Seit dem Start am 1. Januar 2005 wurden die Existenz und die Leistungen der Fachstelle Kinderschutz Kanton Solothurn wiederholt infrage gestellt: Beim Abschluss der Projektphase im Jahr 2008 und ebenso Ende 2012, als die Aufgaben- und damit die Lastenteilung zwischen dem Kanton und dem Verband der Einwohnergemeinden (VSEG) zu langer Ungewissheit führte.

Und jetzt, im Zuge des Massnahmenplans 2014, hat der Regierungsrat endgültig das vorzeitige Aus eingeläutet: Ende 2015 wird die in Oensingen domizilierte, je hälftig vom Kanton und vom VSEG finanziert Fachstelle aufgelöst. 150 000 Franken will die Regierung ab 2016 jährlich einsparen. Ohne erhebliche Folgen, wie Claudia Hänzi, Chefin kantonales Amt für soziale Sicherheit (ASO), diese Woche gegenüber Radio SRF versicherte: Ratsuchende könnten sich ja an andere Stellen wenden.

«Unweigerlich Leistungsabbau»

Dies sehen die Betroffenen in einer Medienmitteilung verständlicherweise weniger rosig. «Dass der Regierungsrat nicht einmal fünf Jahre nach der ‹definitiven Implementierung› (2009) die Schliessung auf Ende 2015 entschieden hat, traf die Verantwortlichen und die Mitarbeitenden unerwartet, werden doch deren Angebote breit geschätzt und genutzt.» Die Co-Stellenleiter Franz Ziegler und Patricia Flammer halten fest: «Auch wenn in Aussicht gestellt wurde, die Aufgaben der Fachstelle in bestehende Dienste zu integrieren, wird der Entscheid ohne die entsprechenden Mittel unweigerlich zu einem Leistungsabbau im Kinderschutz führen.»

Besorgt zeigt sich auch Kantonsrätin Barbara Wyss Flück (Grüne, Solothurn). In einer Interpellation fragt sie die Regierung, wie die Bereiche Beratung, Vernetzung und Prävention nach dem Aus der Fachstelle weitergeführt werden sollen. Wyss verweist insbesondere auf die von der Fachstelle organisierten erfolgreichen Präventionsangebote «Mein Körper gehört mir» und «Solothurner Kinder im Netz». Wohin, fragt Wyss, «wenden sich in Zukunft Privatpersonen bei einem Misshandlungsverdacht – da einige Sozialregionen keine Beratungen mehr anbieten und die Kesb auch nicht als Beratungsstellen vorgesehen sind?» Die Beantwortung durch die Regierung folgt in einer nächsten Kantonsratssession.

Noch bietet die Fachstelle Beratung und Referate an, führt Präventionsprojekte und -kampagnen durch und vernetzt im Bereich Kinderschutz aktive Stellen und Personen. Die Verantwortlichen bilanzieren: «Knapp 1700 Personen, Institutionen und Behörden haben seit 2005 vom Beratungsangebot Gebrauch gemacht. Über 10 000 Personen besuchten Infoveranstaltungen, Referate und Kurse zu den Themen Kindesmisshandlung und Kinderschutz.» Besondere Beachtung fänden jeweils die «minimax»-Veranstaltungen, die regelmässig für Fachpersonen durchgeführt werden: «In einem Minimum an Zeit wird ein Maximum an Informationen zu einem für den Kinderschutz relevanten Thema vermittelt.»