen stehen», unterstreicht Hug vom AfU. In der Schweiz sei dabei weniger das Wasservorkommen das Problem als vielmehr die eingeschränkten Platzverhältnisse. Und dieser Druck wird wegen wachsender Siedlungs- und Wirtschaftszonen in Zukunft sicher nicht kleiner werden.