Neue Regelung
Rechtsabbiegen bei Rot wäre für Velos nun möglich – was macht der Kanton Solothurn?

Der Bund hat erlassen, dass ab Januar 2021 unter anderem auch neue Regeln für Velo und Töffli gelten. Eine Neuerung: Rechtsabbiegen bei Rot ist erlaubt, sofern signalisiert. Wird das nun auch im Kanton Solothurn eingeführt?

Lea Durrer
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Es braucht bei Ampeln ein solches quadratisches Schild, damit Velofahrer trotz Rot rechts abbiegen dürfen.

Es braucht bei Ampeln ein solches quadratisches Schild, damit Velofahrer trotz Rot rechts abbiegen dürfen.

BFU

Eine der neuen, vom Bundesrat beschlossenen Verkehrsregeln sieht vor, dass Velo- und Töfflifahrende ab dem 1. Januar 2021 an Ampeln bei Rot rechts abbiegen dürfen, sofern dies entsprechend mit einem quadratischen Blech mit abgebildetem Velopiktogramm samt Richtungspfeil signalisiert ist.

Wo ist das nun im Kanton Solothurn der Fall? Die Antwort: Nirgends. Konkret ändert sich auf dieses Jahr hin nichts, heisst es beim Amt für Verkehr und Tiefbau auf Anfrage. «Wir haben lediglich ab 2021 die Möglichkeit dafür, bei einzelnen Ampeln das freie Rechtsabbiegen für Velos als Zusatzsignalisation zu gestatten», sagt Sascha Attia, Leiter Langsamverkehr. Dazu müssen aber verschiedene Kriterien erfüllt sein, so darf beispielsweise kein direkter Konflikt mit anderen Verkehrsteilnehmern bestehen. «Ob wir es irgendwo umsetzen, ist noch offen.» Ein Grundsatzentscheid sei noch nicht gefällt. «Das Ganze ist eine komplexe Geschichte», meint er.

Die Verkehrsregelung an einem Knoten sei das Resultat eines langen Planungsprozesses, in dem Nutzerbedürfnisse, Sicherheitsaspekte und Kapazitätsfragen unter einen Hut gebracht werden müssten.

Lebensdauer der Ampeln spielt mit

Der Kanton schaut sich aber jetzt – mit der neuen Verkehrsregel – nicht systematisch jede Ampel wegen einer möglichen Umsetzung an. Im Zuge von Softwareupdates oder baulichen Veränderungen wird das freie Rechtsabbiegen aber geprüft.

Auch beim Ersatz einer Ampelanlage erfolgt eine Überprüfung. Hierzu ist jeweils die Lebensdauer der Anlage entscheidend. Ein Steuergerät funktioniert normalerweise 20 Jahre. Das Drumherum, also die Masten, stehen um die 40 Jahre, bevor sie erneuert werden müssen.

Kritik: Das Signal Stopp wird aufgeweicht

Sascha Attia steht der Regel kritisch gegenüber. «Man beginnt so, das Stopp aufzuweichen.» Man müsse schauen, dass keine Regelung eingeführt werde, welche die Sicherheit senke. «Es ist eine Abwägung zwischen Sicherheit und Geschwindigkeit.»

Dem Leiter Langsamverkehr ist es wichtig, dass eine Anpassung der Infrastruktur nicht zusätzliche Unfälle zur Folge hat. Für ihn ist klar: «Die Lichtsignalanlage ist für Velos die sicherste Anlage für die Unfallverhütung.» Knoten mit Ampeln seien für Velos viel sicherer als Kreisel.

Es gibt Bedingungen für Einsatzbereiche

Auch die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) betont, dass durch die Signalisation geschaffene Sicherheitsprobleme «soweit wie möglich reduziert werden» sollen, heisst es in der entsprechenden Dokumentation. Die BFU spricht von einer reinen Veloförderungsmassnahme und legt klare Bedingungen für mögliche Einsatzbereiche fest. So muss die Zufahrt unter anderem einen Radstreifen von mindestens 1,5 Meter Breite aufweisen und die Strassen dürfen kein Gefälle grösser als 4% haben. Auch müssen der Kurvenradius und die notwendige Sichtweite beachtet werden.

Trotz Zusatzsignal haben die Velolenker gegenüber anderen Verkehrsteilnehmenden, die Grün haben, keinen Vortritt. Es sei wichtig, dies der Bevölkerung zu kommunizieren, so die BFU. Sie weist noch auf einen Punkt hin: «Wenn an gewissen Knoten das Rechtsabbiegen bei Rot freigegeben wird, steigt auch die Gefahr, dass die Radfahrenden dieses Verhalten an nicht freigegebenen Knoten vermehrt praktizieren».

Das sagt der Kanton zu weiteren neuen Regeln für Velo und Töffli

Vor Lichtsignalen kann ein Bereich für Velofahrer markiert werden, auch wenn kein Radstreifen vorhanden ist.

Der sogenannte «Velosack» hat sich laut Amt für Verkehr und Tiefbau als gute Massnahme erwiesen um Abbiegeunfälle zu vermeiden (Velofahrer im toten Winkel des LKW/PKW) und um gefährliche Überholmanöver bei engen Raumverhältnissen zu vermeiden. Bei Velosäcken erhalten die Velofahrer oft auch einen Vorstart mit eigenen Veloampeln, d. h. ca. 2 Sekunden vor dem Autoverkehr grün. Um den toten Winkel zu vermeiden, werden an kritischen Stellen sogenannte Trixi-Spiegel angebracht.

Zusätzlich wird eine Umleitungswegweisung für den Langsamverkehr eingeführt.

Bei Baustellen und Strassensperrungen steht nun eine einheitliche Signalisation für die Umleitung des Fuss- und Veloverkehrs zur Verfügung. Damit können auch Umleitungsrouten signalisiert werden, welche von jenen des motorisierten Individualverkehrs abweichen. «Umleitungen sorgen oft für Ärger bei den Strassenbenutzern – mit der neuen Regelung kann man diesen vermindern.»

In Tempo-30-Zonen sind vortrittsberechtigte Fahrstrassen für Velos möglich.

Neu ist es in Tempo 30-Zonen möglich den Rechtsvortritt an einer Kreuzung aufzuheben. Das ermöglicht es, die Strassen zu bevorzugen. «Dies ist gerade für den Veloverkehr äusserst nützlich», schreibt der Kanton. Diese Regelung sei eine neue Option im Repertoire – zur Anwendung werde sie vor allem auf Gemeindestrassen kommen.