Wenn ein Solothurner oder eine Solothurnerin 100 Jahre alt wird, dann fährt jeweils nach guter Tradition der Landammann mit Staatsschreiber und Standesweibel vor. Im Kofferraum der Staatslimousine hat er entweder 50 Gramm Gold oder einen handgearbeiteten Sessel. Genau da, bei diesen Geschenken hatte die Gempner SVP-Kantonsrätin Jacqueline Ehrsam Sparpotenzial für den Staatshaushalt geortet. Ob ein Besuch mit Blumenstrauss nicht reiche, wollte sie vom Regierungsrat wissen. Dieser lehnt den Sparvorschlag nun ab. Er sieht überhaupt «keine Notwendigkeit», um bei den 100-Jährigen zu sparen. Einerseits sei die Zahl der Besuche trotz älterwerdender Gesellschaft mit 14 bis 27 Besuchen jährlich relativ konstant. Andererseits sei ein «werthaltiges» Geschenk sinnvoller «als ein möglicherweise billigeres symbolisches ohne Gebrauchs- oder speziellen Erinnerungswert». Schliesslich bleibe der Sessel später oft über Generationen hinweg ein geschätztes Familienerb- und Erinnerungsstück. Und der Goldbarren sei auch schon genutzt worden, um sich einen Wunsch zu erfüllen. «Unvergessen bleibe ein Jubilar, der nochmals eine Woche in die Ferien ging.

Für 18 Goldbarren und drei Sessel gab die Regierung 2016 39'550 Franken aus. 2017 werden 16 Goldbarren und ein Sessel 33'600 Franken kosten. Nicht gefragt hatte SVP-Frau Ehrsam, wie teuer der mehrstündige Besuch mit Landammann, Staatsschreiber, Staatschauffeur und Standesweibel kommt. (lfh)