Sind Sie überrascht, dass die Regierung die 16-Prozent-Lösung zieht? Oder haben Sie eine tiefere Gewinnsteuerbelastung erwartet?

Roger Siegenthaler: Überrascht bin ich nicht über das, was die Regierung vorgestellt hat. Abgesehen davon: Es ist nicht wichtig, was ich persönlich für die Neuauflage der Steuerreform erwartet habe. Wichtig ist vielmehr dies: Es muss eine mehrheitsfähige Lösung für den Kanton geben. Vor allem aber auch muss der Kanton in Zukunft für Unternehmen attraktiv werden – und Unternehmen, die bereits da sind, sollen bleiben können, wo sie heute sind.

Steigen mit der neuen Vorlage Ihrer Ansicht nach die Chancen, dass die Vorlage an der Urne mehrheitsfähig wird? Oder ist das Gegenteil der Fall?

Das Vorgehen ist klar. Nun ist zuerst die Finanzkommission an der Reihe. Danach wird sich die Regierung zu den Anträgen vernehmen lassen. Und dann wird der Kantonsrat die Vorlage zuhanden der wahrscheinlichen Volksabstimmung verabschieden. Was im Kantonsrat noch geschehen wird, kann im heutigen Zeitpunkt nicht beurteilt werden.

Wie beurteilen Sie die Gegenfinanzierung der Steuerausfälle aus der Sicht der Gemeinden?

Unser Verband hat die neue Vorlage noch nicht analysiert. Am 14. August wird sich der Vorstand die Vorlage von Finanzdirektor Roland Heim präsentieren lassen. Danach werden wir Stellung beziehen.

Es fällt auf: Noch mehr Gemeinden werden noch weniger belastet als bei der ersten Vorlage. Das muss Sie freuen, oder?

Wie bereits gesagt: Wir haben die Vorlage noch nicht analysiert. Aus diesem Grund kann auch diese Frage noch nicht beantwortet werden. Auffällig ist, dass die Finanzierung der IT-Bildungsoffensive durch die Wirtschaft im Wert von rund 40 Mio. Franken nicht mehr vorgesehen ist. Ich bin gespannt, wo für die Wirtschaft die rote Linie zieht und ob es doch noch flankierende Massnahmen geben wird.

Wo liegen Ihrer Ansicht nach die Knackpunkte der neuen Vorlage?

Die politischen Knackpunkte liegen nach meinem Dafürhalten klar bei der künftigen Gewinnsteuerbelastung, bei der Erhöhung der Vermögenssteuer und zudem bei der Erhöhung der Dividenden-Teilbesteuerung.

Wo werden sich die Gemeinden schwergewichtig einbringen?

Das werden wir Mitte August nach der Befassung mit der Vorlage sehen. Wir behalten uns vor, im Herbst eine ausserordentliche Generalversammlung durchzuführen.